"Bloomberg ist krank"

"Bloomberg ist krank"

Der Kellner in einem Bagel-Laden in New York kippt drei gehäufte Löffel Zucker in den Kaffeebecher. "Was ist denn mit dem Verbot von gesüßten Getränken?", fragt der auf seinen Kaffee wartende Geschäftsmann im Anzug. "Haben Sie keine Zeitung gelesen?", fragt der Kellner. "Das "Bloomberg-Gesetz" ist gekippt."

Die Verwirrung um die XXL-Becher mit süßen Getränken ist in New York derzeit Dauerthema. Eigentlich sollten die Riesenbecher seit dieser Woche verboten sein, aber ein Gericht kippte das Prestigeprojekt von Bürgermeister Michael Bloomberg nur wenige Stunden vor dem Start. Geklagt hatte ein Zusammenschluss von Händler-Verbänden und Getränkeherstellern. Die Stadt hat Einspruch angekündigt - aber ob und wann der durchkommen könnte, ist völlig unklar.

Seitdem sind viele Bewohner und Gastronomie-Beschäftigte in der Millionenmetropole verwirrt. Viele Fast-Food-Läden hatten schon im Voraus ihre Kunden offensiv über die neuen Regelungen informiert und neue Kombinationsangebote mit kleineren Getränkegrößen angeboten. Kaffee-Ketten hatten ihre Mitarbeiter angewiesen, dass sie Bechern mit mehr als etwa 470 Millilitern keinen Zucker und Sirup mehr hinzufügen dürfen. Soll das alles nun beibehalten werden, falls das Gesetz doch noch durchkommt? Oder lieber zurück zum "Becher as usual"?

Zucker fließt

Die Kette Dunkin' Donuts hat ihre Hinweisschilder zu den neuen Regelungen schon kurz nach dem Richterspruch verschwinden lassen. "Zucker?", fragen die Bedienungen wieder jeden Kunden. Alan Dunham hat "ja" dazu gesagt und sich einen großen, süßen Eiskaffee in einem Laden der Kette auf der Upper East Side gekauft. "Bloomberg ist krank." Etwas so Normales, wie Süßgetränke zu verbieten, sei einfach Quatsch, findet er. In Supermärkten, die von den Neuregelungen nicht betroffen gewesen wären, hätte er ohnehin weiter große Getränke kaufen können. "Der Richter hat recht."

An einer Pizzeria ein paar Straßenblocks weiter putzt ein Angestellter ein Angebotsschild. "Zwei Stück Pizza und 20 Unzen Cola, $ 5.00", steht dort in großen Buchstaben. 20 Unzen entsprechen etwa 600 Millilitern - solche Becher sollte es eigentlich längst nicht mehr geben. Bürgermeister Bloomberg hatte damit gegen die weit verbreitete und ständig ansteigende Fettleibigkeit der US-Amerikaner vorgehen wollen. Der Besitzer der Pizzeria schaut kurz auf. "Wir sind glücklich über die Entscheidung des Richters. Das Verbot war unfair." Der Oberste Gerichtshof hatte auch geurteilt, dass es nicht gerecht sei, dass das Verbot nur für bestimmte Getränke gelte und nur für bestimmte Verkaufsorte.

Die New Yorker sind gespalten - etwa die Hälfte befürwortet Umfragen zufolge das Gesetz, die andere Hälfte lehnt es ab. "Das Verbot ist einfach dumm", sagt Michael Silas, der in der Schlange eines Fast-Food-Restaurants wartet. "Es ist doch die Entscheidung jedes Einzelnen - wie beim Rauchen." Tylor Brunsman, der einige Meter hinter ihm in der Schlange steht, sieht das anders. "Wenn es die Fettleibigkeit bekämpft, finde ich ein Verbot sinnvoll", sagt der Musical-Schauspieler. "Auch wenn ich meine große Cola liebe."

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