"Assad kann nicht gewinnen – ungeachtet der Hilfe von Russland"

"Assad kann nicht gewinnen – ungeachtet der Hilfe von Russland"

Unter dem Schutz von Kriegsschiffen liefert Russland seine gefürchteten Raketenabwehrsysteme vom Typ S-300 an Syrien. Sie sollen Machthaber Bashar al-Assad in Damaskus einen Vorteil verschaffen im immer blutigeren Kampf mit seinen Gegnern.

Die russische Präsenz im Mittelmeer werde nun um die großen Landungsschiffe "Nikolai Filtschenkow" und "Asow" erweitert, teilt Kapitän Wjatscheslaw Truchatschjow von der Schwarzmeerflotte am Montag mit. Auch U-Boot-Jäger und Rettungsschlepper anderer russischer Flottenverbände kreuzen nach seinen Angaben in den Gewässern.

Die Marine soll nicht nur Assads Gegner abschrecken, sondern auch gewährleisten, dass alle Teile für die S-300-Systeme sicher ankommen. Auch russische Spezialisten seien in Syrien, um Assads Soldaten zu schulen und die Anlagen gegen mögliche Angriffe etwa aus Israel aufzustellen, berichtet die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta". Die nach einer Pause wieder aufgenommene militärisch-technische Hilfe für Syrien sehen Experten auch als Zeichen eines wachsenden Selbstbewusstseins, dass Russland sich auf dem richtigen Weg in dem Konflikt sieht.

Die Vetomacht im Weltsicherheitsrat steht in dem Konflikt mit Zehntausenden Toten fest an der Seite der syrischen Führung. Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow macht in einem Interview der Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" noch einmal deutlich, dass Moskau eine gewaltsame Einmischung von außen nicht duldet. Und er äußert sich zufrieden, dass er mit seinem US-Kollegen John Kerry eine gemeinsame Sprache gefunden habe. Beide wollen eine neue Syrien-Konferenz in Genf - voraussichtlich nach dem 10. Juni.

Kerry und Lawrow auf einer Wellenlänge?

Lawrow sieht bei Kerry inzwischen auch die Bereitschaft, den Iran an der Konferenz zu beteiligen. Beobachter meinen, dass zwischen den beiden Politikern - anders als zuletzt zwischen Lawrow und Kerrys Vorgängerin Hillary Clinton - die Chemie stimme. Von langen Spaziergängen der beiden ohne Begleitung und entspannten Essen bis tief in die Nacht ist die Rede. Lawrow lobt auch, dass Kerry nicht unbedingt auf einem Rücktritt Assads bestehe, damit es zu einer Lösung in dem Konflikt kommt.

Der russische Chefdiplomat warnt allerdings vor zu hohen Erwartungen an die geplante Konferenz. Andere Konflikte in der Region seien erst nach vielen Jahren gelöst worden. "Hier irgendwelche künstlichen Fristen zu setzen, ist absolut kontraproduktiv", betont Lawrow. Selbst wenn es in Genf eine Resolution geben sollte, davon gehen auch Experten in Moskau aus, sind kaum echte Schritte für ein Ende des Bürgerkriegs zu erwarten. Beobachter meinen, dass es vielmehr für alle Seiten darum gehe, Zeit zu gewinnen.

Die USA und andere im Westen wollen nicht noch eine internationale Front aufmachen. Und die Russen sehen eine Chance für ihre eigenen Interessen in der Region, wo Assad ihr letzter Verbündeter ist. Sie warnen deshalb immer wieder vor der Gefahr, dass islamistische Terroristen dort an die Macht kommen könnten. Assad hingegen sei bei allem Übel berechenbar.

"Das Land ist völlig zerstört"

Der russische Militärexperte Pawel Felgenhauer betont, dass Moskaus Elite aus Militär, Diplomaten und Experten zwar mit einem Sieg Assads am Ende des Bürgerkriegs rechne. "Assad und seine Alawiten können aber letztlich nicht gewinnen - ungeachtet der massiven Hilfe Russlands und des Iran", schreibt Felgenhauer in der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta". Das Land sei völlig zerstört, das wirtschaftliche Leben am Ende. "Je länger das blutige Gleichgewicht zwischen den Assad-Anhängern und der Opposition andauert, desto schlimmer wird am Ende alles", warnt Felgenhauer. Offiziell besteht Moskau weiter darauf, dass das syrische Volk bei einer Wahl über die künftige Führung in Damaskus abstimmt.

80 Tote

Bei der großangelegten Offensive der syrischen Armee auf die strategisch bedeutende Rebellenhochburg Qusayr (Kusseir) sind seit Sonntag mehr als 80 Menschen getötet worden. Dies teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit. Unter den Toten seien neben zahlreichen Rebellen auch 23 Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz, hieß es.

Die syrische Luftwaffe begann laut der Beobachtungsstelle am Sonntag in der Früh mit Angriffen auf Qusayr. Zudem habe es Artilleriebeschuss gegeben. Armeeeinheiten nahmen nach eigenen Angaben das Stadtzentrum ein, was die Rebellen bestritten. Ein Regierungssoldat sagte im Staatsfernsehen, hundert bewaffnete Männer seien im Kampf getötet worden.

Laut der Beobachtungsstelle wurden mindestens 56 Rebellen getötet, sechs davon am Montag. Auch vier Zivilisten seien getötet worden. Die Regierungstruppen wurden offenbar von der schiitischen Hisbollah-Miliz unterstützt. Laut der Beobachtungsstelle wurden am Sonntag 23 Hisbollah-Kämpfer getötet und mehr als 70 verletzt. Ein Hisbollah-naher Informant sprach von mindestens 20 getöteten Miliz-Mitgliedern und rund 30 Verletzten.

Die Armee und regierungstreue Kämpfer versuchen seit Wochen, die strategisch wichtige Stadt zwischen Damaskus und der Mittelmeerküste unter Kontrolle zu bringen. Qusayr war seit mehr als einem Jahr in Rebellenhand. Die wichtigste syrische Oppositionsgruppe Nationale Koalition warnte vor "klaren Anzeichen", die auf ein baldiges "Massaker" an Zivilisten hindeuteten. Sie verurteilte die "barbarischen und zerstörerischen Luftangriffe".

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