China – West-Manager im Korruptions-Visier

China – West-Manager im Korruptions-Visier

China macht Ernst im Kampf gegen bestechliche Polit-Funktionäre, Schwarzgelder an hohe Beamte und illegale Preisabsprachen.

Bo Xilai , Ex-Politbüro-Mitglied und Ex-Bürgermeister der 30-Millionen-Einwohner-Metropole Chongqing, wurde zuletzt wegen Korruption zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Woche wurde der Bürgermeister von Nanjing seines Amtes enthoben. Er soll im Zusammenhang mit Bauprojekten Schmiergelder in der Höhe von 2,4 Millionen Euro genommen haben. Hintergrund der chinesischen Sauberkeits-Offensive: Die Parteiführung in Peking hat erkannt, dass Korruption das Vertrauen in die chinesische Wirtschaft nachhaltig schädigt und die bisherige Bestrafung von kleinen Beamten nicht mehr ausreicht. Langfristiges Ziel der Mao-Erben: Die extrem ungleiche Vermögensverteilung in der Volksrepublik soll sich wider auf ein Normalmaß einpendeln.

Zum Handkuss kommen bei dieser Anti-Korruptions-Taktik aber nun auch West-Manager, die sich bislang an die chinesische Praxis des Geben und Nehmen angepasst haben. Rechtsanwalt Georg Zanger , zugleich Präsident der österreichisch-chinesischen Wirtschafts-Vereinigung (ACBA) berichtet sogar von einem Fall, wo wegen Bestechungsvorwürfen einem österreichischen Manager die Ausreise verwehrt wurde.

Compliance-Information

Solche Aktionen scheuchen naturgemäß westliche Unternehmen auf. Daher veranstaltet etwa die Wirtschaftskammer Österreich im November eine Roadshow "Safe Business in China“, um über die neuen Compliance-Vorschriften in der Volksrepublik zu informieren.

Tatsächlich bedeuten die neuen Regeln in China einen Traditionsbruch. Denn wer durchs Reich der Mitte reist, kommt am Wort "Guanxi” kaum vorbei. Peter Roell, Präsident des Instituts für Strategie-, Politik-, Sicherheits- und Wirtschaftsberatung (ISPSW) in Berlin, definiert es so: "Guanxi ist ein geradezu magisches Wort, denn es öffnet Türen, von denen man glaubt, sie seien verschlossen. Mit Guanxi - was Beziehung, Netzwerk bedeutet - bekommt man zum Beispiel in einem völlig überbuchten Flugzeug dennoch einen Sitzplatz. Oder man erhält Zugänge auf hoher wirtschaftlicher oder politischer Ebene. Natürlich trifft man auch in Europa auf private oder geschäftliche Netzwerke, aber in der chinesischen Kultur geht das Verständnis von bilateraler Interdependenz tiefer.“

Dabei ist der chinesischen Führung nicht nur die Verhaberung und Freunderlwirtschaft in den eigenen Reihen ein Dorn im Auge, sondern auch die Günstlingswirtschaft im Umfeld ausländischer Konzerne. Im Pharmabereich wurde Schmiergeldannahme von ausländischen Unternehmen durch einen chinesischen Spitzenfunktionär sogar mit der Hinrichtung desselben geahndet. Und ein westeuropäischer Elektronik- und Technologieriese soll laut aktuellen Studien bei Transportsystem-Aufträgen Schmiergelder in der Höhe von 70,4 Millionen Dollar gezahlt haben, was sogar zu Einreiseverboten einzelner West-Manager führte.

Langsam müssen sich die Chinesen an ähnliche Compliance-Maßstäbe, wie sie in Österreich gelten, gewöhnen. Das heißt: Keine Schmiergelder, keine Geschenkannahme, keine Preismauscheleien - und mittlerweile besonders wichtig: Kein Protzen mit westlichen Luxusgütern - denn gegen die Prunksucht geht Peking besonders rigoros vor.

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