Alarm an der Nordseeküste: Orkan "Xaver" fordert erste Todesopfer

Alarm an der Nordseeküste: Orkan "Xaver" fordert erste Todesopfer

Der Orkan "Xaver" hat am Donnerstag das Leben von Millionen Menschen im Norden Europas beeinträchtigt. Mit Böen, Sturmfluten und Schnee im Gefolge brach er auch über Deutschland herein. Bisher gab es drei Tote, mehrere Personen werden vermisst. In Hamburg warnten die Behörden vor einer "sehr schweren Sturmflut".

Der Orkan Xaver versetzt Nordeuropa in Angst und Schrecken. Am Donnerstag hat das Sturmtief auch die Nord- und Ostseeküste Deutschlands erreicht. Am Freitag werden dort Windgeschwindigkeiten bis zu 130 km/h erwartet. Gleichzeitig bringt der Sturm heftige Niederschläge und Schneefälle aus der Arktis mit sich.

Der Scheitel der Sturmfluten hat Hamburg am frühen Freitagmorgen erreicht. "Die Wasserstände fallen bereits wieder", sagte Thomas Butter von der Hamburger Innenbehörde. Die sehr schwere Sturmflut erreichte einen Wasserstand der Elbe von fast vier Metern über dem Mittleren Hochwasser (6,09 Meter über Normal Null).

Der Hamburger Hafen wurde in der Nacht zum Freitag geräumt und gesperrt. "Ab 2.30 Uhr durfte keiner mehr hereinfahren." Der bekannte Fischmarkt am Hafen und einige Straßen entlang der Elbe standen bereits unter Wasser. Einige Menschen, die im Hafen wohnen, verließen ihre Häuser: "Das betrifft aber nur eine Handvoll Leute." Die Hochwasserschutztore wurden geschlossen.

In Schottland, wo das Unwetter bereits am Mittag wütete, wurde ein Lastwagenfahrer getötet, als sein Wagen umkippte. Ein weiterer Mann starb in einem Park in der Grafschaft Nottinghamshire in der Mitte Englands, nachdem ein Baum auf ihn gefallen war. Die Stromversorgung von etwa 100.000 Häusern wurde unterbrochen. Sturm und Regen zogen weiter Richtung Südengland. Tausenden Menschen in Küstenregionen in Norfolk, Suffolk and Essex rieten die Behörden, ihre Häuser wegen möglicher Sturmfluten zu verlassen.

In Dänemark starb eine 72 Jahre alte Frau. Sie war Beifahrerin in einem Van, den der heftige Wind von einer Strasse blies. Bei stürmischer See gingen vor Südschweden zwei Männer eines Frachtschiffs über Bord gegangen und sind seither vermisst.

Große Teile des Verkehrs in der südschwedischen Region Schonen und in Dänemark standen am Donnerstag still. Züge fuhren dort gar nicht mehr, die großen Brücken - darunter die Öresund-Brücke, die das Land mit Schweden verbindet - waren für den Verkehr gesperrt. Im dänischen Fredericia saßen am Donnerstag nach Angaben des Rundfunksenders DR wegen einer geschlossenen Brücke rund 400 Zugreisende fest.

Flugraum gesperrt

Von den Flughäfen in der dänischen Hauptstadt und in Billund hoben am Abend vorerst gar keine Maschinen mehr ab. Erst am Freitagmorgen sollte der Flugbetrieb in Kopenhagen wieder aufgenommen werden. Mehrere Theater in der Hauptstadt sagten Vorstellungen ab. Etliche Weihnachtsbäume - darunter ein riesiger Baum auf dem Rathausplatz - kippten um. Ständig heulten Sirenen. In vielen Häusern im südlichen Skandinavien blieb es am Abend dunkel. Dem Rundfunksender SVT zufolge waren in Südschweden 20.000 Menschen ohne Strom. "Xaver" heißt in Schweden übrigens "Sven", die Dänen haben den Sturm "Bodil" getauft.

"Xaver" gilt als einer der schwersten Stürme seit Jahrzehnten. In Deutschland musste nördlich einer Linie von Münster, Hannover und Berlin sowie in den Mittelgebirgen mit orkanartigem Sturm gerechnet werden. Eineinhalb Tage sollte "Xaver" toben - länger als "Christian", der vor etwa sechs Wochen Bäume umstürzte, Dächer abdeckte oder Strände wegspülte.

Sturmflut-Warnung in Deutschland

Das Orkantief erreichte am Donnerstagmittag die deutsche Nordseeküste und wütete zunächst mit Böen von um die 140 Kilometern pro Stunde. An der schleswig-holsteinischen Westküste wurde am Nachmittag eine erste Sturmflut erwartet. In der Nacht zum Freitag sollte es dort eine sehr schwere Sturmflut geben.

In Hamburg rechnete das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit einer Serie von Sturmfluten. "Land unter" meldeten die nordfriesischen Halligen schon am frühen Nachmittag.

Am Hamburger Flughafen wurden Dutzende Verbindungen gestrichen, vor allem inländische, bevor der Betrieb am späten Nachmittag geschlossen wurde. Auch Verbindungen mit der Schweiz waren betroffen. Der Flughafen Zürich meldete am Abend 23 annullierte Flüge nach Hamburg, Hannover, Kopenhagen, Amsterdam und Helsinki.

Auch Fernverkehrszüge fielen aus - ab Zürich betraf dies die Nachtzüge auf Freitag nach Hamburg und Amsterdam, ab Basel die Nachtzüge nach Kopenhagen und Warschau/Moskau.

Die belgische Küstengemeinde Bredene brachte wegen der Warnung vor dem schweren Sturm knapp 2.100 Einwohner vorsorglich in Sicherheit. Die Region Flandern verstärkte angesichts des erwarteten heftigen Windes an der Küste die Sicherheitsmaßnahmen.

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