Arbeitslosigkeit: Deutsche kaufen - Franzosen leiden - Spanier verzweifeln

Arbeitslosigkeit: Deutsche kaufen - Franzosen leiden - Spanier verzweifeln

Deutschland in Kauflaune. Das deutsche Verbrauchervertrauen wird im November auf ein Fünf-Jahres-Hoch steigen: Grund ist die - trotz mauer Konjunktur - niedrige Arbeitslosigkeit. Anders die Situation in Frankreich: Dort fällt die Konsumlust angesichts der hohen Arbeitslosigkeit auf den teifsten Stand seit neun Monaten. In Spanien wiederum explodiert die Arbeitslosigkeit auf 25 %. Und sie wird wohl weiter steigen, meinen Experten.

Das deutsche Verbrauchervertrauen wird im November auf ein Fünf-Jahres-Hoch steigen, wie das Marktforschungsinstitut GfK SE am Freitag in Nürnberg mitteilte. Der auf einer Umfrage unter 2000 Verbrauchern basierende Konsumklimaindex wird von revidiert 6,1 im Oktober auf 6,3 steigen. Das wäre der höchste Stand seit Oktober 2007.

25 Volkswirte hatten in einer Bloomberg-Umfrage mit keiner Änderung gegenüber der ursprünglichen GfK- Schätzung von 5,9 für Oktober gerechnet.

Während das Geschäftsklima in Deutschland auf dem niedrigsten Wert seit mehr als zweieinhalb Jahren ist und das Wirtschaftswachstum sich verlangsamt, ist die deutsche Arbeitslosenquote mit 6,8 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren, was die Kaufkraft der Haushalte stärkt.

“Wenn auch der Abbau der Arbeitslosigkeit zuletzt zum Stillstand gekommen ist, gehen die Experten im kommenden Jahr trotz Konjunktureintrübung von einer stabilen Beschäftigung aus”, schrieb die GfK in der Mitteilung. “Zusammen mit einer positiven Entwicklung der Löhne, die auch real ein Plus verzeichnen, ist der Arbeitsmarkt gegenwärtig die entscheidende Stütze der Einkommenserwartung”, so die Gesellschaft weiter.

Die Einkommenserwartung stieg im Oktober auf 29,9 von 23,9 in September. Die Konjunkturerwartung stieg 1,4 Zähler auf minus 15,8, wie die GfK schreibt. Die Anschaffungsneigung legte von 33,1 auf 33,9 zu.

Während die deutsche Wirtschaft weiterhin in robuster Form sei, verdichteten sich die Anzeichen, “dass auf eine spürbare Expansion der Wirtschaftsleistung im dritten Vierteljahr 2012 eine Stagnation oder sogar ein leichter Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal des Jahres folgen könnte”, hatte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht am 22. Oktober geschrieben.

Frankreich: Höchste Arbeitslosigkeit seit 1999

Anders die Situation in Frankreich: Dort ist das Konsumklima angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit so schlecht wie seit neun Monaten nicht mehr. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel im Oktober um einen Punkt auf 84 Zähler, teilte das Statistikamt Insee am Freitag mit. Es bleibt damit weit entfernt von seinem historischen Mittelwert von 100 Punkten.

Hauptgrund für den Pessimismus ist die schwache Konjunktur. In den vergangenen drei Quartalen ist die zweitgrößte Wirtschaft der Euro-Zone nicht gewachsen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt seit 17 Monaten ununterbrochen und liegt inzwischen über der Marke von drei Millionen. Das ist der höchste Wert seit 1999.

Spanien: Jeder vierte ohne Job

Noch schlimmer die Lage in Spanien: Die Rezession treibt die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit der Rückkehr zur Demokratie Mitte der 1970er Jahre. Im Sommerquartal war jeder vierte Spanier ohne Job. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 25 von 24,6 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. In der EU ist die Quote nur in Griechenland mit 25,1 Prozent minimal höher. Spanien leidet seit dem Platzen der Immobilienblase unter einem heftigen Konjunkturabschwung und rutschte seit der Schuldenkrise immer tiefer in der Rezession. Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy will mit eisernem Sparkurs umsteuern, um verlorenes Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen.

Geplant sind deshalb Budgetentlastungen von rund 60 Milliarden Euro bis 2014. Auf die Bevölkerung kommen harte Zeiten zu - sie muss Steuererhöhungen und Gehaltskürzungen verkraften. Der Sparkurs trifft deshalb auf starken Widerstand, die Gewerkschaften haben für den 14. November zum Generalstreik aufgerufen.

Sparkurs könnte Arbeitslosigkeit weiter hochtreiben

Bei der Arbeitslosigkeit ist nach Ansicht von Experten das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Regierung sei zu optimistisch, was das Wirtschaftswachstum für 2013 betreffe, sagte Analyst Silvio Peruzzo von der Nomura-Bank. Die Regierung erwartet für nächstes Jahr ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent, von Reuters befragte Experten hingegen rechnen mit einem dreimal so starken Rückgang. "Ein schwächeres Wachstum als erwartet, verbunden mit dem Sparkurs, könnte die Arbeitslosenquote nächstes Jahr leicht auf 26 Prozent hochtreiben", sagte Peruzzo. Für 2012 stellt sich die Regierung nach offizieller Schätzung auf ein BIP-Minus von 1,5 Prozent ein. Demnach soll die Arbeitslosenquote bis 2014 nicht unter die Marke von 24 Prozent fallen.

Spanien hat für seine Banken bei den Euro-Partnern bereits Hilfen in Milliarden-Höhe beantragt. Zudem prüft die Regierung, ob sie weitere Finanzhilfen braucht und unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen sollte.

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