Auf Zypern-Rettung folgt europaweite Kapitalverschiebung

Auf Zypern-Rettung folgt europaweite Kapitalverschiebung

Trotz des ausgebliebenen Ansturms auf seine Banken wird Zypern länger als erwartet den Kapitalverkehr einschränken, um einen massenhaften Abfluss von Geld zu verhindern.

Am Anleihemarkt habe die Vorgangsweise beim Erstellen des Zypern-Hilfspakets zuletzt schon nachgewirkt. Immerhin sei von offizieller Seite nochmals unterstrichen worden, dass insolvente Banken in Zukunft nicht mehr allein durch die öffentliche Hand rekapitalisiert, sondern vor allem Gläubiger in die Pflicht genommen werden sollen. Gegebenenfalls seien also auch großvolumige Einlagen über 100.000 Euro vor Verlusten nicht gefeit. Somit reduziere sich das Universum von „sicheren“ Veranlagungen, heißt es in einer Analyse der RBI.

Während Staatsanleihen aus Deutschland, Österreich, Finnland und den Niederlanden profitierten, erhöhten sich die Renditen für Italien, Spanien, Portugal und Irland zum Teil merklich. Insbesondere Slowenien sei unter Druck gekommen. "Denn auch wenn der Staat bei Bankenproblemen finanziell entlastet werden soll, macht sich unmittelbar Sorge breit, dass es nunmehr zu Einlagenabflüssen bei schwächeren Banken aus diesen Ländern kommt", heißt es in der Analyse.

Was die Staatsanleihen Sloweniens betrifft, halten die Experten von Raiffeisen die Reaktion des Marktes (Renditeanstieg auf über 6 Prozent) allerdings für überzogen: "Die Situation in Slowenien unterscheidet sich beträchtlich von der in Zypern." Selbst falls Slowenien ein Hilfspaket brauchen sollte, "ist es unserer Meinung nach sehr unwahrscheinlich, dass die Troika in diesem Fall auf einen Haircut für slowenische Staatsanleihen drängen würde", so die RBI-Analyse.

Während bis Februar in den "GIIPS"-Ländern keine Einlagenabflüsse von Unternehmen und Haushalten zu vermelden gewesen sei, hätten Finanzinstitute zum Teil ihre Einlagen reduziert. In rund einem Monat würden EZB-Daten Indikationen zum Kundenverhalten im März liefern.

Warnung an Exporteure

Die massiven Beschränkungen des Geld- und Kapitalverkehrs von Bankkunden in Zypern könnten auch Exporteure treffen, warnte am Freitag die OeKB Versicherung. Bis jetzt sei noch unklar, welche Zahlungen im Geschäftsbereich die zypriotischen Behörden erlauben. "Auch wenn es sich nur um eine kurzfristige Maßnahme handeln sollte, macht es doch deutlich, dass selbst innerhalb der EU Zahlungen durch behördliche Maßnahmen blockiert werden können.

Für Unternehmen, die nach Zypern exportieren, könnte nun das Transferrisiko schlagend werden. Das ist das Risiko eines inländischen Gläubigers, dass seine Forderung an einen - zahlungswilligen - Schuldner im Ausland aufgrund staatlicher Eingriffe nicht rechtzeitig und in voller Höhe beglichen wird. Kreditversicherer decken dieses Risiko nur dann, wenn auch das sogenannte politische Risiko versichert ist.

Zypern zurrt die Reglementierungen fest

Trotz des ausgebliebenen Ansturms auf seine Banken wird Zypern länger als erwartet den Kapitalverkehr einschränken, um einen massenhaften Abfluss von Geld zu verhindern. Präsident Nikos Anastasiades kündigte am Freitag an, die Kapitalverkehrskontrollen würden erst nach und nach gelockert. Wann wieder alles erlaubt sein wird, sagte er nicht. Bisher war lediglich von sieben Tagen mit eingeschränkten Kapitalströmen die Rede gewesen. Außenminister Ioannis Kasoulides sagte, es werde wohl einen Monat dauern, bevor alle Beschränkungen aufgehoben seien.

