"Athens Reparationsforderungen an Berlin berechtigt"

"Athens Reparationsforderungen an Berlin berechtigt"

Griechenland prüft nach Angaben des griechischen Finanzministeriums Reparationsforderungen an Deutschland als Ausgleich für Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Diese seien durchaus berechtigt, erklärte der Athener Historiker Hagen Fleischer in einem Interview mit "derStandard.at".

Athen solle aber dennoch offiziell auf die Reparationsforderungen verzichten und sich auf den "sogenannten Besatzungskredit beschränken", erklärt der gebürtige Wiener. Dabei handelt es sich um einen Zwangskredit der griechischen Staatsbank an das nationalsozialistische Deutschland. "Der Kredit beinhaltet zum Beispiel Ausgaben des griechischen Staates für Rommels Kriegsführung."

NS-Deutschland habe Teilbeträge des Kredits zurückbezahlt und die "Restschuld auf einen Betrag von 476 Millionen Reichsmark berechnet." Fleischer: "Das wären mit heutiger Kaufkraft um die sechs, sieben Milliarden Euro, ohne Zinsen." Deutschland würde daraus auch kein Präzedenzfall erwachsen, der für andere Länder die Grundlage ähnlicher Forderungen bilden könnte, da das griechische Zwangsdarlehen in dieser Form einmalig gewesen sei, meint Fleischer.

Von der Berechtigung der Reparationsforderungen Griechenlands an Deutschland ist der Historiker überzeugt. "Die gesamte Wirtschaft und Infrastruktur des Landes wurden durch die Okkupation zerstört." Von den auf über zehn Milliarden Vorkriegsdollar bezifferten Schäden sei nach 1945 - vor allem über die Demontage von Industrieanlagen - nur ein Bruchteil bezahlt worden.

Mit dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 wurden laut Fleischer die übrigen Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg verschoben, erst wenn es zu einer Wiedervereinigung Deutschlands komme, sollten die Forderungen Griechenlands an Deutschland wieder schlagend werden. 1995 habe Griechenland dann erstmals wieder offiziell seine Entschädigungsforderungen an die deutsche Regierung gestellt. "Die Verbalnote an das Auswärtige Amt wurde aber schon vom Türsteher abgewiesen", so Fleischer im derStandard.at-Gespräch.

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