"Bank-Run light" in Zypern

"Bank-Run light" in Zypern

In den ersten Stunden nach der Wiederöffnung der Banken in dem Euro-Inselstaat nach fast zweiwöchiger Zwangspause fielen die Schlangen vor den Filialen der Geldhäuser übersichtlich, wenn auch etwas länger als in normalen Zeiten, aus: Eine Art "Bank-Run light".

Erleichtert wird nicht nur Deutschlands Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reagiert haben. "Ich hoffe, das alles gut geht", hatte er sich noch am Morgen in einem Rundfunkinterview betont vorsichtig gegeben.

Allerdings - die Bilder von nur kurzen Schlangen sind das eine, die Zahlen das andere. In welchem Ausmaß Sparer und Anleger - unter Wahrung oder Umgehung aller Beschränkungen - Geld von ihren Konten bei zyprischen Banken abhoben, das lässt sich kurzfristig noch nicht absehen.

Zypern-Hilfspaket auf Schiene

Für das mit großen Mühen von den Euro-Finanzministern und Zypern ausgehandelte Hilfskonzept, mit dem der von der Pleite bedrohte Inselstaat gerettet werden soll, stehen die Zeichen nun auf Grün. Zügig kann die Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) nun mit der Regierung die Eckpunkte für das Hilfsprogramm mit seinen Bedingungen für den Inselstaat zu Ende verhandeln. Ziel ist es, in der zweiten April-Hälfte die endgültigen Entscheidungen zu fällen.

Das wichtigste Signal lautet: Die von den Euro-Ländern erstmals bei einem Hilfskonzept verfügte massive Beteiligung nicht nur von Eigentümern und Gläubigern, sondern auch von Groß-Anlegern an der Sanierung des viel zu großen zyprischen Finanzsektors wird inzwischen von Zyperns Bevölkerung zumindest hingenommen. Waren die Menschen auf der Insel bei der zwischenzeitlich diskutierten Zwangsabgabe, die auch kleine Bank-Guthaben getroffen hätte, noch voller Erbitterung auf die Straße gegangen, so scheint der neue Weg, der nur noch die Groß-Anleger trifft, für die Masse der Zyprer als kleineres Übel hinnehmbar.

Vertraunesverlust bleibt

Ob allerdings die Masse der Menschen noch Vertrauen in die Banken auf der Insel hat, bleibt zweifelhaft. Noch ist nicht absehbar, ob und in welchem Umfang die Bevölkerung nach und nach das Gros ihrer Guthaben bei zyprischen Banken abziehen, auf andere Anlagenbereiche wie etwa Immobilien umschichten oder auf Auslandsbanken ausweichen wird. Schließlich werden nach dem Rettungskonzept die beiden größten Banken des Landes abgewickelt beziehungsweise umstrukturiert. Die Zeche zahlen Eigentümer sowie große Gläubiger und Anleger.

Sollte das Vertrauen der Kunden in zyprische und davon ausgehend auch in Banken anderer Euro-Länder grundlegend erschüttert sein, ist das Risiko eines Bank-Runs nicht gebannt. Schließlich steht hinter jedem Banken-Sturm ein dramatischer Vertrauensverlust.

Dennoch: Die Stimmen, die in einem Banken-Ansturm der Kunden die Initialzündung für ähnliche Entwicklungen in anderen Euro-Ländern gesehen hatten, dürften erst einmal leiser werden. Der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed al-Erian, etwa hatte die Befürchtung geäußert: "Sobald ein Sturm auf die Banken erst einmal begonnen hat, macht es für alle Sinn, mitzumachen. Deshalb lässt er sich so schwer stoppen." Er hat aber noch nicht begonnen. Auch Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hatte bereits die Gefahr eines "europaweiten Bank-Runs" beschworen.

Demgegenüber darf sich der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, bestätigt fühlen. Er hatte vorausgesagt, die Unruhe in Zypern werde sich schon bald legen. Auch Anzeichen, dass deutsche Sparer vermehrt ihre Geld abzögen, gebe es bislang nicht.

Ob nach dem glimpflichen Neustart in Zypern für die Inselrepublik und den Rest der Euro-Zone Entwarnung gegeben werden kann, ist angesichts der anhaltenden Verunsicherung aber offen. Deshalb fürchten die Regierungen nichts so sehr wie Spekulationen, die Unsicherheiten weiter anheizen. Wohl auch deshalb warnte Regierungssprecher Steffen Seibert gerade erst mit Blick auf andauernde Risiken: "Niemand sollte eine Verunsicherung herbeireden oder Sorgen schüren."

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa