Banken prügeln sich um deutsche Sparer

Banken prügeln sich um deutsche Sparer

Der Konkurrenzkampf dürfte in den nächsten Monaten noch härter werden, denn Deutschland gilt in der Euro-Schuldenkrise als der sichere Hafen schlechthin.

"Einige osteuropäische Banken sind an einem Einstieg in den deutschen Markt interessiert", sagt Sven Herrmann, Deutschland-Chef der belgischen IT-Beratungsfirma Callatay & Wouters. "Wir haben mittlerweile zwei bis drei Mal so viele Anfragen von Banken, die sich von uns beim Markteinstieg in Deutschland beraten lassen wollen, als noch vor einem Jahr." Aus Osteuropa sind unter anderem bereits die beiden größten russischen Banken VTB und Sberbank mit ihren österreichischen Töchtern nach Deutschland vorgedrungen, um private Spargelder einzusammeln.

Auch der Verband der Auslandsbanken rechnet mit weiteren Neueinsteigern. "Wenn einer etwas vormacht, schauen die anderen natürlich ganz genau hin", sagt Geschäftsführer Oliver Wagner. Seit einigen Wochen sammelt RaboDirect, eine Direktbanktochter der niederländischen Rabobank, Einlagen der deutschen Sparer. Schon vor einem Jahr hat sich MoneYou, die Direktbanktochter der ebenfalls aus den Niederlanden stammenden ABN Amro, in Deutschland eingenistet. Für beide hat Callatay & Wouters die IT-Plattform beigesteuert.

Und die deutschen Sparer haben keine Scheu, ihr Geld von der Raiffeisenbank oder Sparkasse zu einer ING-Diba oder Rabodirect zu tragen, wenn es dort ein paar Prozent mehr Zinsen gibt: Laut Bundesbank haben sich die kurzfristigen Sichteinlagen - Tagesgeld und Guthaben auf Girokonten - allein zwischen Mai 2011 und Mai 2012 fast verdreifacht. Bei Direktbanken, die keine eigene Deutschland-Tochter haben, sondern aus dem Ausland mit einer deutschen Niederlassung operieren, lag die Steigerung sogar bei 340 Prozent. Bis zu 2,5 Prozent im Jahr zahlen sie für täglich verfügbare Einlagen, der Durchschnitt in Deutschland liegt nach Berechnungen der Frankfurter Finanzberatung FMH bei 1,39 Prozent.

Seit Ende 2007 haben ausländische Banken in Deutschland nach Daten der Ratingagentur Fitch 114 Milliarden Euro an Spareinlagen eingesammelt und ihren Marktanteil damit auf 15 von 12,5 Prozent ausgebaut. Institute aus Krisenstaaten wie Spanien oder Portugal ersetzen damit zum einen die Einlagenabflüsse in der Heimat, wo sie überdies höhere Zinsen zahlen müssten als in Deutschland. Aber auch für Banken aus als sicher geltenden Euro-Staaten wie den Niederlanden ist das Geld deutscher Sparer attraktiv. Sie machten sich damit unabhängiger vom Kapitalmarkt, schreibt Ratinganalyst Michael Dawson-Kropf von Fitch. Und aus Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone achten die Häuser zurzeit verstärkt darauf, ihre Kredite im gleichen Land zu refinanzieren.

Ein Call-Center und Server sind genug

Der Schritt nach Deutschland ist nicht teuer. Ein Call-Center und einige Server reichen, über die die Bankgeschäfte der Kunden abgewickelt werden. Ein teures Filialnetz sparen sich die meisten. Doch heimische Institute sehen den Angriff nach eigenem Bekunden gelassen: "Wir wollen weiterhin mit fundierter Beratung in den Filialen bei den Kunden punkten", sagt Andreas Martin, Vorstandsmitglied beim Verband der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Schließlich sei Tagesgeld nicht für jeden Anleger das Richtige. Hier seien individuelle Lösungen gefragt. Verbraucherschützer raten auch, das Kleingedruckte genau zu studieren: Oft werden nur neue Kunden mit lukrativen Zinsen gelockt. Wer schon länger dabei ist, muss sich mit deutlich weniger zufrieden geben.

Die meisten deutschen Banken brauchen sich auf den Wettlauf um die höchsten Zinsen noch nicht einzulassen. Sie können sich laut Fitch dank des "AAA"-Ratings für Deutschland immer noch günstiger über Pfandbriefe oder Schuldscheine finanzieren. Nach einer Studie der Boston Consulting Group werden die Erträge im Einlagengeschäft künftig nur um 1,5 Prozent im Jahr zunehmen.

Im Poker um die Spargelder bleibt den deutschen Filialbanken als Trumpf im Ärmel oft nur der Verweis auf die Sicherheit der Einlagen. Der Schock, als die isländische Einlagensicherung unter der Pleite der Kaupthing Bank zusammenbrach, sitzt noch tief bei den deutschen Sparern, die von hohen Zinsen angelockt worden waren. Bis zu 100.000 Euro sind durch die gesetzliche Einlagensicherung abgedeckt, wenn das Institut eine selbstständige Tochter in Deutschland hat und Pleite geht. Ist es zusätzlich Mitglied im Privatbankenverband BdB, greift darüber hinaus dessen Einlagensicherungsfonds. Bei einigen ausländischen Banken greifen dagegen allein die Schutzsysteme der Heimatländer.

Trotzdem: Alle Einlagen-Sicherungssysteme sind nur begrenzt belastbar. Fitch fürchtet, dass die zahlreichen neuen Mitspieler das deutsche System überfordern könnten. "Die zunehmende Zahl an ausländischen Banken hat die Verstrickungen im hiesigen Bankensystem deutlich verstärkt", schreibt Dawson-Kropf. Schon beim Zusammenbruch der deutschen Lehman -Tochter musste der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin mit 6,7 Milliarden Euro an Garantien in die Bresche springen, da die deutsche Einlagensicherung überfordert war.

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