Banken-Branche erwartet neue Großfusionen nach EZB-Stresstest

Banken-Branche erwartet neue Großfusionen nach EZB-Stresstest

Der bevorstehende Stresstest der 128 größten Banken in der Eurozone könnte nach Ansicht führender Banker die nächste Runde von Fusionen in der Branche einläuten.

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Bilanzen und die Krisenfestigkeit der Geldhäuser erst einmal gründlich unter die Lupe genommen hat, könnte das gegenseitige Vertrauen wieder wachsen, das in der Finanzkrise verloren gegangen war. "Die Voraussetzungen sind da", sagte etwa Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Zunächst erwarten die Banker Übernahmen kleinerer Finanzhäuser auf nationaler Ebene - etwa in Italien. Einige Banken bräuchten wohl frisches Kapital und könnten sich daher in die Arme eines potenteren Instituts flüchten. Im nächsten Schritt seien aber auch länderübergreifende Zusammenschlüsse denkbar. Aber das werde seine Zeit dauern, sagte Jain. "Ich sage keine Welle (von Übernahmen) voraus."

Fusionen könnten neue Risiken für Steuerzahler bergen

Die EZB prüft die wichtigsten Banken in den 18 Euro-Ländern bis Oktober auf Herz und Nieren, bevor sie die direkte Aufsicht über diese Häuser übernimmt. Die gemeinsame Aufsicht ist der erste Schritt zu einer Bankenunion, die auch ein einheitliches Abwicklungssystem und eine Einlagensicherung vorsieht. Bis sie abgeschlossen ist, stehen die Bankenaufseher und EU-Politiker Großfusionen in der Branche aber noch skeptisch gegenüber. Erst müsse verhindert werden, dass automatisch der Staat eingreifen muss, wenn ein solches Gebilde ins Wanken käme. In Bankenkreisen heißt es, eine Bilanzsumme von zwei Billionen Euro sei die Obergrenze des Gewünschten. Damit könnte etwa die Deutsche Bank nicht mehr zukaufen - obwohl ihre Top-Manager stets darauf verweisen, dass eine große Universalbank stabiler sei als manche kleinere Investmentbank. Und auch die Commerzbank mit einer Bilanzsumme von gut einer halben Billion Euro dürfte für die wenigsten Banken verkraftbar sein. Die meisten Geldhäuser in Europa sind noch dabei, ihre Bilanzen auszumisten, um weniger Kapital für riskante Vermögenswerte vorhalten zu müssen.

Italienischer Bankenmarkt vor Konsolidierung

Im spanischen Bankensektor scheint das Großreinemachen schon abgeschlossen. Gab es dort vor der Staatsschuldenkrise noch rund 50 Banken, ist ihre Zahl - vor allem durch Fusionen regionaler Sparkassen - auf weniger als zehn geschrumpft. Erster Kandidat für eine Konsolidierung ist Italien. Dort kämpfen die Nummer drei und vier, Banca Monte dei Paschi di Siena und Banco Popolare, verzweifelt um frisches Kapital, um den Stresstest der EZB zu bestehen. Die Ankündigung einer Kapitalerhöhung um 1,5 Milliarden Euro bei der Banco Popolare ließ deren Aktien am Montag um bis zu 16 Prozent einbrechen.

Italiens Notenbank-Chef Ignazio Visco und der Chef von UniCredit sprachen offen aus, dass mittelgroße Banken Übernahmekandidaten seien: "Sicher brauchen einige Banken zusätzliches Kapital. Es ist gut möglich, dass Konsolidierung auf dieser Ebene beginnt", sagte UniCredit-Chef Federico Ghizzoni in Davos. Aber er erwarte auch grenzüberschreitende Fusionen: "Ich bin gespannt, was nach der Bilanzprüfung passiert - nicht nur in Italien, sondern auf europäischer Ebene."

Aber Bankenfusionen stünden nicht nur in der EU auf der Tagesordnung, sagen Banker. Eine Fusionswelle könnte es auch unter Schweizer Privatbanken geben, wenn diese die Steuerdaten ihrer Kunden bald automatisch an ausländische Finanzbehörden weiterreichen müssten.

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