Am 17. Juni hat Griechenland die Wahl: Drachme oder Euro

Am 17. Juni hat Griechenland die Wahl: Drachme oder Euro

Wie haben die Märkte seit den Parlamentswahlen vom 6. Mai reagiert?

Der griechische Benchmark-Index AEX hat seit der Wahl rund 27 Prozent verloren, während der Stoxx Europe 600 Index zugleich 7 Prozent nachgab. Die Erwartungen sind gestiegen, dass Griechenland die Eurozone verlassen wird. Die Wetten für ein Zerbrechen des Euro bis Jahresende 2013 sind auf 57,6 Prozent gestiegen.

Was wird unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses passieren?

Die Griechische Verfassung sieht vor, dass der Präsident versuchen muss, eine Regierung der nationalen Einheit zusammenzustellen, wenn es weder eine absolute Mehrheit einer Partei noch eine Parteienkoalition gibt. Gelingt dieser Zusammenschluss nicht, muss erneut gewählt werden. Dies passierte nach dem 6. Mai und könnte auch nach dem 17. Juni wieder passieren.

Wie könnten die Wahlen ausgehen?

Nach Ansicht von Credit Suisse gibt es vor allem drei mögliche Szenarien:

- Pro-Euro-Koalition (40 Prozent Wahrscheinlichkeit). Dies könnte zu erfolgreichen Neuhandlungen von Teilen der Vereinbarung mit der EU und dem internationalen Währungsfonds (IWF) führen und eine Fortsetzung der Finanzhilfen für das Land mit sich bringen.

- Anti-Rettungspakt-Koalition (40 Prozent Wahrscheinlichkeit). Dies könnte den Austritt aus der Eurozone bedeuten, sollte die Koalition bei Neuverhandlungen zu sehr auf Konfrontationskurs gehen. So könnte es zur Kündigung der Bedingungen für das Rettungsprogramm kommen.

- Ein Patt (20 Prozent Wahrscheinlichkeit). Unter dem Druck der internationalen Partner entsteht eine Regierung der nationalen Einheit, die eine Neuverhandlung des Rettungspakets anstrebt. Selbst wenn diese erfolgreich verlaufen sollten, könnte die Umsetzung von Reformen schwer werden.

Was will das griechische Volk?

Eine Umfrage zeigte Ende Mai, dass die Wahl ähnlich der ersten Parlamentswahl ausgehen könnte: Nea Dimokratia hätte 23,9 Prozent, Syriza hätte 22,5 Prozent und die Pasok hätte 12,6 Prozent, so die Umfrage auf der Webseite der Athener Real News. Die Fehlerwahrscheinlichkeit betrug 2,6 Prozent. Die Umfrage zeigte auch, dass 49,6 Prozent der Befragten einen Verbleib in der Eurozone zu den bisherigen Bedingungen ablehnen. 42,2 Prozent sagen, sie seien um jeden Preis für den Erhalt des Euro als Währung Griechenlands.

Was passiert nach der Kabinettsbildung?

Nach Ansicht von Goldman Sachs sind drei Szenarien denkbar:

- Durchmogeln (am wahrscheinlichsten): Griechenland versucht in der Eurozone zu bleiben, akzeptiert jedoch nicht bedingungslos die Umsetzung des Reformprogramms. Die wahrscheinlichste Konsequenz wäre, dass die Troika die Zahlungen einstellt, während Banken weiterhin Zugriff auf die Mittel der Europäischen Zentralbank (EZB) haben, bis politisch entschieden wurde, ihnen Notenbankmittel zu entziehen. Die griechische Mitgliedschaft in der Eurozone hängt von der Fähigkeit ab, neue Anreize auszuhandeln, während die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt aus der Eurozone steigt.

- Der Austritt in Raten (nächst-wahrscheinlich):
Das Land wird von der Eurozone ausgeschlossen, nachdem den übrigen Mitgliedern Zeit für den Aufbau von Schutzsystemen für den Schock gegeben wurde. Dazu gehören Einlagengarantien und Liquiditätsspritzen der EZB. Während es keinen rechtlich festgelegten Mechanismus für einen Ausschluss aus der Währungsunion gibt, könnte dies praktisch durch einen Ausschluss der griechischen Banken von den EZB-Möglichkeiten und Zahlungssystemen geschehen. Für den Rest der Eurozone werden die Schutzwälle vielleicht nicht stabil genug sein, um jede Folge eines Austritts Griechenlands abzufangen. Es könnte störende Einflüsse auf die Märkte geben, da hier erstmals der Beweis geführt würde, dass die Mitgliedschaft in der Eurozone reversibel ist, sagen die Goldman Analysten.

