Amerika fällt vom Glauben ab

Amerika fällt vom Glauben ab

Im laufenden Wahlkampf werden lange Diskussionen darüber geführt, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ein Mormone ist, während Amtsinhaber Barack Obama in den vergangen vier Jahren keinen Hehl aus seiner Religiosität gemacht hat - im November nannte er es Gottes Wille, dass Arbeitslose eine Stelle bekommen. Die politische Rhetorik verschleiert allerdings die tatsächliche gesellschaftliche Entwicklung in den USA, wo die Zahl der Konfessionslosen gerade einen neuen Rekordstand erreicht hat. Amerika fällt vom Glauben ab - mit Folgen für diese und zukünftige Wahlen.

In den USA gibt es keine Amtskirchen nach deutschem Muster und damit auch keine entsprechenden Zahlen über Ein- und Austritte. Einer Umfrage des Pew Research Center von Anfang Oktober zufolge gibt inzwischen ein Fünftel der US-Bürger an, keiner Religion anzugehören. Das ist ein Anstieg von fast fünf Prozentpunkten in fünf Jahren. Bei Erwachsenen unter 30 Jahren ist es sogar ein Drittel. Fast sechs Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als Atheisten oder Agnostiker. Während der Anteil der Katholiken mit 22 Prozent stabil geblieben ist - gestärkt durch Einwanderer aus Lateinamerika - sind erstmals weniger als die Hälfte der US-Bürger Protestanten.

Die Entwicklung zieht sich quer durch die Bevölkerung, fand Pew heraus - weder Bildung, Geschlecht, Wohnort noch Einkommen spielen eine große Rolle. Allerdings ist sie auf im Wesentlichen auf weiße Amerikaner beschränkt - bei Hispanics und Schwarzen sei der Trend statistisch nicht signifikant.

Für den Christen Obama ist diese Entwicklung möglicherweise schmerzhaft, für seine Partei sind das gute Nachrichten. Immerhin 63 Prozent der Konfessionslosen bekennen sich zu den Demokraten, während sich nur rund ein Viertel den Republikanern verbunden fühlt. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird ihr politisches Gewicht noch deutlicher: Konfessionslose machen inzwischen fast ein Viertel der demokratischen Wähler aus. Damit sind sie so wichtig wie weiße Protestanten.

Trügerische Studien

Pew weist allerdings auch darauf hin, dass Amerikaner in Umfragen weiterhin deutlich häufiger als die Bürger anderer westlicher Staaten angeben, Religion spiele in ihrem Leben eine sehr wichtige Rolle. Mit 58 Prozent sei dieser Anteil auch über die Jahre stabil geblieben. In Deutschland beträgt er 21 Prozent und in Großbritannien 17 Prozent.

Tatsächlich könnte der Anteil der Religionsmuffel in den USA jedoch höher liegen. Die Pew-Umfrage beruht zu einem großen Teil auf Telefonbefragungen, von denen Forscher wissen, dass sie in Glaubensfragen ungenau sein können. Besonders Nordamerikaner geben sich dabei religiöser, als sie es offenbar sind.

So verglich Philip Brenner von der University of Michigan im vergangenen Jahr die Angaben zu Kirchenbesuchen aus Befragungen mit Protokollen über den tatsächlichen Tagesablauf. Zwar klaffte auch in europäische Staaten eine Lücke - während sie in Deutschland kaum von Bedeutung war, betrug sie in Irland bis zu acht Prozentpunkte. Für die USA und Kanada war die Diskrepanz jedoch mit bis zu 18 Prozentpunkten erheblich größer. Schaue man sich nur die Zeitprotokolle an, läge der Zahl der Kirchenbesuche in den USA durchaus im europäischen Rahmen, erklärte Brenner.

Hier könnte auch die Einstellung zu Atheisten eine Rolle spielen, die von vielen Amerikanern mit großem Argwohn betrachtet werden. Laut einer Studie der University of Minnesota aus dem Jahr 2006 lagen sie vom Ansehen her hinter "Muslimen, neu Eingewanderten, Schwulen, Lesben und anderen Minderheiten". Die Forscher vermuteten, dass dahinter "eine Furcht vor einem Zerfall der Moral und einer daraus folgenden gesellschaftlichen Unordnung" stehen könnte. Laut der Pew-Studie geben auch 68 Prozent der konfessionslosen Amerikaner an, sie glaubten an Gott.

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