Argentinien spielt mit dem Feuer – Inflation explodiert

Argentinien spielt mit dem Feuer – Inflation explodiert

Unabhängige Volkswirte schätzen die Inflationsrate in Argentinien bereits auf 26 Prozent. Investoren verlangen für argentinische Staatsanleihen immer höhere Risikoprämien.

Hans Humes, Präsident von Greylock Capital Management, ist davon überzeugt, dass Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, mit ihren Devisenkontrollen und ihren verunglimpfenden Äußerungen über die internationale Finanzgemeinschaft ihr Land der Chance auf eine Trendwende beraubt.

“Die wirtschaftliche und politische Krise in Argentinien hat sich Cristina in vollem Umfang selbst zuzuschreiben”, sagte Humes in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. “Ich glaube nicht, dass sie zu normaler Interaktion mit der internationalen Gemeinschaft fähig ist, um die Dinge wieder in die Spur zu bringen.”

Der Internationale Währungsfonds befasst sich am Freitag mit der Frage, ob Argentinien eine Rüge erhalten soll, dass das Land keine glaubwürdigen Angaben zur Inflationsrate macht – die von unabhängigen Volkswirten auf 26 Prozent geschätzt wird. Die Preissteigerungen und die schwächste Währung der Region sind dafür verantwortlich, dass Investoren für argentinische Staatsanleihen höhere Risikoprämien verlangen als von allen anderen großen Schwellenland-Schuldnern. Die Rendite argentinischer Bonds liegt 1079 Basispunkte oberhalb der von US-Treasuries, wie der EMBIG Index von JPMorgan zeigt.

Finanzierung durch die Notenbank

Fernandez hat zur Finanzierung des Staatshaushalts sowie zur Begleichung von Schulden auf die Devisenreserven der argentinischen Notenbank zurückgegriffen, sie hat 2008 24 Mrd. Dollar aus privaten Pensionsfonds konfisziert und sie hat im vergangenen Jahr den Energiekonzern YPF enteignet - alles Faktoren, die dazu beitragen, dass ausländische Investoren einen Bogen um Argentinien machen.

“Das Land stellt sich immer wieder selbst ein Bein”, sagte Jim Craige, bei Stone Harbor Investment Partners in New York mitverantwortlich für die Verwaltung von über 54 Mrd. Dollar an Anleihen von Schwellenland-Schuldnern. “In Argentinien bestimmt die Politik alles. Das Land weist eine bessere Bilanz auf als viele vollentwickelte Länder mit AA-Rating. Aber es ist eben Argentinien, und das heißt: es ist unberechenbar.”

Für einheimische Beobachter wie den ehemaligen Wirtschaftsminister Roberto Lavagna sehen die auswärtigen Kritiker eine Krise, wo keine ist. Sie verkennen, dass sich das Wachstum in diesem Jahr erholen dürfte, begünstigt von hohen Rohstoffpreisen, einer rekordverdächtigen Ernte und einer Verschuldung, die im Verhältnis zur Größe der Volkswirtschaft nur halb so hoch ist wie in den USA und nur ein Drittel des Vergleichswerts in Brasilien beträgt.

“Der Ruf Argentiniens im Ausland ist schlechter als die Realität, da gibt es viele vorgefasste Meinungen”, sagte Lavagna am 13. Dezember in einem Interview in Buenos Aires. “Wenn man sich die nackten Zahlen anschaut, dann ist da keine Krise, sondern ein fortschreitender Prozess des Abstiegs.”

Rohstoff-Boom

Steigende Rohstoffpreise und sehr gute Ernten verhalfen der 59-jährigen Präsidentin in den vier Jahren ihrer ersten Amtszeit bis Dezember 2011 zu durchschnittlichen Jahreswachstumsraten von 6,5 Prozent - doppelt so hoch wie die der beiden größeren lateinamerikanischen Länder Brasilien und Mexiko. Der Preis für Sojabohnen - dem wichtigsten Exportgut Argentiniens - stieg seit Fernandez’ Amtsantritt bis zum 4. September 2012 um 34 Prozent auf den Rekordpreis von 17,71 Dollar je Bushel.

Im vergangenen Jahr verlangsamte sich das Wachstum laut Durchschnittsprognose der 21 von Bloomberg befragten Volkswirte auf 2,1 Prozent. Eine Dürreperiode schadete der Soja-Ernte, die Nachfrage beim größten Handelspartner Brasilien brach ein und infolge von Einfuhrbeschränkungen litten Fabriken an Produktionsengpässen.

