BASF-Chef Voscherau: „Industrie nicht aus Europa vertreiben“

BASF-Chef Voscherau: „Industrie nicht aus Europa vertreiben“

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF warnt davor, dass Europa seinen wirtschaftlichen Vorsprung, den es sich durch eine starke Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeitet hat, leichtfertig verspielen könnte. Ein-Personen-Unternehmen könnten die Staatshaushalte nicht verbessern

Ein-Personen-Unternehmen (EPU’s) sind für jemanden, der einen Konzern mit 113.000 Mitarbeitern präsidiert, kein echter Wirtschaftsfaktor. „Latte-Macchiato- und Currywurst-Selbständigkeit ist vielleicht sexy“, so BASF-Aufsichtsratsvorsitzender Eggert Voscherau, „aber die Staatshaushalte werden damit nicht verbessert.“

Der 70-jährige Chefkontrollor des größten Chemiekonzerns der Welt, selbst von 1996 bis 2008 im Vorstand des Unternehmens mit Sitz in Ludwigshafen, war auf Einladung der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) am Dienstag abend in Linz. Thema der Diskussionsveranstaltung: Europa als Investitionsstandort.
Voscherau warnte davor, den wirtschaftlichen Vorsprung, den sich insbesondere Deutschland und Österreich durch eine starke Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeitet haben, leichtfertig zu verspielen, „und diese Gefahr ist groߓ. Drei Themen gehören deshalb seiner Ansicht nach vorrangig auf die politische Agenda.

Erstens brauche es zur Sicherung der Innovationskraft nicht nur umfassende Reformen im Bildungs- und Wissenschaftsbereich, sondern auch einen Mentalitätswandel. Die tief sitzende Technologieskepsis müsse überwunden werden: Statt des europäischen „What if?“ empfiehlt Voscherau, sich am US-amerikanischen „Yes we can!“ zu orientieren.
Zweitens fordert der Industrie-Mann die Umsetzung einer „ideologiefreien Industriepolitik“. Im Zuge der Energiewende sei die Unterscheidung zwischen einer guten und schlechten Industrie populär geworden, wobei erstere mit Solarpaneelen, zweitere mit Schornsteinen assoziiert werde. Die chemische Industrie habe in den letzten Jahrzehnten jedoch ihre Hausaufgaben gemacht, indem sie ihren Energieeinsatz um ein Fünftel reduziert, die Produktion hingegen um 60 Prozent erhöht habe. „Wenn man will, dass wir weniger produzieren, muss man das auch laut sagen. Die Millionen von Beschäftigten wollen das sicher nicht.“

Zu einem drastischen historischen Vergleich griff der wortgewaltige Voscherau, um eine solche Schwerindustrie- und innovationsfeindliche Grundhaltung zu brandmarken: „Den Blaumann oder Weißkittel durch grüne Gummistiefel zu ersetzen, wäre ein Morgenthau-Plan 2.0“. Der US-amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau hatte 1944 einen Plan entworfen, Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zu deindustrialisieren und zum Agrarstaat zu machen.

Als dritte Schlüsselfrage erachtet Voscherau die Handelsliberalisierung. Er ortet einen „schleichenden Bedeutungsverlust des Zoll- und Handelsabkommens GATT und der Welthandelsorganisation WTO.“ Gegen zunehmend protektionistische Tendenzen müsse man sich rechtzeitig wehren.

Für die EU bedeutet das aus Sicht des BASF-Chefaufsehers, dass es eine „Reform an Haupt und Gliedern brauche“, um auf die Herausforderungen im globalisierten Umfeld reagieren zu können. Voscherau unterstützt dabei die Forderung des britischen Premiers David Cameron nach einer „Repatriierung von Zuständigkeiten“, also eine Rückverlagerung von Kompetenzen in die Nationalstaaten, deren Gestaltungsmacht ansonsten untergraben werde: „Es sollte keinen Utopien der Vereinigten Staaten von Europa nachgehangen werden.“

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