Banken-Stresstests – Es geht wieder los

Banken-Stresstests – Es geht wieder los

Die EU-Bankenaufsicht EBA hat ihren nächsten Stresstest für die großen europäischen Banken auf das kommende Jahr verschoben. Dennoch müssen sich die Institute innerhalb der nächsten zwölf Monate zweimal kurz hintereinander auf Herz und Nieren prüfen lasse

Denn die Europäische Zentralbank (EZB), die Mitte 2014 offiziell die Aufsicht über die rund 130 wichtigsten Banken in den 17 Euro-Ländern übernehmen soll, will vor dem Stresstest die Bücher dieser Institute gründlich prüfen lassen. Damit will sie unliebsame Überraschungen in den Bilanzen vermeiden und sicherstellen, dass in den Büchern schlummernde Altlasten nicht vom geplanten EU-Abwicklungsfonds getragen werden müssen.

Eigentlich hatte die EBA ihren Stresstest für September 2013 geplant, die Vorbereitungen sind bereits angelaufen. Doch die Aufseher fürchteten, dass unterschiedliche Ergebnisse bei der EBA und der EZB mehr Verwirrung stiften als sie zur Beruhigung der Finanzmärkte beitragen könnten. Nun sollen beide Prüfungen aufeinander aufbauen, wie die EBA erklärte. Die Buchprüfung der EZB betrifft rund 25 deutsche Banken, am Belastungstest der EBA nimmt rund ein Dutzend teil. Während bei ersterer nur die Bücher genau unter die Lupe genommen werden, prüft die EBA, wie die Banken Krisenszenarien bestehen würden.

Der genaue Zeitplan soll erst festgezurrt werden, wenn das Gesetz über die Bankenunion verabschiedet ist. EZB-Ratsmitglied Yves Mersch sagte am Freitag in London, die Bestandsaufnahme der Bilanzen könne zwischen Sommer 2013 und Anfang 2014 stattfinden. Doch bis dahin haben die Bankenaufseher bei der EZB ihre Arbeit noch gar nicht aufgenommen. Um die Glaubwürdigkeit der Resultate zu erhöhen, könnten für die größten Institute auch unabhängige Experten hinzugezogen werden. Für alle anderen sind die nationalen Aufseher zuständig - nach einheitlichen Bewertungsmaßstäben.

Zu viele Augen zugedrückt

Kurz nach dem Abschluss der Bilanzanalyse soll dann unter der Regie von EZB und EBA der Stresstest nachgeholt werden. Die Ergebnisse sollen noch vor dem Start der Bankenunion Mitte 2014 veröffentlicht werden. Er dürfte ähnlich aussehen wie der von 2011: "Da wird man das Rad nicht neu erfinden", hieß es in Aufsichtskreisen. Deutsche Aufseher hatten vorgeschlagen, den Stresstest wie vor der Finanzkrise im Geheimen stattfinden zu lassen, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten. Gerhard Hofmann, Vorstand und Regulierungsexperte beim Raiffeisen- und Volksbankenverband BVR, begrüßt die Verschiebung, hätte sich aber eine größere Pause gewünscht: "Es wäre sinnvoll, wenn der Stresstest erst nach dem Start der Bankenunion stattfinden würde, also frühestens im zweiten Halbjahr 2014."

Vorherige Stresstests konnten das Vertrauen in den europäischen Bankensektor nicht stärken. Die Aufseher hatten Banken in Spanien, Irland oder Zypern genügend Widerstandskraft bescheinigt, die wenig später von den Staaten vor dem Aus gerettet werden mussten. EBA-Chef Andrea Enria räumte am Donnerstagabend ein, dass es der EBA nicht gelungen sei, Bedenken auszuräumen, dass nationale Aufseher zu oft ein Auge zugedrückt hätten. "Diesen Bedenken müssen wir uns stellen. Das ist auch notwendige Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit des nächsten EU-weiten Stresstests."

"Ein zahnloser Tiger"

Die gemeinsame Aufsicht über die Großbanken bei der EZB - die erste Stufe der geplanten "Bankenunion" in der Euro-Zone - soll den nationalen Alleingängen ein Ende bereiten. "Sie soll gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen (...) und verhindern, dass faule Bilanzposten verborgen werden oder bei 'Nationalen Champions' ein Auge zugedrückt wird - ein Phänomen, das in der Krise akuter geworden ist", sagte Mersch. Es sei ein Mythos, dass solche Aushängeschilder im Interesse der Wirtschaft oder des Steuerzahlers seien.

Doch die Bankenunion werde auch den rein nationalen Blick der Aufsichtsbehörden auf die Bankbilanzen überwinden, der "so viel Schaden angerichtet" habe, betonte Mersch. Damit wandte er sich auch gegen die deutsche Bankenaufsicht, die den Töchtern ausländischer Banken untersagt hatte, ihr Eigenkapital komplett bei der Mutter zu parken. Merschs EZB-Kollege Jörg Asmussen drang am Freitag in Berlin darauf, die Bankenunion nicht ohne gemeinsamen Abwicklungs-Mechanismus für Krisen-Institute starten zu lassen: "Eine Aufsicht, die nicht glaubhaft eine Bank zumachen kann, weil sie nicht weiß, was dann passiert, ist ein zahnloser Tiger. Wir brauchen alle Elemente der Bankenunion (...) und ich denke auch, dass das bis nächsten Sommer, wenn man hart daran arbeitet, zu schaffen ist."

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