Afrikas Löwenstaaten wollen Asiens Tiger kopieren

Afrikas Löwenstaaten wollen Asiens Tiger kopieren

Afrikas Wirtschaft wächst teilweise stark, doch die Entwickung wird dadurch erschwert, dass es von Asien und Europa vor allem als billiger Rohstofflieferant gesehen wird. Die "Löwenstaaten" aber wollen sich an den asiatischen Tigerstaaten orientieren.

Afrikas Wirtschaft boomt und lockt Investoren. Verantwortlich sind die Rohstoffe. Nur eine Minderheit der eine Milliarde Afrikaner profitieren davon. Afrikas Schwächen verhindern nachhaltige Entwicklung. Aber Geschäfte kann man machen - nicht nur die Chinesen.

Alle wollen "Löwenstaaten" werden. Afrikas Länder träumen von einer Entwicklung wie die erfolgreichen "Tigerstaaten" Asiens. Die Wirtschaftsdaten stimmen optimistisch: Seit Jahren gehören afrikanische Staaten zu den wachstumsstärksten der Welt. Auch für 2013 sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) mehr als fünf Prozent Wachstum für den Kontinent voraus. Unter den Spitzenreitern: Mosambik, Ghana, Nigeria und die Elfenbeinküste.

Zeichen des Wirtschaftsbooms

Glitzernde Einkaufszentren, verglaste Büropaläste, mit neuen Autos verstopfe Straßen und Handys für jedermann sind zumindest in den Städten sichtbare Zeichen des Booms und eines wachsenden Mittelstand. Aus dem Ausland kommen mehr Investitionen als früher, die Lebenserwartung steigt, die Analphabetenzahl sinkt. "Ein Wunder geschieht in Afrika", jubelte der frühere Direktor der Afrikanischen Entwicklungsbank, Léonce Ndkumana.

In Wirklichkeit sind die meisten Staaten Afrikas noch lange nicht auf der Erfolgsspur. Abgesehen von politischen Wirren und Terrorismus mancherorts lasten noch immer Korruption, wuchernde Bürokratie und Misswirtschaft schwer auf dem Kontinent. 15 der 30 korruptesten Staaten der Welt befinden sich laut Transparency International in Afrika. Die meisten Menschen leben noch immer in bitterer Armut. Es gibt enorme Mängel in Infrastruktur und Bildung, einen wachsenden Mangel an Energie. Die hohen Geburtenzahlen gefährdet ohnehin jede Entwicklung.

Vor allem aber hat sich nicht sehr viel an den ökonomischen Strukturen geändert: "Afrika liefert wie immer vor allem billige Rohstoffe an den Rest der Welt. Einen innerafrikanischen Handel gibt es kaum", betont die Wirtschaftswissenschaftlerin Tapiwa Mhute vom Politikinstitut CAI (Pretoria).

Denn Afrikaner produzieren wenig konkurrenzfähige Waren. Selbst die traditionellen afrikanischen Stoffe stammen oft aus Asien. Zwar gibt es Hunderte Millionen Handys. Nicht eines davon wird in Afrika produziert. Der größte Standortvorteil überhaupt, billige Arbeitskräfte, wird kaum genutzt. Fehlende Straßen- und Lagersysteme sowie mangelnde Kooperation der Regierungen erschweren den Handel untereinander.

Warnungen von Unternehmern

Der aber ist nach Ansicht der Ökonomen enorm wichtig: In Europa und Asien geht mindestens die Hälfte des Exports in die Region. In Afrika stagniert er bei 15 Prozent. Trotz aller Sonntagsreden sind in Afrika Freihandelszonen - oder gar eine für den Kontinent - weit entfernt. "Die Fragmentierung des afrikanischen Marktes" sei "abschreckend für Investoren und bremst den Wachstum", warnte jüngst Mo Ibrahim, einer der erfolgreichsten Unternehmer des Kontinents. "Gerade mal fünf Prozent aller globalen Auslandsinvestitionen gehen nach Afrika" beklagt Südafrikas Vizepräsident Kgalema Motlanthe. Investiert - in verstärktem Maße aus China, Brasilien und Indien - wird aber vor allem in die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen.

Ausufernde Bürokratie

Sichtbar wird Afrikas wirtschaftliche Rückständigkeit an den Grenzstationen beispielsweise zwischen Südafrika und Mosambik, wo endlose Schlangen wartender Lastwagen oft tagelang stehen. Viele bringen Lebensmittel nach Mosambik, obwohl das Land überaus fruchtbar ist. Aber es fehlen moderne Agrarbetriebe, Straßen, Lager und Kühlsysteme. Hinzu kommt die Bürokratie: Der südafrikanische Lebensmittelhändler "Shoprite" zahlt alleine an der Grenze zu Sambia wöchentlich 20.000 US-Dollar (rund 15.300 Euro) für die Ausfuhr von Milch, Fleisch und Obst. Auch Sambia ist ein überaus fruchtbares Land, hängt aber im Export fast völlig von Kupfer ab. Für manche "Shoprite"-Lieferungen müssen zudem noch Hunderte von Formularen ausgefüllt werden.

Warnungen von Unternehmern

Nigeria und Angola, Afrikas größte Öl-Exporteure, schwimmen seit Jahren in Öl-Milliarden. Einen nennenswerte wirtschaftliche Blüte ist damit nur sehr begrenzt einhergegangen. "In vielen reichen Rohstoffländern fehlt eine politische Einstellung zur gerechten Verteilung des Reichtums des Landes und die Schaffung nachhaltiger Strukturen zur Bekämpfung der Armut", meint der Afrikaexperte Ricardo Gerigk, Vertreter der Deutschen Wirtschaft in Angola.

Probleme in Südafrika

Auch Südafrika, einziges Schwellenland Afrikas, kämpft mit großen ökonomischen Problemen. Wachsende Eingriffe des Staates, blutige Arbeitskämpfe und soziale Proteste gefährden das Vertrauen von Investoren und destabilisieren das relativ reiche Land. Dabei hat Südafrika eine gute Infrastruktur und exportiert Industrieprodukte. Ablesbar sind die Probleme am Verfall des südafrikanischen Rand: er verlor seit 2010 mehr als 15 Prozent gegenüber dem Euro.

Ökonomen sind sich einig, dass Afrika vor allem die Landwirtschaft fördern müsste. Hier arbeiten trotz Verstädterung noch immer die meisten Menschen. Aber es fehlt an vielem: Auch an moderner Technik sowie ausgebildeten und motivierten Bauern. Ob Rohstoffe, Obst oder Gemüse: fast alles verlässt Afrika auf der niedrigsten Stufe der Wertschöpfung, nämlich unverarbeitet.

Anschluss verpasst

Die erfolgreichen Blumen- und Gemüseexporte aus Kenia sind für das Land sicher ein Fortschritt. Aber für massenhaft Arbeitsplätze und Exporterfolge braucht Afrika die Weiterverarbeitung von Produkten. In den Jahrzehnten seit der Unabhängigkeit der 48 Staaten südlich der Sahara wurde der Anschluss an die globalisierte Wirtschaft verpasst. Als Weltlieferant für Gold, Diamanten, Öl, Uran, Titan oder Kupfer sehen die Perspektiven Afrikas düster aus. "Afrika ist nicht da, wo es längst sein könnte" schreibt Ruandas ehrgeiziger Präsident Paul Kagame. Seine Analyse: Afrika braucht bessere Führer.

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