Ägypten: Vorerst bleiben Proteste aus

Ägypten: Vorerst bleiben Proteste aus

Am Nachmittag gab es in Ägypten keine Anzeichen, dass sich viele Menschen zu Demonstrationen versammeln. Die Sicherheitskräfte hatten sich eine Woche nach den bislang heftigsten Zusammenstößen mit Islamisten auf erneute Proteste vorbereitet. Allerdings hielten sich Militär und Polizei in Kairo zurück und zeigten nur an vereinzelten Stellen Präsenz.

Die durch Verhaftungen ihrer Spitzenleute und durch das kompromisslose Durchgreifen der Sicherheitskräfte geschwächten Muslimbrüder hatten zu einem "Freitag der Märtyrer" aufgerufen. Befürchtet wurde auch, dass die Proteste Auftrieb durch die Entlassung des langjährigen und weithin verachteten Machthabers Husni Mubarak bekommen könnten.

Von einer Moschee nahe der Universität von Kairo zogen etwa 100 Anhänger der Muslimbrüder langsam durch die Straßen. "Wir haben keine Angst - Sieg oder Tod", sagte einer. "Wir würden eher in Würde sterben als in der Unterdrückung leben", fügte ein anderer hinzu. Sie trugen Poster des von der Armee entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi.

In Ägypten gilt nächtliche Ausgangssperre

Am 14. August hatten Sicherheitskräfte in Kairo die Mahnwachen der Mursi-Anhänger an zwei Moscheen mit Tausenden Teilnehmern aufgelöst. Zwei Tage später hatten die Muslimbrüder zu Massenkundgebungen aufgerufen. Vergangenen Freitag und Samstag kam es zu den bislang folgenschwersten Zusammenstoßen. Nach Angaben der vom Militär eingesetzten Übergangsregierung starben mindestens 900 Menschen, darunter hundert Polizisten und Soldaten. Die Muslimbrüder gehen von wesentlich höheren Opferzahlen aus. Die Regierung hat für die Dauer eines Monats den Notstand verhängt und eine nächtliche Ausgangssperre erlassen.

Der ehemalige Präsident Mubarak war am Donnerstag in ein Krankenhaus gebracht worden und soll in den Hausarrest kommen. Er hatte das Land 30 Jahre lang mit eiserner Hand regiert. 2011 war er von der Revolution des "Arabischen Frühlings" aus dem Amt gefegt worden. Sein Nachfolger Mursi war im Gegensatz zu Mubarak in einer freien und demokratischen Wahl ins Amt gekommen. Allerdings hatte der Muslimbruder Mursi durch seinen islamistischen Kurs immer mehr Ägypter gegen sich aufgebracht, bis er schließlich vom Militär gestürzt wurde. Viele Ägypter dürften in der Freilassung Mubaraks - der selber aus den Reihen des Militärs stammte - eine Rehabilitierung der alten Führung und einen Rückschlag für die Demokratiebewegung sehen.

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