"Das ist ein besorgniserregender Abschwung"

"Das ist ein besorgniserregender Abschwung"

Ihre Geschäfte liefen im Juni so schlecht wie seit der weltweiten Finanzkrise vor drei Jahren nicht mehr, fand das Markit-Institut bei seiner Umfrage unter 1000 Unternehmen heraus.

"Am schlimmsten hat es die Industrie erwischt, deren Exportgeschäft stark unter der zunehmenden Abkühlung der Weltkonjunktur und der hartnäckigen Euro-Krise leidet", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Experten rechnen nun mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel um 0,8 auf 48,5 Punkte, teilte das Markit-Institut am Donnerstag mit. Das ist der schlechteste Wert seit Juni 2009. Das Barometer entfernte sich damit weiter von der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. "In den deutschen Unternehmen setzt sich zunehmend die Ansicht durch, dass die Turbulenzen in der Euro-Zone die Geschäftsaussichten für die zweite Jahreshälfte 2012 bereits beschädigt haben", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. "Deutschland fällt es immer schwerer, sich dem Abwärtssog zu entziehen", sagte auch Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Abschwung wird tiefer und breiter

Der Abwärtstrend in Deutschland verhinderte einen Anstieg des europäischen Einkaufsmanagerindex: Er verharrte mit 46,0 Punkten auf dem niedrigsten Niveau seit drei Jahren. "Das ist ein besorgniserregender Abschwung, und er springt von den Peripherieländern auf Deutschland über", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Er wird tiefer und breiter." Die Daten signalisierten einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Währungsunion im zweiten Quartal von 0,6 Prozent. Zu Jahresbeginn stagnierte die Wirtschaft im Euroraum noch. Auch die Schweiz bekommt laut neuen Exportdaten die Folgen der Schuldenkrise zunehmend zu spüren.

Viele Länder leiden unter einer Rezession, die durch harte Sparprogramme der Regierungen noch verschärft wird. Hinzu kommt, dass auch die Weltkonjunktur schwächelt. So verlor Chinas Industrie im Juni erneut an Fahrt: Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC fiel auf ein Sieben-Monats-Tief von 48,1 Punkten. Dem Exportweltmeister setzt die Krise in seinem wichtigsten Absatzmarkt Europa ebenfalls zu. Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet bereits ein schwächeres Wachstum der gesamten Weltwirtschaft.

Zinssenkung erwartet

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte der Konjunktureintrübung nicht tatenlos zusehen. Viele Experten rechnen damit, dass sie ihren Leitzins von aktuell 1,0 Prozent schon im Juli auf ein Rekordtief senken wird. Billigeres Geld kann Konsum und Investitionen anschieben. "In diesem Fall sehen wir weiterhin die Chance, dass die Euro-Wirtschaft im zweiten Halbjahr aufhört zu schrumpfen", sagte Commerzbank-Experte Weil.

Die Chancen für eine Trendwende schätzen die deutschen Dienstleister allerdings nicht besonders gut ein. Sie senkten ihren Geschäftsausblick für die kommenden zwölf Monate so stark wie noch nie seit Beginn der Umfrage vor 15 Jahren. Im Gegensatz zur Industrie schaffte der Service-Sektor im Juni aber noch ein leichtes Wachstum: Dieses Barometer fiel um 1,5 auf 50,3 Punkte. Das ist dennoch der schlechteste Wert seit sieben Monaten.

Serie schlechter Daten

Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie sank überraschend um 0,5 auf 44,7 Zähler. Das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. "Die sich verschlechternde Weltkonjunktur und die anhaltende Euro-Krise dämpfen die Exportnachfrage deutlich", sagte Moore. Die Exportaufträge gingen so stark zurück wie seit April 2009 nicht mehr. Die Industrie strich deshalb so viele Stellen wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, während die Dienstleister noch neue Mitarbeiter einstellten - wenn auch vergleichsweise wenige.

Die Umfrage reiht sich ein in eine ganze Heerschar schlechter Konjunkturdaten. Die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten brachen im Juni so stark ein wie seit 1998 nicht mehr. Auch Exporte, Produktion und Industrieaufträge gingen zuletzt zurück. Der als zuverlässigster Konjunkturindikator geltende Ifo-Index - für den Firmenchefs befragt werden - war zuletzt ebenfalls erstmals seit sechs Monaten rückläufig. Für Juni wird ein erneuter Rückgang befürchtet: Die Umfrage wird am Freitag veröffentlicht.

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