Ägypten: Führt "Tag des Zorns" in den Bürgerkrieg?

Ägypten: Führt "Tag des Zorns" in den Bürgerkrieg?

Weder die vom Militär gestützte Übergangsregierung noch die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zeigten sich zum Einlenken bereit.

In Kairo marschieren aktuell Tausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi auf die Innenstadt zu. Die aus den nordöstlichen Stadtteilen kommenden Muslimbrüder skandierten "Nieder mit der Militärherrschaft". Die Armee ist mit starken Einheiten in der Metropole präsent. Die Soldaten sollen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur öffentliche Gebäude schützen.

Auch Druck aus dem Ausland - etwa die Absage eines gemeinsamen Militärmanövers der USA - bewirkte kein Abweichen vom Konfrontationskurs. Die deutsche Bundesregierung rief wie andere Staaten zur Mäßigung auf und riet vor Reisen nach Ägypten ab.

Die Muslimbrüder wollten nach den Freitagsgebeten auf die Straßen strömen. "Nach den Räumungen, Verhaftungen und Morden, die wir zur Zeit erleben, kochen die Emotionen zu hoch, um sie noch lenken zu können", sagte der Sprecher der Muslimbrüder, Gehad al-Haddad. Trotz Trauer und Schmerz über die Toten sei der Wille nun noch größer, dem Militär Einhalt zu gebieten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kamen bei den Straßenschlachten am Mittwoch 578 Menschen ums Leben. Die Muslimbrüder werfen der Regierung vor, eine wesentlich größere Totenzahl zu verschleiern.

In Kairo baute das Militär mit Stacheldraht gesicherte Kontrollposten auf. Die Straßen zu dem Viertel im Nordosten der Metropole, wo sich die Kundgebungen der Islamisten konzentriert hatten, wurden mit gepanzerten Fahrzeugen abgeriegelt. Zudem zogen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Soldaten vor wichtigen staatlichen Einrichtungen auf. Am Vortag waren Verwaltungsgebäude angesteckt worden und ausgebrannt. Die Übergangsregierung warnte, die Waffen würden gegen alle gerichtet, die Polizei oder öffentliche Einrichtungen angreifen würden.

USA wollen Zusammenarbeit fortsetzen

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel erklärte, trotz der Ausschreitungen werde die Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Militär aufrechterhalten. Er forderte jedoch einen von den Machthabern, auf Gewalt zu verzichten, die Versammlungsfreiheit zu respektieren und mit allen beteiligten Kräften einen Ausweg aus der Krise zu suchen.

Die ägyptische Regierung hatte jedoch die Kritik von US-Präsident Barack Obama am Vorgehen der Sicherheitskräfte zurückgewiesen. Obamas Kritik stütze sich nicht auf Fakten und werde gewaltbereite Gruppen ermuntern, hieß es in einer Erklärung der Präsidentschaft. Ägypten sei mit "terroristischen Akten" konfrontiert, für die Anhänger Mursis verantwortlich seien.

Weltweit wurde vor einer Ausweitung der Krise gewarnt. Der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, sagte, die Bundesregierung verurteile die Gewalt auf das Schärfste. Der UN-Sicherheitsrat forderte nach einer Dringlichkeitssitzung ein Ende der Gewalt. Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise und rief dazu auf, auf Reisen in das nordafrikanische Land zu verzichten. TUI sagte alle Reisen nach Ägypten bis Mitte September ab.

Das Militär hatte den demokratisch gewählten Präsidenten Mursi Anfang Juli nach Massenprotesten gestürzt. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit den Muslimbrüdern das Land islamistisch prägen zu wollen. Die Armee hat Wahlen und eine Rückkehr zur Demokratie in Aussicht gestellt.

Reisekonzerne sagen "Nein" zu Ägypten

Die Reisekonzerne TUI, Thomas Cook und Alltours streichen nach den jüngsten Gewaltausbrüchen in Ägypten vorerst alle Reisen in das Land. Sämtliche Urlaubsreisen von Deutschland nach Ägypten seien bis einschließlich 15. September abgesagt, teilten die drei Firmen am Freitag mit. Mit den Annullierungen reagieren die Unternehmen auf die neue Lageeinschätzung des Auswärtigen Amtes, das vor Reisen in das Land abrät. Kunden, deren Reise bevorstehe, könnten auf andere Ziele umbuchen, hieß es.

Bei TUI betreffe die Absage auch die Marken 1-2-FLY, Airtours und Discount Travel. Urlauber, die sich derzeit in den Baderegionen am Roten Meer befinden, könnten ihren Urlaub fortsetzen, da es in den Ferienregionen unverändert ruhig sei, erklärte TUI Deutschland . Abreisewillige sollten sich an die Reiseleitung vor Ort wenden, hieß es. Derzeit urlauben mit TUI etwa 6000 Deutsche in Badeorten am Roten Meer.

Die Lufthansa lässt sich nicht abschrecken. Da der Flughafen von Kairo vom Auswärtigen Amt als sicher eingestuft werde, fliege die Airline die ägyptische Hauptstadt wie gehabt von Frankfurt und München an, sagte eine Konzernsprecherin.

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