Analyse: Frankreich verliert den Anschluss

Analyse: Frankreich verliert den Anschluss

Die Regierung in Frankreich lehnt Kreisen zufolge trotz der Probleme eine "Schocktherapie" für die ins Hintertreffen geratene Wirtschaft ab. Ein Überblick über die wichtigsten Probleme.

Mit einer Senkung der Lohnnebenkosten um 30 Mrd. Euro soll Frankreichs Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger werden. Das empfiehlt der frühere Chef des europäischen Luftfahrt-und Rüstungskonzerns EADS, Louis Gallois, in einem Bericht zur französischen Wettbewerbsfähigkeit, den er am Montag der sozialistischen Regierung in Paris übergab. Nach einem Treffen mit Regierungschef Jean-Marc Ayrault sagte Gallois, die Sozialabgaben sollten um 20 Mrd. Euro auf Arbeitgeberseite und um zehn Mrd. Euro auf Arbeitnehmerseite gesenkt werden.

Insgesamt schlägt Gallois in seinem seit Wochen mit Spannung erwarteten Bericht 22 Maßnahmen zur Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit vor. Nötig sei ein "Sozialpakt", damit eine "industrielle Rückeroberung" möglich sei, sagte Gallois. Er sprach sich erneut für einen "Wettbewerbsschock" aus, dies müsse aber ein "Schock des Vertrauens" sein. Frankreichs Staatschef François Hollande hatte unlängst gesagt, er wolle keinen "Wettbewerbsschock", sondern einen längerfristig angelegten "Wettbewerbspakt".

Hier ein Überblick über die wichtigsten Probleme:

WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, fand das World Economic Forum bei seinem weltweiteren Standortvergleich heraus. Zum Vergleich: Deutschland belegt Rang sechs. Auch die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.

INDUSTRIE AUF DEM RÜCKZUG

Während die deutsche Industrie in Deutschland eine Renaissance erlebt, befindet sie sich beim Nachbarn auf dem Rückzug. Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei, in Deutschland dagegen mehr als doppelt so viel (26,2 Prozent). Ein Grund dafür sind die Arbeitskosten: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro, in Frankreich dagegen 34,20 Euro, fand das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft heraus.

MINI-WACHSTUM

Entsprechend düster sind die Konjunkturaussichten: Lediglich ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent traut der Internationale Währungsfonds der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu. 2013 sollen es mit 0,4 Prozent nur unwesentlich mehr sein. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um 0,9 Prozent wachsen. Entsprechend düster sieht es auch am Arbeitsmarkt aus: Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,8 Prozent - in Deutschland ist die nach internationalen Standards berechnete Quote nicht einmal halb so hoch.

SCHULDEN

Dem Staat sind wegen der hohen Verschuldung die Hände gebunden - er muss sparen: Während Deutschland kaum noch neue Schulden macht, dürfte das Defizit in Frankreich sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr über der in den EU-Verträgen verankerten Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes bleiben. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2013 auf 92,5 Prozent der Wirtschaftsleistung wachsen. Erlaubt sind eigentlich 60 Prozent. Zwischen 1992 und 2007 lag er im Schnitt noch bei 57,7 Prozent.

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