"Banken haben ihre Sparer benutzt, um sich selbst zu retten"

"Banken haben ihre Sparer benutzt, um sich selbst zu retten"

"QUIERO MI DINERO" - GEBT MIR MEIN GELD ZURÜCK! Mehr als 680.000 Kleinanleger steckten ihr Geld in Vorzugsaktien spanischer Banken. Als 2009 der Anleihemarkt austrocknete, versorgten sich diese über ihr dichtes Filialnetz bei ihren Kunden mit frischem Geld. Das könnte den Kunden jetzt auf den Kopf fallen, denn das EU-Rettungspaket sieht vor, dass auch die Anteilseigner der Banken einen Teil der Verluste tragen müssen.

Maribel Martinez hat sich auf die Erträge aus ihren gesparten 82.000 Euro verlassen. Nachdem sie vor zwei Jahren ihre Stelle als Köchin verloren hatte, steckte sie ihre gesamten Ersparnisse in Bankia-Vorzugsaktien.

Jetzt ist eine Zahlung von 1.435 Euro, die am 7. Juli kommen sollte, ausgeblieben, sagt Maribels Ehemann Paco Valiente. Am 1. Juli hat die Bankia-Gruppe Zahlungen über 52 Mill. Euro an die Eigentümer von Vorzugsaktien im Wert von 3 Mrd. Euro ausgesetzt, nachdem die Bank einen Verlust von 3,3 Mrd. Euro für 2011 verzeichnete.

Ausbleibende Dividenden könnten das kleinste Problem der Familie Martinez sein. Die Praxis, Vorzugsaktien über das Filialnetz zu verkaufen, nachdem der Anleihemarkt 2009 als Geldquelle versiegt war, macht Banken und ihren Kunden jetzt zu schaffen. Die Eigentümer von Vorzugsaktien geretteter Kreditinstitute wie Bankia laufen Gefahr, einen Teil ihres Kapitals zu verlieren. Die Europäische Union hat im Rahmen ihres 100 Mrd. Euro schweren Rettungspakets für spanische Banken beschlossen, dass Anteilseigner einen Teil der Verluste zu tragen haben. Spaniens drittgrößtes Kreditinstitut Bankia wurde im vergangenen Monat verstaatlicht, nachdem der spanische Staat es mit 23,5 Mrd. Euro unterstützt hatte.

Wir haben dem Filialleiter vertraut

“Wir haben den Worten unseres Filialleiters vertraut und in Vorzugsaktien investiert, aber jetzt ist unser Geld praktisch beschlagnahmt worden”, sagt der 51-jährige Valiente, der im vergangenen Jahr ebenfalls arbeitslos geworden ist. “Was gerade mit unserem Land und Menschen wie uns passiert, lässt mich um die Wirtschaft und die Zukunft bangen.”

“Maßnahmen zur Lastenteilung mit Hybridkapitaleigentümern und nachrangigen Gläubigern von Banken, die staatliches Kapital erhalten” sind Teil der Anstrengung, die Kosten der Restrukturierung für den Steuerzahler niedrig zu halten, wie aus einem Entwurf der vom spanischen Wirtschaftsministerium vorgelegten Vereinbarung für die Bedingungen der Bankenrettung vom 9. Juni hervorgeht.

Bis zu 686.296 Kleinanleger hielten im Mai 2011 etwa 22,5 Mrd. Euro in Banken-Vorzugsaktien, wie Daten der spanischen Börsenaufsicht CNMV zeigen. Vorzugsaktien sind, anders als Sparkonten, nicht durch den Staat gegen Verluste abgesichert. Nachdem mehrere Banken, darunter Banco Santander SA und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA, den Anlegern einen Wechsel von Vorzugsaktien in andere Wertpapiere angeboten haben, liegt das Volumen inzwischen nur noch bei 7,1 Mrd. Euro.

Die Regierung reagierte auf den wachsenden Zorn der Kunden, indem sie die Vertriebspraxis von mindestens 18 spanischen Banken bei Vorzugsaktien verurteilte. Die Banken hätten “falsch gehandelt”, sagte Premierminister Mariano Rajoy am 27. Juni vor dem Parlament. Die Regierung arbeite daran, “gefangenen” Kleinanlegern einen “Ausweg durch einen Austausch für liquidere und weniger komplexe Produkte” anzubieten.

Der Prospekt für die Vorzugsaktien von Bankia warnte 2009 vor dem Risiko für Investoren, unter “extremen” Umständen Verluste verkraften zu müssen. “Institutionelle Investoren sind auf so etwas mehr als vorbereitet, aber für Kleinanleger ist es ein Schock”, sagte Michael Symonds, Analyst bei Daiwa Capital Markets in London, in Bezug darauf, dass Gläubiger nachrangiger Anleihen einen Teil der Belastungen der Bankenrettung tragen müssen.

Spanische Banken teilten mit, sie hätten sich bemüht, Investoren dabei zu unterstützen ihre Vorzugsaktien gegen neue Wertpapiere einzutauschen, vor allem andere verlustabsorbierende Anlageinstrumente wie Aktien. Im Februar kündigte die Bankia Gruppe den Austausch von Vorzugsaktien ihrer Muttergesellschaft im Wert von 830 Mill. Euro gegen neue Aktien der börsennotieren Tochter Bankia SA an. Der Tausch kam Wochen vor der Verstaatlichung. Der Kurs der Bank mit Sitz in Valencia ist seitdem um rund 80 Prozent eingebrochen.

“Die Banken haben ihre Sparer benutzt, um sich selbst zu retten, als institutionelle Anleger ihre Papiere nach 2008 gemieden haben”, sagte Fernando Herrero, Generalsekretär der Madrider Bankkundenvereinigung ADICAE. “In den meisten Fällen ist das Tauschangebot wie die Wahl zwischen dem Verlust des Kopfes oder des Armes.”

Filialnetze gehen vor wie Armeen

Aber auch für die Banken hat der Vertrieb der Vorzugsaktien Folgen. Carmen Munoz, leitende Direktorin bei der Ratingagentur Fitch in Spanien, warnte am Donnerstag, den Banken drohe zu einem späteren Zeitpunkt nicht nur ein Reputationsschaden, sondern möglicherweise auch Klagen wegen Missbräuchen im Vertrieb.

“Die Filialnetze gehen vor wie Armeen, die Befehle erhalten, wie viel sie von einem Produkt verkaufen sollen”, sagte Juan Fernandez-Armesto, früherer Vorsitzender der Börsenaufsicht CNMV, in einem Telefoninterview. “Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Kundenbetreuer und seinen Kunden ist ernsthaft geschädigt.”

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