Deutsche Wirtschaft mit neuem Wachstumshoch: Die größten Risiken

Deutsche Wirtschaft mit neuem Wachstumshoch: Die größten Risiken

Die Aufträge in der deutschen Industrie stiegen seit Ende 2012 rasant und erreichten im ersten Quartal 2014 einen neuen Rekordwert. Die größten Produktionszuwächse erwartet die Deutsche Bank in einer aktuellen Studie in den Branchen Pharma, Automobil, Baustoff- und Kunststoffindustrie. Doch es gibt auch Branchen, die enttäuschen. Welche Risiken derzeit für das Produktionswachstum bestehen. Die Studie der Deutschen Bank im Detail:

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im ersten Quartal mit 0,8 Prozent so kräftig wie seit drei Jahren nicht mehr gewachsen. Die Aussichten sind für den Rest des Jahres und auch für 2015 gut, glaubt man den Prognosen führender Institute und der deutschen Regierung.

Welche Branchen am meisten boomen:

Pharma-, Kunststoff- und Baustoffindustrie besser als bislang erwartet

Besser als von der Deutschen Bank angenommen haben sich die Pharma-, die Kunststoff- sowie die Baustoffindustrie im 1. Quartal 2014 entwickelt. In allen drei Branchen lag die Produktion spürbar über dem Niveau des Vorquartals. Geschäftserwartungen im positiven Bereich sowie hohe und/oder sogar gestiegene Kapazitätsauslastungen deuten darauf hin, dass die Wirtschaftszweige in den kommenden Monaten ihren Aufwärtstrend fortsetzen können. Daher haben wir unsere Produktionsprognose für 2014 in den betreffenden Branchen angehoben: In der Pharmaindustrie von +3% auf +5%, bei Kunststoffen von +3% auf +4% und in der Baustoffindustrie von +2% auf +4%.

Autoproduktion wird laut Deutsche Bank heuer um fünf Prozent zulegen

Keinen Änderungsbedarf für unsere Prognose sieht die Deutsche Bank derzeit in der Automobilindustrie (Produktionsprognose für 2014: +5%), der Elektrotechnik (+3,5%), in der Metallindustrie (+4%), der Papierindustrie (+1%) sowie in der Textilindustrie (+1%). Hier verlief die Entwicklung im 1. Quartal 2014 in etwa im Einklang mit unseren zuvor getroffenen Annahmen.

Deutsche Bank revidiert Prognosen für Chemieindustrie nach unten

Auch in der Chemieindustrie verlief das 1. Quartal 2014 enttäuschend: Die Produktion lag um 2,1% unter dem Niveau von Q4 2013. Auch die Ge
schäftserwartungen zeigten zuletzt nach unten, befinden sich aber noch im positiven Bereich. Der schlechte Start ins neue Jahr erfordert es, unsere Produktionsprognose auf +1% zurückzunehmen (von +3%), wobei eine Erholung bei Produktion und Aufträgen im Verlauf von 2014 unterstellt ist. Auch im Ernährungsgewerbe haben wir unsere Prognose nach unten revidiert, und zwar von +1% auf Stagnation.

Doch selbst für die dennoch robuste deutsche Wirtschaft, der Wachstumsmotor Europas schlechthin, lauern Gefahren. Welche das sind:

Krise in der Ukraine bereitet sich aus:

Die Krise mit Russland trifft laut Deutsche Bank schon jetzt speziell die deutsche Maschinenbranche, die dorthin stark exportiert. So war Russland 2013 viertwichtigster Zielmarkt für deutsche Maschinenbauexporte. Die Banker haben deshalb die Prognose für die Gesamtjahrproduktion auf real 2% gesenkt (von zuvor +4%). Eine Verschärfung der Ukraine-Krise könnte sich, laut Deutsche-Bank-Studie, auch negativ auf die allgemeine Investitionstätigkeit in Europa auswirken.

