Daten-Schnüffelei: China gegen USA gegen Europa

Daten-Schnüffelei: China gegen USA gegen Europa

Angeblich nehmen hunderte Hacker in Shanghai diverse amerikanische Unternehmen und Behörden ins Visier. Die USA stehen indes wegen der NSA-Affäre nach wie vor in der Kritik.

Die USA haben Medienberichten zufolge mehrere Hacker der chinesischen Volksbefreiungsarmee wegen Cyberspionage gegen US-Unternehmen angeklagt. Die "Washington Post" und andere US-Medien berichteten am Montag, dass den Verdächtigen der Diebstahl von Industriegeheimnissen vorgeworfen werde.

Demnach ist es das erste Mal, dass die USA gegen Vertreter eines anderen Staates wegen Wirtschaftsspionage im Internet Anklage erheben. Die USA hatten China immer wieder vorgeworfen, in die Computernetzwerke von US-Unternehmen einzudringen. Ein Bericht des US-Kongresses aus dem Jahr 2012 bezeichnete China als den "bedrohlichsten Akteur im Cyberspace". Die chinesische Regierung wies die Anschuldigungen stets zurück und betont, selbst Ziel von Cyberangriffen zu sein.

Bis zu 120 Milliarden Dollar Schaden

Im Februar vergangenen Jahres hatte eine Untersuchung der US-Sicherheitsfirma Mandiant die Aufmerksamkeit auf eine Sondereinheit der chinesischen Armee gelenkt, die mit Hunderten Hackern von einem Gebäude in Shanghai aus Unternehmen und Behörden in den USA ins Visier nehmen soll. Mit dem Wissen und der "direkten Unterstützung" Pekings sei eine "ausgedehnte Cyberkampagne" gegen mehr als 140 Ziele in den Vereinigten Staaten im Gange, hieß es darin.

Die Wirtschaftsspionage über das Internet verursacht für die USA hohe Schäden, der "Washington Post" zufolge reichen die Schätzungen über die jährlichen Einbußen von 24 bis 120 Milliarden Dollar (bis zu 87,5 Milliarden Euro).

NSA durchleuchtet die Chinesen

Die Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden über die massiven Spähprogramme des US-Geheimdienstes NSA haben die Regierung in Washington allerdings in Erklärungsnöte gebracht. Das Magazin "Der Spiegel" und die "New York Times" hatten im März berichtet, dass die NSA in China neben der Staatsführung auch den Netzwerkriesen Huawei ins Visier genommen habe.

Demnach soll die NSA das Computernetzwerk von Huawei infiltriert sowie sich Zugang zum E-Mail-Archiv, zu internen Kommunikationsdokumenten und zu geheimen Quellcodes verschafft haben. Die von einem ehemaligen Ingenieur der chinesischen Armee 1987 gegründete Firma ist der zweitgrößte Netzwerkausstatter der Welt und außerdem der drittgrößte Hersteller von Smartphones. Somit ist Huawei einer der größten Konkurrenten des US-Konzerns Cisco.

Als Grund für die Ausforschung gab die NSA den Berichten zufolge in einem internen Papier an, dass "viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren" und der Geheimdienst auf dem Stand der Technik bleiben müsse. Zudem gebe es die Sorge, dass China die weitverzweigte Infrastruktur von Huawei "zu Spionagezwecken nutzen" könne. US-Präsident Barack Obama ließ die Vorwürfe zurückweisen und versicherte dem chinesischen Staatschef Xi Jinping bei einem Treffen Ende März, dass "die Vereinigten Staaten nicht spionieren, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen".

Europa sucht die Lösung

In Brüssel wird weiterhin nach einer Lösung des NSA-Dilemmas gesucht, nachdem im vergangenen Sommer der Whistleblower Edward Snowden für Beunruhigung in der heimischen Wirtschaft gesorgt hatte.

Aktuell ermächtigt das "Safe Harbor"-Abkommen nämlich europäische Unternehmen, personenbezogene Daten legal in die USA zu übermitteln - diese Vorgabe ist nun heftig unter Beschuss: Im März stimmten die EU-Abgeordneten des Europaparlaments für eine Aussetzung des Safe Harbor-Abkommens zur Übermittlung gewerblicher Daten in die Vereinigten Staaten.

Zudem verabschiedete das Parlament eine EU-Datenschutzverordnung, die nun durch den Rat muss. sie soll Vorschriften ersetzen, die aus dem Jahr 1995 stammen - einer Zeit, in der es noch keine Smartphones und kein Facebook gab.

Europäische Unternehmen, wie etwa die österreichische Fabasoft, werben indes damit, dass bei ihnen gespeicherte Daten in Europa verbleiben und somit angeblich keine Betriebsgeheimnisse in die USA wandern.

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