"Bank Run" in Zypern

"Bank Run" in Zypern

Schock auf Zypern: Hunderte Menschen versuchten Samstag früh ihr Geld von den Banken zu holen. Anlass war die Entscheidung der Eurogruppe, die privaten Geldanleger an der Abwendung eines Staatsbankrotts zu beteiligen.

Es kam zu einem kurzfristigen Ansturm auf Genossenschaftsbanken, die auch am Samstag geöffnet sind.

Die Banken hatten jedoch vorgesorgt und den Anteil der Einlagen eingefroren, den ihre Kunden entrichten sollen. Das Onlinesystem der Banken war außer Betrieb gesetzt. Später schlossen die wenigen geöffneten Filialen, wie der stellvertretende Präsident der Cooperative Central Bank of Cyprus, Erotokritos Chlorakiotis, im staatlichen Rundfunk sagte.

Zyperns Sparer reagieren verbittert auf die Sonderabgabe: "Ich bin extrem wütend. Ich habe Jahre über Jahre gearbeitet, um dies anzusparen und jetzt verliere ich es, nur weil die Niederländer und Deutschen das sagen", ärgerte sich ein 54-jähriger Zypriot am Samstag. Ein Rentner sagte: "Das ist schlicht und einfach Diebstahl. Zypern ist nicht Sizilien. Das ist nicht die Insel der Mafia".

"Das ist eine Katastrophe", sagte ein 45-jähriger Zypriot, der zum Abheben seiner Ersparnisse zur Bank geeilt war – allerdings zu spät. "Liebe Depotinhaber, der Zeitpunkt, um vor euren Banken Schlange zu stehen, war letzte Woche", twitterte der Brüsseler Eurokrisen-Analyst Sony Kapoor. "Jetzt hat es keinen Sinn. Eure Depots sind jetzt sehr, sehr sicher!"

"Reichensteuer" soll Bankenrettung mitfinanzieren

Nach der Vereinbarung ist eine Abgabe von 9,9 Prozent auf Guthaben über 100.000 Euro fällig. Beträge unter dieser Schwelle werden mit 6,75 Prozent besteuert. Dies soll einen Betrag von 5,8 Milliarden Euro einbringen.

Die Regierung in Nikosia braucht das Geld vor allem, um seine Banken zu stützen, die wegen des Schuldenschnitts in Griechenland in die Klemme gerieten. Zum ersten Mal in der Eurokrise werden Bankkunden und nicht nur alle Steuerzahler gezwungen, die Rettung der Institute mitzubezahlen. In den 90er Jahren hatte Italien einmal eine ähnliche Steuer erhoben, um die Lira zu schützen. Der IWF habe auf dieser fairen Lastenteilung bestanden.

Harte Hand der Euro-Finanzminister

"Bevor die Banken öffnen, wird die Abgabe abgezogen. Der Rest des Geldes ist frei verfügbar", erklärte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Verantwortlich für das Verfahren seien die Zyprioten. Ein solches Vorgehen drohe in anderen Krisenländern des Kontinents nicht.

Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums auf Zypern erfuhr, soll es bei den Verhandlungen in der Nacht in Brüssel zu dramatischen Szenen gekommen sein. Mindestens drei Mal soll die zypriotische Delegation bei der Eurogruppe kurz davor gewesen sein, abzureisen. Die anderen Europäer hätten Zypern vor die Alternative gestellt, entweder der Sonderbesteuerung der Geldeinlagen zuzustimmen oder zur früheren Währung des Landes, dem Zypern-Pfund, zurückzukehren, berichteten zypriotische Reporter.

Russen im Visier

Rund ein Drittel der Einlagen in Zypern sind in der Hand ausländischer Kontoinhaber - vor allem reicher Russen und Briten. Seit längerem halten sich Vorwürfe, Zypern locke mit niedrigen Firmensteuern und einer lockeren Finanzaufsicht Schwarzgeld an. Zypern bestreitet dies. Die Mittelmeerinsel ist zweitgrößter Auslandsinvestor in Russland.

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