Chodorkowski: "Putin hatte verboten, mich umzubringen"

Chodorkowski: "Putin hatte verboten, mich umzubringen"

"Putin hatte verboten, mich umzubringen", sagte Chodorkowski in einem Interview mit den Schweizer Zeitungen "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche". Das habe ihn geschützt.

Im Lager sei er zunächst in die "schwarze Zone" gekommen. "Dort regieren die Gefangenen." Es gebe noch die "rote Zone", wo es keine Moral gebe und Chaos und Selbstjustiz herrschten, sowie die "Regime-Zone", welche die "normale Zone" sei.

Auf die Frage, wo es sich besser lebe, antwortete Chodorkowski, für gewöhnliche Gefangene, das seien 90 Prozent der Inhaftierten, sei die Situation in der Regime-Zone besser. Für jene zehn Prozent, die über Geld und eine gewisse Autorität in der Unterwelt verfügten, sei die schwarze Zone eindeutig besser: "Man verfügt über Telefon, Lebensmittel, Wodka, Drogen. Für mich spielte es keine Rolle."

In der schwarzen Zone könne ein Inhaftierter unter gewissen Bedingungen sogar seine Baracke verlassen und spazieren gehen. "Es ist alles - oder fast alles - möglich."

Das Essen im Lager sei recht gut gewesen. "Das hängt von den Insassen ab. Sie stehen in der Küche. Wenn sie kalte oder schlecht zubereitete Mahlzeiten servieren, dann gibt es sofort Ärger."

Nichts glauben, nichts fürchten, nichts fordern

Er habe nicht damit gerechnet, jemals freizukommen, berichtete Chodorkowski weiter. "Ich lebe nach dem Prinzip 'Nichts glauben, nichts fürchten, nichts fordern'. Das bewahrt einen vor Enttäuschungen. Deshalb hätte ich auch kein Gnadengesuch gestellt, wenn man mich nicht gebeten hätte."

Der Vorschlag, ein Gesuch zu stellen, sei ihm vom ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher über dessen Anwalt überbracht worden. "Aber ich wusste, dass der Vorschlag von Putin stammte."

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