“Wenn man die Nachrichten liest, denkt man dieses Land steckt in einer Krise und steht kurz vor dem Zusammenbruch”, sagte Walter Molano, Leiter Research bei BCP Securities in Greenwich, Connecticut. “Ich sehe ein gesundes Land, das Fortschritte macht, mit niedrigem Schuldenniveau und starkem Wachstum beim Verbrauch. Dass die Konjunktur sich etwas verlangsamt, ist gut, es handelt sich nicht um abrupte Änderungen, die das Land in die Krise stürzen werden.”

>b>Verschuldung gering

Laut Internationalem Währungsfonds beläuft sich der Verschuldungsgrad Argentiniens auf 45 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Den Vergleichswert für die USA gibt der IWF mit 102 Prozent, für Brasilien mit 65 Prozent an.

Kritikern begegnet Präsidentin Fernandez mit dem Hinweis, sie habe das Land vor den Folgen des Zusammenbruchs von Lehman Brothers Inc. im Jahre 2008 sowie der europäischen Schuldenkrise bewahrt, indem sie die staatlichen Ausgaben erhöhte und den Verbrauch durch Lohnerhöhungen stimulierte, die die Kaufkraft stärkten.

“Wir setzen unseren Weg fort, gegen Wind und Wellen, gegen die, die Hass verbreiten und gegen die Propheten des Scheiterns”, sagte Fernandez am 26. Dezember in einer Rede. “Wir werden weitergehen in der Überzeugung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”

Ausschluss aus dem IWF?

Seit seinem Staatsbankrott im Jahre 2001 hat Argentinien kein Geld mehr an den internationalen Kreditmärkten aufgenommen. Das Land ist in Rechtsstreitigkeiten mit den Gläubigern nicht bedienter Anleihen verwickelt, und nun droht ihm im Extremfall der Ausschluss aus dem IWF. Der Fonds mit Sitz in Washington zweifelt die Daten an, die die Inflationsrate für 2012 mit 10,8 Prozent angeben. Argentinien ist das einzige Land der G-20- Gruppe, das dem IWF eine jährliche Prüfung der Volkswirtschaft verweigert.

Im Oktober bestätigte ein US-Gericht das Urteil einer untergeordneten Instanz, das Argentinien weitere Zahlungen an Bondgläubiger untersagt, sofern nicht gleichzeitig 1,3 Mrd. Dollar an die Halter von Schuldtiteln fließen, deren Papiere das Land bislang nicht bedient. In dieser Angelegenheit ist für den 27. Februar ein Berufungstermin anberaumt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Argentinien im Laufe der kommenden zwölf Monate die Zahlungen einstellt, wird am Markt derzeit auf 47 Prozent eingeschätzt, wie sich aus den Preisen für Kreditausfall-Swaps ergibt. Fernandez wird, so vermuten viele Marktteilnehmer, lieber damit aufhören, 2005 an den Markt gebrachte sowie 2010 umgeschuldete Papiere zu bedienen als sich auf eine Einigung mit Anlegern einzulassen, die sie “Geier” nennt.

Angesichts von Zentralbankreserven in Höhe von 42,7 Mrd. Dollar wäre eine Einstellung der Zahlungen nicht etwa die Folge einer Zahlungsunfähigkeit, erklärt Bret Rosen, Lateinamerika- Stratege bei Standard Chartered in New York. “Ein technischer Zahlungsausfall wäre eine politische Entscheidung”, sagte Rosen in einem Interview in Buenos Aires.

Das Wachstum wird in diesem Jahr dank besserer Ernten bei Mais und Soja, höherer Rohstoffpreise und einer Nachfrageerholung in Brasilien wieder zulegen. Doch sein volles Wachstumspotenzial wird das Land ohne Zugang zu ausländischem Geld nicht ausschöpfen können, sagt Molano von BCP. Argentinien ist der drittgrößte Sojabohnen-Lieferant der Welt. Auch mit seinen unerschlossenen Reserven an Schiefergas und -öl liegt das Land weltweit auf Rang 3.

“Es wäre sehr nützlich, eine bessere Beziehung zum Markt zu haben”, sagte Molano. “Aber statt nachzugeben, neigt sie dazu, den Einsatz zu erhöhen.”

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