Exporteinbruch von 16 Prozent nach Russland

Die deutschen Exporte nach Russland sind im Jänner/Februar um 16 Prozent eingebrochen, die in die Ukraine um ein Fünftel. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt, dass die Ausfuhren nach Russland in diesem Jahr auch ohne weitere Eskalation des Konflikts mit dem Westen um acht bis zehn Prozent sinken dürften. Das wäre ein Minus von mindestens 3 Mrd. Euro. Sollte es zum Handelskrieg mit Russland kommen, könnte die deutsche Wirtschaft gar "einen Einbruch erleben", warnen Volkswirte der Postbank. Gefahr droht auch, wenn Osteuropa in den Abwärtssog geraten sollte. Die ehemaligen kommunistischen Länder gehören zu den am schnellsten wachsenden Absatzmärkten Deutschlands.

Starker Euro könnte Wirtschaft abwürgen

"So stark wie in den letzten eineinhalb Jahren hat der Euro in den vergangenen zehn Jahren nie zugelegt", sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Vor Kurzem noch kletterte der Euro nahe an 1,40 Dollar - Ende 2012 lag er noch knapp über 1,30 Dollar. Für die deutsche Wirtschaft mag das zwar noch verkraftbar sein. "Damit kann man leben", sagt etwa der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner. Doch der gestiegene Eurokurs macht den europäischen Krisenländern zu schaffen, die mit schmerzhaften Lohnkürzungen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht und dank der Exportbelebung gerade erst die Rezession beendet haben. Der Höhenflug des Euro bedroht diesen Erfolg. Das wiederum gefährdet auch die deutsche Wirtschaft, die rund 40 Prozent ihrer Exporte in die Währungsunion schickt. Die Deutsche Bank erwartet jedoch keine weitere Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar.

Konjunkturelle Risiken wichtiger Abnehmerländer wie China

Konjunkturelle Risikofaktoren für die Industrieprognose liegen, nach Einschätzung der Deutschen-Bank-Studie, in der wirtschaftlichen Entwicklung der wichtigsten Abnehmerländer deutscher Industrieerzeugnisse in anderen EU-Ländern, den USA, und China.
Vor allem China wird von zahlreichen Experten als großer Risikofaktor für die Konjunktur gesehen. Die Regierung in Peking erwartet 2014 das schwächste Wachstum seit 24 Jahren. Einige Volkswirte befürchten sogar einen Einbruch der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Eine Immobilienpreisblase, Überkapazitäten in einigen Industriebranchen, die enorme Verschuldung von Unternehmen und privaten Haushalten sowie der große Markt der Schattenbanken zählen zu den Risiken in China. Als viertgrößter deutscher Exportkunde und wichtiger Taktgeber der Weltwirtschaft hätte eine Krise dort auch gravierende Folgen hierzulande.

Risiko fallende Preise in der Eurozone

In fünf der 18 Euro-Länder fallen die Preise, darunter in Griechenland und Spanien. In der gesamten Eurozone liegt die Teuerungsrate aktuell mit 0,7 Prozent weit unter dem Wert von knapp zwei Prozent, bei dem die Europäischen Zentralbank von stabilen Preisen spricht. Kommt es zu einem Preisverfall auf breiter Front, hätte das verheerende Folgen für die Wirtschaft: Die Unternehmen würden nicht mehr investieren und einstellen, Verbraucher große Anschaffungen hinauszögern, die Konjunktur in die Knie gehen - auch in Deutschland.

Preisblasen durch billiges Geld

Befeuert von billigem Notenbankgeld erklomm der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag ein neues Rekordhoch. Damit steigt die Gefahr, dass Preisblasen entstehen - und die können platzen, wie das jähe Ende des Neuen-Markt-Booms um die Jahrtausendwende gezeigt hat. Auch am Immobilienmarkt kann es zu Übertreibungen kommen. Die Bundesbank warnte schon 2013, dass die Preise in einigen Großstädten zu hoch seien. Auf der Flucht vor niedrigen Zinsen stecken nach wie vor viele Deutsche ihr Geld in Betongold, was die Preise befeuert. Die globale Finanzkrise begann 2007 mit dem Platzen einer Immobilienblase in den USA und trieb die Weltwirtschaft in ihre schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

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