"Das sind schreckliche Daten"

"Das sind schreckliche Daten"

Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen April und Juni um 0,7 Prozent zum Vorquartal und damit zum dritten Mal in Folge. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet.

Premierminister David Cameron sprach am Mittwoch von enttäuschenden Daten. "Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir unsere Anstrengungen verdoppeln, um unsere Schulden in den Griff zu bekommen, das Defizit anzugehen und die Wirtschaft anzukurbeln", sagte der Regierungschef dem TV-Sender Sky.

Finanzminister George Osborne räumte "tiefverwurzelte wirtschaftliche Probleme" ein. Ökonomen hatten wegen eines zusätzlichen Feiertages anlässlich des 60-jährigen Thronjubiläums von Königin Elizabeth II. bereits mit einer schwächeren Wirtschaftsleistung gerechnet. Das Ausmaß überraschte die meisten Fachleute jedoch. "Das sind schreckliche Daten", sagte Commerzbank-Analyst Peter Dixon. "Es gibt ehrlich gesagt nichts Gutes, was man daraus ablesen könnte." Christian Schulz von der Berenberg Bank betonte: "Die Rezession im Vereinigten Königreich geht nicht nur einfach weiter, sie verschärft sich auch stärker als erwartet."

Alle Sektoren schwächeln

Der Service-Sektor, der drei Viertel der Wirtschaftskraft ausmacht, schrumpfte um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Die Industrie drosselte ihre Produktion um 1,4 Prozent und damit so stark wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Kurzfristig erwarten Ökonomen von den Olympischen Spielen in London, die am Freitag offiziell eröffnet werden, gewisse Impulse. Die langfristigen Aussichten sind aber weniger rosig. Der Internationale Währungsfonds traut Großbritannien für 2012 nur noch ein Mini-Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent zu.

Die schwachen Daten erhöhen den Druck auf die Regierung, für mehr Wachstum zu sorgen. Aber die konservativ-liberale Koalition will unter allen Umständen am Sparkurs festhalten und das hohe Haushaltsdefizit von rund acht Prozent abbauen. Die britische Zentralbank hatte im Kampf gegen die Konjunkturflaute und die Schuldenkrise ihr Anleihenkaufprogramm zuletzt um 50 Milliarden auf 375 Milliarden Pfund aufgestockt.

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