Cannabis in Kanada – "Es ist so, als ob man mit neun Jahren 'Scheiße' sagt"

Cannabis in Kanada – "Es ist so, als ob man mit neun Jahren 'Scheiße' sagt"

Tweed Inc. gehört zu den 185 Unternehmen, die sich derzeit um eine Genehmigung für den Anbau von Cannabis bewerben. Nach Aussage von Tweed-Chairman Bruce Linton war die Suche nach dem richtigen Standort dabei eine der größten Hürden, denn die meisten Eigentümer schrecken selbst vor einer bewilligten Drogen-Produktion zurück.

"Vor fünf Jahren hätten die Eltern einen enterbt, wenn man an so etwas gedacht hätte”, sagt der 47-jährige Linton. “Es ist so, als ob man mit neun Jahren ’Scheiße’ sagt. Marihuana ist so etwas in der Art für Erwachsene - es ist ein Tabu.”

In Kanada ist die medizinische Verwendung von Cannabis unter staatlicher Kontrolle legal. Allerdings soll den bedürftigen Patienten in Zukunft nicht mehr erlaubt sein, die Pflanzen zu Hause zu züchten, wie das Gesundheitsministerium des Landes im Juni ankündigte. Stattdessen werden Unternehmen die Lieferung der Droge übernehmen.

Das Bild von Cannabis-Plantagen passt so gar nicht zu dem Image von Harper, der nach eigenen Angaben niemals einen Joint geraucht hat und im Wahlkampf ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität versprochen hatte. Tatsächlich stelle die Lizensierung des Marihuana-Verkaufs aber “eher eine Verschärfung als eine Lockerung” der Drogengesetze dar, weil besser zwischen legalem und illegalem Konsum unterschieden werde, sagt Mark Mander, Chairman des Drogenausschusses der Canadian Association of Chiefs of Police und Polizeichef von Kentville, Nova Scotia.

Unbeabsichtigte Auswirkungen

Selbstgezogene Cannabis-Pflanzen haben laut einem Bericht von Health Canada vom Juni “unbeabsichtigte Auswirkungen” gezeigt, die die öffentliche Sicherheit beeinträchtigten und zum Missbrauch des Systems geführt hätten. In dem neuen System wird Marihuana wie andere Betäubungsmittel reguliert, heißt es in dem Hintergrundpapier. Demnach müssen sich die gewerblichen Erzeuger an strenge Auflagen halten, um eine Lizenz zu erhalten.

Mediziner erheben Einwände gegen das neue System, weil es keine standardisierten Dosierungen oder Sicherheitsregeln gibt, um Marihuana wie andere Medikamente zu verschreiben. “Wir müssen absolut sicherstellen, dass wir keinen Staat von Süchtigen schaffen”, sagt Dr. Louis Hugo Francescutti, Präsident des Medizinerverbands Canadian Medical Association.

Viele Kanadier scheinen aber viel von den medizinischen Eigenschaften der Cannabis-Pflanze zu halten. Mehr als 30.000 Personen besitzen eine Lizenz für den medizinischen Anbau. Der Umsatz dürfte bis 2024 bei 1,3 Mrd. kanadische Dollar (930 Mio. Euro) liegen, schätzt Health Canada. Die Preise dürften am freien Markt 8,80 kanadische Dollar je Gramm betragen.

Der Umsatz von Tweed könnte 100 Mio. kanadische Dollar (71,2 Mio. Euro) pro Jahr erreichen, sagt Linton. Geplant seien 20 Marihuana-Varianten im Preis von 6,50 kanadische Dollar bis 15 kanadische Dollar. Für den Umbau der aufgekauften Schokoladenfabrik in Smiths Falls, Ontario, seien Investitionen in Höhe von etwa 2 Mio. kanadische Dollar geplant.

US-Fernsehserie "Breaking Bad"

Die Idee, Drogen in einer alten Schokoladenfabrik herzustellen, erinnert an die populäre US-Fernsehserie “Breaking Bad”. Dort kocht der Chemielehrer Walter White aus New Mexico an ausgefallenen Orten das Rauschmittel Methamphetamin, um seine Krebs-Behandlung zu bezahlen und seine Familie abzusichern.

Bisher sind Dennis Staples, dem Bürgermeister von Smiths Falls wegen der Pläne nur zwei Beschwerden zu Ohren gekommen. Der Stadtrat unterstütze das Vorhaben “komplett”, sagt er. Denn Tweed wird in der 9000-Seelen-Stadt etwa 80 Kilometer südöstlich von Ottawa für eine höhere Beschäftigung sorgen, nachdem dort in den letzten Jahren etwa 1700 Arbeitsplätze verloren gegangen sind - auch durch die Schließung der alten Hershey-Fabrik.

Der Plan von Kanada, eine sichere, legale und groß angelegte Marihuana-Produktion zu ermöglichen, wird nach Einschätzung von Linton Vorbild für andere Staaten sein. “Diese Regierung hat eine gute Entscheidung getroffen”, sagt er. Denn nun werde “das Zeug nicht mehr in 36.000 Häusern angebaut, sondern auf kontrollierte, strukturierte Art und Weise”.

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