"Bis zum Sieg" – Tausende Mursi-Anhänger feiern das Ende des Ramadan

"Bis zum Sieg" – Tausende Mursi-Anhänger feiern das Ende des Ramadan

Unter einem Meer von Luftballons sprachen sie auf den Plätzen Rabea al-Adawiya und al-Nahda in Kairo das Morgengebet. Sie setzten sich damit über eine Anordnung der Übergangsregierung von Ägypten hinweg, nach der die beiden Plätze vor einer Moschee und der Universität von Kairo "umgehend" geräumt werden sollten.

Die Regierung drohte am Mittwoch erneut mit einer gewaltsamen Auflösung der Camps und erklärte, sich lediglich aus "Rücksichtnahme (...) auf den heiligen Monat Ramadan" zurückgehalten zu haben. Interims-Ministerpräsident Hazem al-Beblawi erklärte im Staatsfernsehen, wer "kein Blut an seinen Händen" habe, werde auf Staatskosten transportiert und nicht verfolgt.

Die Anführer der Muslimbrüder riefen indes dazu auf, die Camps "bis zum Sieg" aufrechtzuerhalten. Die Muslimbrüder errichteten am Eingang zu ihrem zentralen Protestlager vor der Rabea-al-Adawiya-Moschee eine Betonwand. Ägyptische Beobachter rechnen nicht damit, dass die Polizei die Protestlager während der bis zum Sonntag dauernden Feiertage mit Gewalt räumt.

Die Muslimbrüder, denen auch Mursi entstammt, halten seit dessen Entmachtung durch das Militär am 3. Juli die Plätze besetzt. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten wurden seitdem mehr als 250 Menschen getötet. Die Muslimbrüder verlangen die Wiedereinsetzung Mursis, der an einem geheimen Ort festgehalten wird.

Starke Präsenz von Armee und Polizei rund um den Tahrir-Platz

Eine Kundgebung der "Tamarod"-Bewegung auf dem Tahrir-Platz stand am Donnerstag unter dem Motto "Fest der nationalen Unabhängigkeit gegen ausländische Einmischung". Bei einer zweiten Kundgebung der Mursi-Gegner vor dem Präsidentenpalast trugen Demonstranten Plakate mit dem Foto von Armeechef Abdelfattah al-Sisi.

Die staatlichen Medien meldeten, Armee und Polizei zeigten rund um den Tahrir-Platz starke Präsenz, um mögliche Gewalt zu verhindern. Die Bewegung "Tamarod" (Rebellion) hatte Ende Juni Millionen von Menschen mobilisiert, um gegen die damals regierenden Muslimbrüder zu demonstrieren. Daraufhin hatte die Armee Mursi abgesetzt.

Westliche und arabische Diplomaten hatten zuletzt vergeblich versucht, in Kairo einen Kompromiss auszuhandeln. Sie befürchten, dass eine dauerhafte Marginalisierung der Islamisten zu mehr Gewalt führt. Einige Ägypter empfinden diese Bemühungen als "Einmischung". Der von der Armee eingesetzt Übergangspräsident Adli Mansour hatte am Mittwoch erklärt, die diplomatischen Bemühungen seien gescheitert. Er rief die Ägypter auf, ihre "persönlichen Interessen zugunsten des geeinten Vaterlandes hintanzustellen".

"Alle Türen schließen"

Nationalistische Rhetorik gab es diesmal auch vom Oberhaupt des Al-Azhar Islam-Institutes, Scheich Ahmed al-Tayyeb. Der Religionsgelehrte, der zum Gebet in seine Heimatstadt Luxor gereist war, rief dazu auf, "alle Türen zu schließen, damit jede Form der Einmischung in Ägyptens innere Angelegenheiten vermieden wird".

Die Europäische Union bekräftigte demgegenüber ihre Bereitschaft zu weiterer Vermittlung in Ägypten. Der EU-Sonderbeauftragte Bernardino León habe Ägypten "vorübergehend für eine Weile verlassen", bestätigte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstag in Brüssel. Nicht nur Léon sei jederzeit zur Rückkehr nach Ägypten bereit, sagte der EU-Sprecher. Auch Ashton, die Ende Juli mit dem an geheimem Ort vom Militär festgehaltenen Mursi gesprochen hatte, sei "bereit zur Rückkehr nach Kairo, sobald sie dort von Nutzen sein kann".

In der Provinzhauptstadt Al-Arish im Norden der Sinai-Halbinsel befolgten die Gläubigen den Rat der Sicherheitskräfte, sich nur in den Moscheen und nicht auf öffentlichen Plätzen zum Gebet zu versammeln. In den vergangenen Tagen hatte es im Norden des Sinai zahlreiche Angriffe radikaler Islamisten auf Polizei und Armee gegeben. Am Mittwoch hatten Tausende an der Beerdigung von Abdel Hamid Selmi teilgenommen. Der Politiker und Geschäftsmann, der wiederholt Kritik an den Muslimbrüdern geübt hatte, war wenige Stunden zuvor beim Verlassen einer Moschee in Al-Arish von Unbekannten erschossen worden.

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