Der Drache rüstet auf

Der Drache rüstet auf

Die USA werden angesichts dieser neuen roten Aufrüstung zunehmend nervös.

In China heißen sie Diaoyu-, in Japan Senkaku-Inseln, ein Grüpplein unbewohnter Felsen etwa 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan. Sowohl Japan als auch China beanspruchen dieses Mini-Territorium, offiziell weil am Meeresgrund 1982 Ölvorkommen entdeckt wurden, die ein jährliches Fördervolumen von bis zu 1.574 Millionen Barrel versprechen. Noch Ende September, als sich die beiden Vizeaußenminister der zweit- und der drittstärksten Wirtschaftsmacht zu einem erfolglosen Schlichtungsgespräch trafen, fragte der "Economist“ bange: "Wird China deswegen gegen Japan in den Krieg ziehen?“

Inoffiziell jedoch gilt dieser Inselstreit als das unverhohlene Eingeständnis einer in den vergangenen Jahren immer selbstbewusster - manche sagen: aggressiver - gewordenen chinesischen Außenpolitik, die kaum mehr was mit Deng Xiaopings Nichteinmischungs-Doktrin aus den 80er-Jahren zu tun hat. "Chinas wirtschaftlicher Erfolg“, sagt der österreichische Rüstungsanalyst und Militärökonom Brigadier Harald Pöcher, "mündet nun auch in eine militärische Aufrüstung.“

Die chinesische Führung trägt diese auch stolz zur Schau. Während der japanische Spitzendiplomat unhöflich nachhause geschickt wurde, stellten die beiden ranghöchsten Politiker des Landes, Parteichef Hu Jintao und Premier Wen Jiabao, zeitgleich und unter großem Tamtam Chinas ersten Flugzeugträger "Liaoning“ in der Hafenstadt Dalian in den Dienst der immer stärker aufgerüsteten Seestreitkräfte. Jahrelang wurde dieses ausgemusterte Ex-Sowjet-Schiff umgebaut und mit Hightech vollgepfropft. Es soll als Prototyp für die künftige chinesische Flugzeugträgerflotte dienen. Nicht weniger spektakulär waren die vorige Woche freigegebenen Bilder des zweiten chinesischen Tarnkappen-Kampfflugzeuges J-20 (Bild), das dem US-Kampfjet F-22 Raptor verblüffend ähnlich sieht.

Vor allem amerikanische Militärs werden angesichts solcher Waffendemonstrationen Chinas zunehmend nervöser. Zwar sind die USA mit einem Verteidigungsbudget von 692 Milliarden Dollar (2011) nach wie vor die stärkste Militärmacht der Welt. Doch in den vergangenen zehn Jahren hat China im Schatten der Iran- und Afghanistan-Kriege seinen Militär-Etat auf 100 Milliarden Dollar ausgeweitet (Platz 2). Der Großteil dieser Gelder fließt in die Aufrüstung der Marine. Offiziell, so Peking, um die 18.000 Kilometer Küsten und 6.000 Inseln im Süd- und Ostchinesischen Meer zu verteidigen. In Wahrheit jedoch beansprucht China praktisch das komplette Gelbe Meer, zumindest alles, was sich innerhalb der sogenannten "Nine-Dash Line“ befindet. Das ist eine gigantische, fiktive U-förmige Grenze, die sich südlich des Festlandes im Westen die vietnamesische Küste entlangzieht, im Süden an Malaysia und Brunei vorbeischrammt, im Osten an die Philippinen drängt und im Norden gegen Japan hin ausläuft.

Kurzum: Die chinesische "Nine-Dash Line“ pendelt direkt vor der Nase fast aller US-Alliierten in dieser Region. So verwundert es kaum, dass der "Washington Post“ vor wenigen Wochen ein Pentagon-"Kriegsszenario“ USA vs. China zugespielt wurde, in dem das Reich der Mitte nach einem Überraschungsangriff in die Ming-Dynastie zurückgebombt wird. Laut Experten spiegle dieses Planspiel auch das militärische Kräfteverhältnis wider. Noch.

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