Am Donnerstag hatten Zyperns Banken nach einer zweiwöchigen Zwangspause ihre Türen wieder geöffnet. Zuvor waren in der Nacht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen Lastwagen mit großen Bargeldbeständen auf den Hof der Zentralbank in Nikosia gerollt. Die Euro-Noten stammten aus EZB-Beständen, die in Mainz gelagert wurden, sagte ein Sprecher der Bundesbank. Wie das "Handelsblatt" berichtete, wurden die rund fünf Milliarden Euro mit einer Maschine der Lufthansa von Frankfurt nach Zypern geflogen. Die "Größenordnung" sei korrekt, sagte ein Sprecher der EZB. Die genaue Zahl wollte er jedoch nicht bestätigen.

Barabhebungen sind in Zypern nur bis höchstens 300 Euro pro Tag und Kopf erlaubt, damit den klammen Banken der Insel-Republik nicht auf einen Schlag das Geld ausgeht. Auch Termingelder können nicht ohne weiteres vorzeitig aufgelöst werden. Auf Auslandsreisen dürfen Zyprer nur 1000 Euro mitnehmen. Zu groß ist die Furcht, dass das Land im östlichen Mittelmeer durch Kapitalflucht finanziell austrocknen könnte. Nach Polizeiangaben sollten die Kontrollen an Flughäfen verschärft werden. Erste Lockerungen gab es Freitag bei der Verwendung von Schecks. Diese dürfen nun bis zu einer Grenze von 5.000 Euro wieder für Zahlungen an Behörden genutzt werden, höhere Summen muss die Notenbank genehmigen.

Der Präsident sparte auch am Freitag nicht mit Kritik an den Euro-Partnern. Er warf der Euro-Zone vor, "unerhörte Forderungen" an Zypern gestellt und die Rettung zu einem "Experiment" gemacht zu haben. Zugleich ging er erneut auf die Schuldfrage ein und kritisierte die Bankenaufsicht in Zypern und Europa. Diese hätten zugelassen, dass Geld in ein angeschlagenes Finanzinstitut gesteckt wurde, welches nun vor der Abwicklung stehe. "Wie seriös waren diese Behörden, die die Finanzierung einer bankrotten Bank bis zum höchstmöglichen Betrag zugelassen haben?", fragte der Präsident. Konkreter wurde Anastasiades in einer Rede vor Angehörigen des öffentlichen Dienstes in Nikosia in seinen Vorwürfen nicht. Zugleich betonte er, sein Land wolle weiterhin der Währungsunion angehören. "Auf keinen Fall werden wir mit der Zukunft unseres Landes experimentieren", sagte Anastasiades.

Zypern droht wirtschaftlicher Exodus

Zypern steht vor einer schweren Rezession. Die Arbeitslosigkeit dürfte wegen der Krisenfolgen auf Rekordwerte steigen. Der Staat hatte lange auf sein überdimensionierten Finanzsystem gesetzt und Investoren mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und laxen Kontrollen angelockt. Nun wird das zweitgrößte Institut Laiki abgewickelt, die Bank of Cyprus verkleinert.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten bei den Verhandlungen über die Rettungsbedingungen auf einer Beteiligung des Bankensektors beharrt. Streit gibt es darüber, ob dieses Modell einmalig ist oder als Muster für andere Rettungen dienen könnte, wie es Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem als möglich bezeichnet hat. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot sagte der Zeitung "Het Financieele Dagblad", an Dijsselbloems Bemerkungen sei "wenig falsch". Dijsselbloem befinde sich damit im Einklang mit Überlegungen, die in Europa schon seit längerem auf dem Tisch lägen. "Diese Herangehensweise wird Bestandteil einer europäischen Abwicklungspolitik", sagte das EZB-Ratsmitglied. Luxemburg wiederum warnte, nach dem Vorbild Zyperns bei Bankenpleiten auch vermögende Sparer zur Sanierung der Geldhäuser zur Kasse zu bitten. "Das führt dazu, dass Investoren ihr Geld außerhalb der Euro-Zone anlegen", sagte der Finanzminister Luc Frieden dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

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