Champions League-Finale: Terrorangst in London

Champions League-Finale: Terrorangst in London

Am Mittwoch brachten zwei Männer im Stadtteil Woolwich einen Mann auf offener Straße und am helllichten Tag um. Wenig später wurden mit Messern bewaffnete Männer in zwei Moscheen in Kent und Essex gesehen. Zwei Männer wurden festgenommen.

Die zwei Angreifer in London töteten ihr Opfer wohl mit einem Fleischerbeil und Messer, wenige Meter von einer Kaserne. Die Behörden bestätigten zunächst nicht Augenzeugenberichte, wonach es sich um einen Soldaten der britischen Armee aus einer nahe gelegenen Kaserne handelt. Die Angreifer wurden nach der Tat von der Polizei angeschossen. Einer der mutmaßlichen Täter soll dabei lebensgefährlich verletzt worden sein.

Der britische Sender ITV veröffentlichte ein Video, das den mutmaßlichen Angreifer zeigen soll. Der dunkelhäutige Mann hält ein Fleischerbeil und ein Messer in seinen blutverschmierten Händen. Der Gefilmte gibt sich in dem Video als Angreifer aus.

Der allmächtige Allah

"Wir schwören beim allmächtigen Allah, wir hören nie auf, Euch zu bekämpfen, bis Ihr uns in Ruhe lasst", sagte er in die Kamera. "Auge um Auge, und Zahn um Zahn. Es tut mit leid, dass Frauen das mit ansehen mussten. Aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe mitansehen. Ihr werdet nie sicher sein. Setzt Eure Regierung ab. Sie kümmert sich nicht um Euch!"

Premierminister David Cameron rief noch am Abend eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitskabinetts ein und machte sich umgehend auf den Rückweg von einem Besuch in Paris. Er wird am Donnerstag eine zweite Sitzung des Sicherheitskabinetts leiten. Die Terrorwarnstufe in Großbritannien wurde zunächst nicht angehoben.

Cameron sprach von "deutlichen Hinweisen auf einen terroristischen Akt". Die Tat sei "schrecklich" und "absolut widerwärtig". Königin Elizabeth, die der Londoner Kaserne Ende Mai einen Besuch abstatten wollte, äußerte sich "besorgt" über den Angriff, wie ein Palastsprecher mitteilte.

Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Tat. "Solche Anschläge sind niemals zu rechtfertigen", sagte er in einem Statement. Die britische Innenministerin Theresa May sagte nach der ersten Sitzung des Sicherheitskabinetts, es sein ein Anschlag "auf alle in Großbritannien" gewesen. Auch der britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. "Nichts rechtfertigt diesen Mord. Barbarische Akte können in keiner Weise mit dem Islam entschuldigt werden", hieß es in einem Statement.

Islamfeindliche Aktionen

Nach der Tat kam es in Großbritannien zu islamfeindlichen Aktionen. Ein 43-Jähriger wurde festgenommen, als er mit einem Messer in eine Moschee in der Hauptstadt eindrang, wie ein Abgeordneter auf Twitter berichtete. Ein zweiter Mann wurde wegen Verdachts auf rassistisch motivierte Sachbeschädigung im Südosten des Landes festgenommen.

Die mutmaßlichen Täter sollen auch "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden in unterschiedlichen Krankenhäusern ihre Schussverletzungen behandelt. Sie werden dort von bewaffneten Polizisten bewacht.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Umfeld der Kaserne in Woolwich sowie an anderen britischen Militäreinrichtungen wurden verstärkt. Sollte sich der Terrorverdacht erhärten, wäre es der erste nennenswerte Terrorakt auf britischem Boden, seit 2005 bei Anschlägen auf U-Bahnen und Busse 52 Menschen ums Leben gekommen waren.

BVB hält an Ablaufplan fest, Bayern ohne Sorge

Die deutschen Clubs Borussia Dortmund und Bayern München reisen trotz des Mordes von London ohne Bedenken zum Finale der Fußall-Champions-League am Samstag. "Unsere Sicherheitsleute sind bereits in London", sagte Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick am Donnerstag. Diese stünden in Kontakt mit den dortigen Sicherheitsbehörden. "Wir gehen ohne Sorge nach London", betonte Hörwick. Auch der BVB hält an seinem Ablaufplan fest.

"Alles wie geplant. Wir sind ohnehin sehr vorsichtig und haben zum Beispiel niemandem unsere Hotels genannt", teilte Dortmunds Vereinssprecher Sascha Fligge mit. Der BVB hält die Adressen der Hotelunterkünfte während seines Aufenthalts in der britischen Hauptstadt geheim.

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