"Der Iran ist entschlossen, seinen Brüdern in Syrien zu helfen"

"Der Iran ist entschlossen, seinen Brüdern in Syrien zu helfen"

Der Konflikt in Syrien droht nach dem jüngsten Chemiewaffeneinsatz unweit von Damaskus am 21. August, bei dem laut Rebellenangaben 1300 Menschen starben, zu eskalieren. Während die syrische Regierung und die Rebellen einander gegenseitig beschuldigen, für den Anschlag verantwortlich zu sein, überlegt der Westen, allen voran Frankreich, Großbritannien und die USA, derzeit Vergeltungsmaßnahmen gegen das syrische Regime. Genau davor warnt der Iran, engster Verbündeter des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, den Westen.

"Die westlichen Staaten müssen sich bewusst sein, wie heikel und explosiv die Lage ist. Es gibt gewisse rote Linien. Wenn diese überschritten werden, dann wird es nicht nur eine Eskalation in der ganzen Region geben, sondern auch weitreichende Folgen für den Westen und die ganze Welt. Die Amerikaner haben nach ihren Desastern im Irak und Afghanistan hoffentlich gelernt, dass unüberlegte Militärschläge in einer Katastrophe enden. Der Iran ist entschlossen, seinen syrischen Brüdern zu helfen", warnte ein iranischer Politiker, der anonym bleiben wollte, im Gespräch mit der APA.

Während der Westen den Bericht von UNO-Inspektoren, die am heutigen Montag mit der Untersuchung des Chemiewaffeneinsatz in Syrien begannen, abwarten will, ist der Iran bereits aktiv geworden. Finanzspritzen in Form von Milliardenkrediten, die ständige Lieferung von technischem Know-How und die indirekte Unterstützung des Assad-Regimes durch den massiven Einsatz der Armeekräfte der pro-iranischen Schiitenmiliz Hisbollah werden in den letzten Tagen verstärkt aus Teheran forciert.

Bereits vor wenigen Wochen hatte der Golfstaat 4.000 Elitesoldaten der Revolutionsgarden nach Syrien geschickt. Weitere 4000 sollen nun folgen. Die iranische Führung will Assad auf jeden Fall an der Macht bleiben lassen. Dazu werde man alle nötigen Schritte einleiten, so der Diplomat weiter. Es werde auch nicht ausgeschlossen, dass auf den Golanhöhen eine neue syrische Front gegen Israel eröffnet werden könnte.

Freiwillige für den Krieg in Syrien gesucht

Offiziell hat das Regime in Teheran bisher stets vermieden, eine aktive Hilfe für den syrischen Verbündeten zuzugeben. "Unsere Brüder in Syrien sind durchaus in der Lage, die Rebellen selbst zu bekämpfen", so die offizielle Linie der Führung. Der APA liegen Informationen vor, dass der Iran Syrien schon seit Monaten tatkräftig unterstützt.

Auf mehreren iranischen Webseiten werben die Anhänger des Obersten Geistlichen Führers Ayatollah Seyed Ali Khamenei Freiwillige für den Krieg in Syrien an. Die Freiwilligen werden gebeten, eine iranische Telefonnummer anzurufen oder für die Registrierung eine SMS zu verschicken.

Waren es 2009 noch syrische Sicherheitskräfte, die Teheran bei der Zerschlagung der Proteste unterstützten, so sind es nun iranische Bassij- und Revolutionsgardisten, die in Damaskus aushelfen. Zudem ist das sogenannte Perserviertel in Damaskus größer geworden, denn nicht unweit der Hauptstadt bilden beide Länder Sicherheitskräfte in Camps aus. Teheran liefert an Syrien auch Ausrüstung zur Bekämpfung von Aufständen sowie Geräte zur Kontrolle des Internets und zum Abhören von Telefongesprächen.

Diese Hilfestellungen des Irans sind allesamt nicht ganz uneigennützig. Ist doch Syrien das einzige Land unter den arabischen Staaten, das seit dem Bestehen der Islamischen Republik enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zum Gottesstaat unterhält. Die Kanäle reichen von Geld- und Waffentransfers an die libanesische Hisbollah und die palästinensische Hamas bis zu gemeinsamen Waffenkäufen.

Ein Bericht der Vereinten Nationen hat enthüllt, dass sechs von neun gemeldeten Verletzungen des Verbots konventioneller Waffenlieferungen aus dem Iran für Syrien bestimmt waren. Bei allen Vorfällen waren die Waffen sorgsam verborgen, um eine Inspektion zu vermeiden und die Identität der Endnutzer zu verheimlichen.

Unterdessen schlagen auch China und Russland in dieselbe Kerbe wie Teheran und warnen den Westen vor einem voreiligen Angriff auf das syrische Regime. In einem Telefonat zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif bekräftigte der russische Chefdiplomat die russische Unterstützung für Assad und warnte die USA und Europa vor "unüberlegten Schritten". Allerdings schloss Russland ein militärisches Eingreifen aus. "Wir haben keine Absicht, mit irgendwem Krieg zu führen", so Lawrow auf die Frage, wie sein Land bei einem westlichen Angriff auf Militäreinrichtungen in Syrien reagieren werde. Lawrow betonte, es sei eine Illusion zu glauben, man könne durch die Zerstörung der militärischen Infrastruktur der syrischen Regierung von Bashar al-Assad den Bürgerkrieg beenden. Ein solche Eingriff stelle eine schwere Verletzung des Völkerrechtes dar. Lawrow warnte vor einem "furchtbaren Fehler", der nur zu mehr Blutvergießen führen werde.

Der seit März 2011 andauernde Konflikt droht aber auch deswegen mehr und mehr aus den Fugen zu geraten, weil Assad erst am heutigen Montag weiter eine harte Gangart gegen "die Terroristen" ankündigte.

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