Bosnien steht vor einer Revolution, Kriegsverbrecher-Unterlagen sind verbrannt

Bosnien steht vor einer Revolution, Kriegsverbrecher-Unterlagen sind verbrannt

Die Korruption, die bittere Armut und die sozialen Spannungen im Land führen Bosnien-Herzegowina jetzt an den Rand einer Revolution. Im Archiv des Staatspräsidiums sind Unterlagen zu Kriegsverbrechen aus dem Zweiten Weltkrieg verbrannt.

Nach den schweren Ausschreitungen in Bosnien-Herzegowina haben die Demonstranten am Samstag eine "politische Revolution" gefordert. Demnach sollen beispielsweise die Einkommen aller Politiker an den äußerst niedrigen Durchschnittslöhnen im Land ausgerichtet werden.

In einem Fünf-Punkte-Katalog verlangen die Protestierer außerdem, dass die "kriminellen Privatisierungen" der Staatsbetriebe rückgängig gemacht und die "Wirtschaftskriminellen" vor Gericht gestellt werden. Die Demonstranten fordern außerdem, dass nach dem Rücktritt der Regionalregierung in Tuzla nur parteilose Experten eine neue Regierung bilden. Die Stadt war am Freitag das Zentrum der Gewalt. Zehntausende Menschen waren im ganzen Land aus Protest gegen die ihrer Meinung nach unfähigen Politiker auf die Straße gegangen. Gebäude der Regionalregierungen in Tuzla und Sarajevo gingen in Flammen auf. Das bosnische Staatspräsidium wurde ebenfalls angezündet und verwüstet. Wertvolle Bestände des Staatsarchivs verbrannten.

Die Ausschreitungen seien "kein Staatsstreich", sondern "ein Schlag des Volkes gegen die staatliche Mafia", analysierte Innenminister Fahrudin Radoncic die Proteste: "Das sind die Kinder der Eltern, die kein Geld für Brot haben".

Wichtige Archivunterlagen verbrannt

Indessen wurde bekannt, dass am Freitag durch einen Brand, den Protestierende im Gebäude des Staatspräsidiums gelegt hatten, einige der wichtigsten Archivunterlagen Bosnien-Herzegowinas vernichtet wurden. Der Direktor des Archivs, Saban Zahirovic, bestätigte das gegenüber der Tageszeitung "Dnevni avaz".

Das Ausmaß des Schadens müsse erst festgestellt werden, sagte er. Es handle sich um einige sehr wertvolle Unterlagen, unter anderem Mikrofilme, Kopien von Dokumenten aus Wiener Archiven, Unterlagen der Kriegsverbrecherkommission nach dem Zweiten Weltkrieg und anderes mehr. Ein Großteil der Unterlagen sei völlig verbrannt, einiges dürfte aber noch zu retten sein, so Zahirovic.

Proteste in Bihac

Während es in anderen Landesteilen überwiegend ruhig blieb, haben am Samstagnachmittag rund 3.000 Menschen im westbosnischen Bihac den Rücktritt des lokalen Regierungschefs Hamdija Lipovaca gefordert. Die Polizei musste die Demonstranten davon abhalten, zum Wohnsitz Lipovaca vorzudringen, sonst verlief der Protest jedoch friedlich.

Im Vorfeld hatten lokale Medien über eine Flucht des Regierungschefs und seiner Familie nach Kroatien spekuliert. Lipovaca dementierte dies umgehend: er sei weiterhin in Bihac, versicherte er.

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