"Assad hat seine Brutalität und seine Falschheit verdoppelt"

"Assad hat seine Brutalität und seine Falschheit verdoppelt"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer "unbeschreiblichen Barbarei" und forderte die Regierung in Damaskus auf, sofort den Friedensplan des internationalen Gesandten Kofi Annan umzusetzen.

US-Außenministerin Hillary Clinton warf dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor, "seine Brutalität und seine Falschheit verdoppelt" zu haben. Die Berichte von Aufständischen über die Tötung von mindestens 78 Menschen - darunter Kinder - in dem Dorf Masraat al-Kubeir konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte hatte in der Nacht auf Donnerstag von dem Massaker berichtet. Die Schilderungen ähnelten Berichten von vor knapp zwei Wochen, als in Hula 108 Zivilisten getötet worden waren. Der Kommandeur der UN-Beobachter in Syrien sagte am Donnerstag, Soldaten und Zivilisten hätten seine Leute daran gehindert, zu dem Dorf zu gelangen. Ban erklärte in New York, die Truppe sei beschossen worden. "Sie arbeitet jetzt daran, vor Ort zu gelangen."

"Furchtbarer Geruch von Menschenfleisch"

Mehrere Aktivisten sagten der Nachrichtenagentur Reuters, Masraat al-Kubeir sei zunächst mit heftigem Beschuss eingedeckt worden. Dann seien Kämpfer in das Dorf in der Provinz Hama eingerückt und hätten Dutzende Menschen erschossen und erstochen. Filmaufnahmen, die nach Angaben von Aktivisten in Masraat al-Kubeir entstanden, zeigten in Tücher gehüllte Leichen von mindestens einem Dutzend Frauen und Kindern sowie verkohlte Leichenteile. Ein Bauer aus dem Dorf beschrieb per Telefon ein ohrenbetäubendes Artilleriefeuer. "Von den Gebäuden stieg Rauch auf und es gab den furchtbaren Geruch von verbranntem Menschenfleisch", sagte der Mann, der um Anonymität bat. Er habe sich vor den syrischen Truppen und der Schabbiha-Miliz hinter Olivenbäumen versteckt.

Die Syrische Beobachterstelle mit Sitz in Großbritannien beschuldigte ebenfalls explizit die gefürchtete Miliz, die auch an dem Massaker in Hula maßgeblich beteiligt gewesen sein soll. Die Gruppe setzt sich vornehmlich aus Mitgliedern der Alawiten zusammen, die in Syrien die Minderheit bilden und denen auch Assad angehört. Dagegen zitierte die staatliche syrische Nachrichtenagentur einen namentlich nicht genannten Behörden-Vertreter aus Hama, der die Berichte über das Massaker als "komplett falsch" bezeichnete. Sicherheitskräfte hätten auf Bitten von Bewohnern eingegriffen, nachdem eine "terroristische Gruppe" ein "ungeheueres Verbrechen" begangen habe.

Russland in der Pflicht

Bei dem seit 15 Monaten anhaltenden Aufstand gegen Assad sind nach Schätzungen der UN mehr als 9000 Menschen getötet worden. Ein Friedensplan von Annan hat die Gewalt nicht stoppen können und steht vor dem scheitern. Annan - selbst ehemaliger UN-Generalsekretär - sollte am Abend vor dem Sicherheitsrat sprechen. Nach Angaben von Diplomaten wollte er die Einrichtung einer Kontaktgruppe vorschlagen, um auch Staaten wie den Iran einzubeziehen. Ein westlicher Diplomat sagte Reuters, vordringlichstes Ziel sei es, die Russen für einen politischen Wandel zu gewinnen, bei dem Assad abgelöst werden würde.

Die Regierung in Moskau hat im Sicherheitsrat bislang ihre schützende Hand über den arabischen Verbündeten gehalten. Am Donnerstag signalisierte Russland eine Zustimmung zu einer Lösung der Krise nach dem Vorbild der Machtübergabe im Jemen. Allerdings müssten das die Syrer selbst wollen, sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow der Nachrichtenagentur Interfax. US-Präsident Barack Obama hatte beim G8-Treffen im vergangenen Monat als Modell für Syrien die Entwicklung im Jemen ins Gespräch gebracht. Dort hatte Präsident Ali Abdullah Saleh im Februar nach Massenprotesten die Macht an eine Übergangsregierung abgegeben.

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