Citigroup: "GrExit im Herbst 2013" und sonstige Unwegsamkeiten

Citigroup: "GrExit im Herbst 2013" und sonstige Unwegsamkeiten

GrExit im Herbst 2013, gefolgt von einer Verschärfung der Rezession in Griechenland, zwei weitere Jahre BIP-Einbruch in der Eurozone, entsprechend zwei weitere Leitzinssenkungen durch die EZB samt negativem Einlagenzins und Banken, die für die Kredite an Unternehmen und Haushalte sogar mehr Zinsen verlangen könnten als aktuell, aus Angst, dass ihre Gewinnmargen weiter schrumpfen. War die Citigroup schon immer so "optimistisch"?

"Die Wahrscheinlichkeit eines 'Grexit' sehen wir bei 60 Prozent", sagte Volkswirt Jürgen Michels am Montag in Frankfurt. Die jetzigen Maßnahmen dienten lediglich dazu, Griechenland noch einige Monate finanziell über Wasser zu halten. "Nach der Bundestagswahl im Herbst 2013 wird eine Neubewertung stattfinden." Zum Jahreswechsel 2013/14 könnte es dann zum Austritt Griechenlands kommen, betonte Michels.

Einen kompletten Bruch der Euro-Zone befürchtet der Volkswirt aber nicht. Denn die Politik, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Rettungsfonds ESM würden sicher alles unternehmen, um ein Übergreifen der Krise nach einem Austritt Griechenlands auf andere Staaten zu verhindern, sagte Michels. Zu diesem Zeitpunkt seien Spanien und wohl auch Italien bereits unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft, so dass die EZB ihnen wie angekündigt mit Anleihe-Käufen unter die Arme greifen könne.

Vor diesem Hintergrund sagt die Citigroup eine Verschärfung der Rezession in Griechenland voraus. Die dortige Wirtschaft werde 2013 voraussichtlich um 7,4 Prozent und nach einem "Grexit" 2014 um 11,8 Prozent schrumpfen.

Euro-Rezession 2013 und 2014

Wegen der Schuldenkrise wird die Euro-Zone nach Einschätzung der Citigroup in den kommenden beiden Jahren nicht aus der Rezession herauskommen. Für 2013 sagten die Experten einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,7 Prozent und für 2014 ein Minus von 0,4 Prozent voraus. Die Weltwirtschaft werde dagegen um 2,6 beziehungsweise 3,1 Prozent wachsen.

Die Erholung in den USA oder China könne die heimischen Belastungen nicht wettmachen, sagte Michels. Ein Grund für die pessimistische Beurteilung der europäischen Aussichten sei die immer noch hohe Verschuldung der öffentlichen und privaten Haushalte sowie der Unternehmen. Der erforderliche Abbau der Verbindlichkeiten drücke auf Konsum und Investitionen.

Deutschland bleibe die Rezession dagegen erspart. Das Wachstum werde sich allerdings auf 0,5 Prozent im Jahr 2013 auf 0,3 Prozent im Jahr 2014 verlangsamen. Hier stütze die robuste Inlandsnachfrage die Konjunktur, fügte Michels hinzu.

Zwei weitere Zinssenkungen 2013

Angesichts der trüben europäischen Konjunkturaussichten wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen laut Citigroup im kommenden Jahr zudem weiter senken. Dabei könnte der Zins für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB auf minus 0,25 von derzeit null Prozent fallen, so Michels. Mitte 2013 könnte es soweit sein, dass die Banken der EZB für ihre Einlagen noch Geld geben müssten. Daneben werde der Leitzins bis Ende kommenden Jahres voraussichtlich in zwei Schritten auf 0,25 Prozent von derzeit 0,75 Prozent zurückgehen.

Derzeit zahlt die EZB den Geschäftsbanken keinerlei Zinsen für ihre Einlagen. Dennoch liegt die Kreditvergabe der Institute untereinander seit Ausbruch der Finanzkrise vor fünf Jahren am Boden. Aus Furcht, das Gegenüber könnte von heute auf morgen zahlungsunfähig werden, parken viele Banken es lieber bei der EZB, als es sich untereinander zu leihen und dafür Zinsen zu kassieren.

Ob durch einen negativen Einlagezins der Geldmarkt wieder in Gang komme, sei aber alles andere als sicher, betonte Citigroup-Experte Michels. Darüber hinaus sei es sogar denkbar, dass die Kreditzinsen für Unternehmen und Verbraucher kletterten, weil die Banken ihre Gewinnmargen stabil halten wollten. "Es ist nicht klar, ob dies dazu dient, das Immunsystem zu stärken oder ob wir danach mit einer Grippe im Bett liegen", fügt Michels hinzu.

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