Aufschwung in den Industrieländern, Probleme in Schwellenländern

Aufschwung in den Industrieländern, Probleme in Schwellenländern

Die Wirtschaft der Industrienationen zeigt den Analysen des Kreditversicherers Coface zufolge deutliche Zeichen eines Aufschwungs. In den wichtigen Schwellenländern Russland und Brasilien, aber auch in der Türkei schwächt sich das Wachstum dagegen ab.

In den klassischen Industrieländern ist die Wirtschaft langsam im Aufschwung. Für 2014 wird ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent - nach 1,2 Prozent im Vorjahr prognostiziert. Die positive Entwicklung zeigt sich auch in der neuen Länderbewertung des Kreditversicherers Coface, der darin etwa die USA in die beste Risikokategorie A1 einstuft. Die Bewertung umfasst sieben Stufen, von A1 bis A4, B, C und D.

Gegenläufig entwickeln sich dagegen die Schwellenländer. Hier sehen die Kreditversicherer ein erheblich gestiegenes Ausfallsrisiko. So wurden etwa die Bewertungen Brasiliens, Russlands, der Türkei, der Ukraine und Venezuelas abgestuft oder zur Beobachtung auf die negative Watchlist gestellt.

Wieder stärker: USA und Großbritannien

Die USA sind nun wieder, wie die unverändert stabilen Länder Japan, Kanada und die Schweiz, in der besten Bewertungsstufe A1. Die Wirtschaft wächst dynamisch und ausgewogen. Coface erwartet in den USA für 2014 ein Plus von 2,7 Prozent. Denn das Land profitiert sowohl von der anhaltenden Konsumnachfrage der privaten Haushalte als auch von der Widerstandskraft der Unternehmen. Die Firmen sind bei einer relativ niedrigen Schuldenlast wieder so profitabel wie vor der Krise. Ein weiterer Grund für die Aufwertung in die beste Risikokategorie A1 ist die Überwindung der Haushaltskrise zu Beginn des Jahres.

Großbritannien wurde nach zwei Jahren in der Risikostufe A3 nun auf die positive Watchlist gesetzt worden. Das mit 2,1 Prozent prognostizierte Wirtschaftswachstum basiert nicht mehr nur auf dem privaten Konsum, gefördert durch den leichten Zugang zu Krediten. Die steigenden Investitionen tragen ebenso zu einem Aufschwung bei. Die Zuversicht in den Unternehmen, vor allem in den Bereichen Finanzdienstleistung und Bau, wächst.

Unter Druck: Brasilien und Russland

Die wichtigsten Schwellenländer wachsen dagegen auf Grund von Versorgungsengpässen deutlich langsamer. Besonders zwei BRIC-Staaten, Brasilien und Russland, leiden unter nachlassenden Investitionen.
Brasilien wurde daher auf A4 abgestuft. Das fehlende Wachstumspotenzial kann auf den schwächeren Konsum und auf strukturelle Probleme – wie unzureichende Infrastruktur, den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sowie bürokratische Hürden – zurückgeführt werden.

In Russland verstärken die geopolitischen Spannungen die Probleme der ohnehin geschwächten Wirtschaft. Das veranlasst Coface dazu, die B-Bewertung mit negativem Ausblick zu versehen. Die Ukraine-Krise ebenso wie der verstärkte Kapitalabfluss werden sich auf das ohnehin geringe Wirtschaftswachstum auswirken, Coface erwartet bei sinkenden Investitionen 2014 nur noch eine Wachstum von einem Prozent, nach 1,3 Prozent im Vorjahr.

Politische Probleme: Türkei und Venezuela

Politische Unsicherheit ist eines der Kriterien bei der Bewertung von Ländern. Aufgrund der komplexen politischen Krise wird die Türkei (A4) auf die negative Watchlist gesetzt.

In der Türkei werden erhöhte Risiken durch die politischen Spannungen rund um die Kommunal- und Präsidentschaftswahlen (März und August 2014) erwartet. Das Wachstum wird sich 2014 auf zwei Prozent verlangsamen. Das kann auf die straffere Geldpolitik und die hohe Inflation zurückgeführt werden. Zusätzlich registrierte Coface eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens seit Dezember 2013.

Venezuela erlebt eine Rezession und Hyperinflation vor dem Hintergrund sozialer und politischer Probleme. Die Lage wird bis zu den Parlamentswahlen im September 2015 angespannt bleiben. Für Unternehmen bestehen bis dahin Risiken wie Verstaatlichung, Importbegrenzung sowie Preis- und Gewinnkontrolle. Sowohl ausländische wie lokale Unternehmen, die den Staat oder die Öl- und Gasbranche beliefern, leiden unter den langen Zahlungsverzögerungen.

Extrem unterschiedliche Geschäftsumfelder

Zusammen mit den Länderbewertungen hat Coface auch die Beurteilung des Geschäftsumfeldes aktualisiert. Unter den Aufwertungen findet sich Algerien, für das der negative Ausblick in der Risikokategorie B aufgehoben wurde. Die verbesserten Regeln für Unternehmen im neuen Finanzrecht zeigen hier erste Wirkungen. Auch die Genehmigungsverfahren für ausländische Direktinvestitionen oder Investitionsprojekte mit ausländischer Beteiligung haben sich verein-facht.

Im Gegensatz dazu befindet sich unter den Verschlechterungen – wenig überraschend – das Geschäftsumfeld in der Ukraine. Es wurde auf D abgestuft. Schon seit einigen Jahren hat das Land in der Korruptionsbekämpfung und regulatorischen Qualität stark nachgelassen. Die extreme politische Instabilität macht jegliche Aussicht auf baldige Reformen sehr unwahrscheinlich.

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