Deutsche Reedereien stehen vor dem Kollaps

Deutsche Reedereien stehen vor dem Kollaps

Die deutschen Reeder rufen nach dem angekündigten Rückzug der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierungen die deutsche Bundesregierung zu Hilfe.

Die durch stagnierende Frachtraten und hohe Treibstoffkosten gebeutelte Branche fürchtet, dass weitere Banken dem Beispiel der Commerzbank folgen könnten. Die staatliche KfW soll daher angeschlagenen Unternehmen durch Überbrückungskredite zur Seite springen. "Es geht darum, sinnvolle temporäre Lösungen zu erarbeiten, mit denen Banken und Reedereien ein Durchfahren der noch immer andauernden Krise ermöglicht wird", heißt es in einem Schreiben des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) an den Maritimen Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto, das der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag.

Darin regt der Reederverband neben KfW-Darlehen auch Tilgungsstundungen und neue Bewertungsmethoden für Schiffe an. Es solle geprüft werden, inwiefern die KfW Kredite für Einschiffsgesellschaften vergeben könne, die keine weiteren Betriebsmittelkredite von ihren Banken erhielten. Die Themen sollen am Donnerstag bei einem Treffen des Maritimen Koordinators mit Vertretern der schiffsfinanzierenden Banken in Berlin zur Sprache kommen, an dem die Reeder selbst nicht teilnehmen. Der FDP-Politiker Otto soll dabei als Mittler für die Schifffahrtsbranche agieren. Ein mögliches Hilfspaket soll nach den Vorstellungen des VDR bei einem Schifffahrts-Gipfel zusammen mit dem Bundesfinanz-, dem Wirtschaftsministerium und der Finanzaufsicht BaFin "möglichst zeitnah" auf den Weg gebracht werden.

Krisen schaukeln sich hoch

"Wir haben das Problem, dass seit gut drei Jahren eine Finanzmarktkrise und eine Krise der Realwirtschaft sich gegenseitig hochschaukeln", sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDR, zu Reuters. Er gab den Banken eine Mitverantwortung für die Lage der Schifffahrtsbranche. "Die Reeder alleine hätten keine Schiffe bestellen können. Sie brauchten immer jemanden, der finanziert. Ohne die Banken wäre das nicht möglich gewesen." Die Kreditinstitute sollten daher ihrer Verantwortung für die maritime Wertschöpfung in Deutschland nachkommen.

Die Schifffahrtsbranche leidet derzeit unter hohen Überkapazitäten, die die Fracht- und Charterraten drücken. Viele Unternehmen sind kaum in der Lage, die stark gestiegenen Treibstoffkosten zu bezahlen und geraten so mit ihren Kreditzahlungen in Rückstand. Für die Banken ist das Schifffahrtsgeschäft wegen des ständigen Auf und Abs weniger attraktiv geworden. Zudem müssen die großvolumigen Finanzierungen, die über viele Jahre laufen, mit mehr Eigenkapital unterlegt werden. Die Banken überlegen deshalb genau, wofür sie ihr wertvolles Eigenkapital einsetzen. Die Commerzbank, Nummer zwei bei Schiffsfinanzierungen in Deutschland hinter der HSH Nordbank, entschloss sich daher, den Rückzug einzuleiten. Die HSH Nordbank muss das Geschäft aufgrund von Auflagen der EU reduzieren.

Vor allem kleinere Reedereien stehen derzeit unter Druck. Von den kürzlich von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) befragten kleineren Firmen rechnete weniger als die Hälfte in den kommenden zwölf Monaten mit Geschäftszuwächsen. Über 80 Prozent der Befragten waren überdies der Ansicht, dass etliche deutsche Reedereien das nächste Jahr nicht überstehen werden. Zahlreiche Einschiffsgesellschaften stehen vor dem Aus, weil die Erträge nicht für die Tilgung der Kredite ausreichen. Dabei handelt es sich um Gesellschaften, bei denen Investoren Eigenkapital über Fonds bereitgestellt haben.

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