- Schneller Ausstieg (wenig wahrscheinlich):
Griechenland schafft den Euro ab und führt eine neue Währung ein. Ein “plötzlicher und abrupter” Ausstieg würde anderen Nationen keine Zeit lassen, sich vorzubereiten. Unzureichende Schutzwälle gegen die Folgen könnten jedoch zur Auflösung der ganzen Eurozone führen.

Wie viel Zeit hätte Griechenland bei einem schnellen Ausstieg?

Nach dem Ende des Devisenhandels in New York an einem Freitag, gäbe es rund 46 Stunden um die Währungsreform zu regeln, bevor der Handel am Montag in Wellington in Neuseeland wieder beginnt. In dieser Zeit müssten die Behörden einen möglichen Zahlungsausfall des Landes regeln, eine neue Währung vorbereiten und einen Plan zur Rekapitalisierung der Banken entwickeln. Auch müssten sie den Kapitalabfluss ins Ausland eindämmen. Schließlich müssen Gelder für die Zeit gefunden werden, nachdem die Finanzierung durch EU und IWF abgebrochen wurde, sagen Volkswirte.

Was könnte eine neue griechische Währung wert sein?

Nomura International kalkuliert anfänglich mit einem Absturz der Neuen Drachme um 50 bis 60 Prozent. Die private Geschäftsbank National Bank of Greece, sieht Den Wert der neuen Währung um rund 65 Prozent niedriger. Mindestens 55 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens in Euro würde so vernichtet. Die Rezession würde sich vertiefen auf rund 22 Prozent bei stabilen Preisen. Die Arbeitslosigkeit würde auf 34 Prozent steigen und die Inflation wegen der steigenden Preise Für Importgüter auf über 30 Prozent in die Höhe schießen.

Könnte es so schlimm wie beim Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings Inc. 2008 werden?

Vieles wird davon abhängen, ob die europäischen Politiker die Probleme auf Griechenland beschränken können. Dazu gehören ein vergrößerter Rettungsschirm und ausreichend Liquidität für die Banken. Wenn sie nicht genug tun, “ist der Teufel los”, sagt Barry Eichengreen, Professor an der Universität von Kalifornien in Berkeley und Autor einer 2007 entstandenen Schrift über das Zerbrechen der Eurozone. Strategen von Bank of America Merrill Lynch erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wegen der zu erwartenden Rezession um mindestens vier Prozent sinken wird. Ähnlich war es nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers.

Was können Politiker tun, um ein Zerfallen der Eurozone zu verhindern?

Nach Ansicht von Morgan Stanley gibt es eine 35-Prozent- Chance, dass die Eurozone bis Ende kommenden Jahres zerbricht. Die Analysten sehen fünf mögliche Vorgehensweisen, die Folgen zu begrenzen.

Kurzfristig:

Agressivere Schritte der Europäischen Zentralbank (EZB):
Dazu gehören langfristige Refinanzierungsgeschäfte mit längeren Laufzeiten, lockere Sicherheitsregeln für nationale Zentralbanken, die im Notfall Liquidität bereitstellen, sowie umfangreiche Käufe von Unternehmens- und Staatsanleihen.
Weiterhin eine Rekapitalisierung der Banken durch die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) oder den permanenten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Langfristig:

- Die Schaffung einer gemeinsamen Spareinlagensicherung.
- Die Fiskalunion.
--Die EZB wird offiziell Kreditgeber letzter Instanz für ein föderales Europa.

Gibt es Alternativen zu einem vollständigen Austritt Griechenlands?

Der ehemalige Chefvolkswirt Thomas Mayer von der Deutsche Bank dachte Mitte Mai über eine Parallelwährung namens Geuro nach. Sollte die Troika Zahlungen an Griechenland einstellen, weil dieses die Bedingungen des Rettungspakets ablehnt, könnte das Land eine solche Währung parallel zum Euro einführen. Mit der Ausgabe von Schuldscheinen könnte der klamme Staat dann zumindest seinen Verpflichtungen nachkommen. Griechenland könnte abwerten, ohne formell die Eurozone verlassen zu müssen, so der Gedanke. Auch die Rückkehr zum Euro sei möglich.

Was wollen die europäischen Spitzenpolitiker?

Die Politiker der Eurozone sagen, sie wollen Griechenland in der Währungsunion halten. Gleichzeitig sagen sie auch, kein Land könne zum Verbleib gezwungen werden, wenn die Wähler die sehr harten Sparmaßnahmen ablehnten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte der Rheinische Post Mitte Mai, die Eurozone könnte zum jetzigen Zeitpunkt besser mit einem Austritt Griechenlands fertig werden, als wenn dies vor einem Jahr geschehen wäre.

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