Arbeiter in Frankreich zwischen Revolte und Anpassung

Arbeiter in Frankreich zwischen Revolte und Anpassung

Szenen wie diese sind für Frankreichs Kritiker Ausdruck eines unflexiblen und wettbewerbsfeindlichen Arbeitsmarktes. Demnach nehmen viele Franzosen lieber die Arbeitslosigkeit in Kauf als den Unternehmen Zugeständnisse zu machen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Dass diese Radikalisierung längst nicht flächendeckend ist, zeigt ein weiteres Beispiel, auch aus der Industriestadt Amiens. Eine andere, nur einen Steinwurf entfernte Reifenfabrik konnte neue Hoffnung schöpfen, weil die Belegschaft in den sauren Apfel biss und härtere Arbeitsbedingungen akzeptierte.

Doch die rebellischen Goodyear-Arbeiter lehnten dies strikt ab und verprellten damit den vermeintlichen Retter aus Amerika, den Reifenhersteller Titan International. Dessen Chef Maurice Taylor gab die angestrebte Teilübernahme des Werkes entnervt auf und ließ sich zu einer Verbal-Attacke gegen französische Arbeitnehmer und Gewerkschafter hinreißen, die ihn auf einen Schlag bekanntmachte. "Eure sogenannten Arbeiter könnt ihr behalten", schrieb Taylor in einem Brandbrief an den französischen Industrieminister Arnaud Montebourg. "Französische Arbeiter sind hoch bezahlt, arbeiten aber nur drei Stunden am Tag." Durch Titan hätte etwa die Hälfte der rund 1200 Arbeitsplätze zumindest vorläufig gerettet werden können. Doch die Gewerkschaft CGT war mit Taylors Bedingungen nicht einverstanden. Sie lehnte insbesondere die Einführung eines neuen Schichtsystems ab, weil dieses schlecht für die Gesundheit sei und zum Scheitern von Ehen führen könne.

"Im Grunde haben sie richtig gehandelt", sagt der 42-jährige Goodyear-Arbeiter Thierry, der selbst keiner Gewerkschaft angehört. "Allerdings verstehe ich nicht, warum sie den freiwilligen Sozialplan abgelehnt haben. Dadurch hätte ich 80.000 Euro bekommen und könnte mich fortbilden."

Arbeitskampf bis zum Äußersten

Eingeführt hat das neue Schichtsystem dagegen das auf der anderen Straßenseite gelegene Dunlop-Schwesterwerk. Beide Fabriken gehören zum Mutterkonzern Goodyear-Dunlop und standen 2009 vor demselben Problem. Wegen der Autokrise in Europa habe das Unternehmen keine andere Wahl gehabt, als mit der umstrittenen Maßnahme die Produktivität zu erhöhen, betont eine Konzernsprecherin.

Anders als die Kollegen von CGT bei Goodyear ließen sich die Gewerkschafter der gemäßigteren CFDT bei Dunlop darauf ein. Das Ergebnis: Dem Goodyear-Werk droht seit Ende Januar das Aus, während in die Dunlop-Fabrik in den vergangenen vier Jahren mehr als 50 Millionen Euro an Investitionen geflossen sind. "Das Ende vom Lied ist, dass unsere Jobs erhalten bleiben, während auf der anderen Straßenseite 1173 Jungs auf Arbeitslosenhilfe angewiesen sind", sagt ein hoher Dunlop-Gewerkschafter. "Wir müssen davon wegkommen, den Arbeitskampf immer bis zum Äußersten zu treiben", fordert der Gewerkschafter. Die neuen Bedingungen seien anstrengend, aber "auszuhalten".

Ob die Opfer jedoch die Arbeitsplätze auch langfristig sichern werden, steht in den Sternen. Viele Dunlop-Arbeiter bleiben pessimistisch. Auf die Frage ob er froh sei, noch einen Job zu haben, antwortet einer: "Ja, ich bin begeistert. - Aber kommen Sie nächstes Jahr wieder, dann stehen wir alle vor dem Arbeitsamt, genau wie früher."

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