Ägypten: 49 Tote bei Protesten zum Jahrestag der Revolution

Ägypten: 49 Tote bei Protesten zum Jahrestag der Revolution

Landesweit starben mindestens 49 Menschen. Allein beim Versuch einer Gruppe von Muslimbrüdern, in einem Kairoer Bezirk einen Sitzprotest zu organisieren, wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen 23 Menschen getötet.

Polizisten hätten mit scharfer Munition in die Menschenansammlung gefeuert - 22 Menschen seien Schussverletzungen erlegen. Auf dem zentralen Kairoer Tahrir-Platz - dem Ausgangspunkt der Revolution gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak - ließ sich Militärchef Abdel Fattah al-Sissi von Zehntausenden Menschen feiern. Der frühere Chef des Militärgeheimdienstes unter Mubarak wird weithin als künftiger Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes gehandelt.

In einer Mitteilung über Facebook drohte die Armee weitere Gewalt an: Man werde die Advokaten von Unterdrückung, Blasphemie und Spaltung unter den Anhängern der Muslimbrüder "vollständig eliminieren", hieß es dort.

Auch gegen die säkulare Opposition, die den Sturz Mubaraks und später seines islamistischen Nachfolgers Mohammed Mursi maßgeblich mitgetragen hat, gingen Armee und Polizei mit äußerster Härte vor. Eine Gruppe von rund 1000 Demonstranten wurde daran gehindert, in Richtung Tahrir-Platz zu marschieren. Auch hier feuerten Sicherheitskräfte mit Schrot und Tränengas in die Menge, wie Augenzeugen berichteten. Nach Angaben des Innenministeriums wurden auch mehrere Polizisten verletzt. Mehr als 1000 Personen mit Gewehren, Brandsätzen oder anderen Waffen seien festgenommen worden.

Islamisten töten Soldaten und schießen Hubschrauber ab

Die Gewalt richtete sich teilweise aber auch gegen die Armee. Eine mit der islamistischen Extremistengruppe Al-Kaida verbundene Gruppe bekannte sich zu einem Anschlag auf ägyptische Soldaten auf der Sinai-Halbinsel. Drei Soldaten starben beim Angriff Bewaffneter auf den Bus, in dem sie unterwegs waren. Dieselbe Al-Kaida nahe Gruppe, die sich auch zu der Bombenserie mit sechs Toten am Freitag in Kairo bekannte, ist nach eigener Darstellung Urheber eines Raketenangriffs auf einen Hubschrauber der Armee, bei dem am Samstag fünf Soldaten starben. Sicherheitskreise bestätigten, dass der Helikopter, der im Einsatz gegen Islamisten gewesen sei, auf der Sinai-Halbinsel abgeschossen wurde.

Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mursi im Juli häufen sich die Anschläge auf der ägyptischen Halbinsel vor allem an der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen.

Al-Sissi innerhalb von Monaten neuer Präsident?

Übergangspräsident Adli Mansur gab am Sonntag bekannt, dass die Präsidentenwahl noch vor der Neubestimmung des Parlaments stattfinden sollten. Dies könnte Al-Sissi den Weg an die Staatsspitze noch schneller bahnen als angenommen. Es gilt als ausgemacht, dass der Armeechef und Verteidigungsminister zum nächsten Präsidenten gewählt wird, sollte er bei der bevorstehenden Wahl antreten. Seine entsprechende Ankündigung wird in Kürze erwartet. Viele Ägypter sehen in dem General den starken Mann, der das Land wieder in eine wirtschaftliche und politische Vormachtstellung in der Region bringen kann.

Al-Sissi hatte im vergangenen Jahr den ersten frei gewählten Präsidenten, Mursi, gestürzt, Proteste der Muslimbrüder mit harter Faust niederschlagen lassen und sich selbst eine extrem starke Stellung gegenüber der eingesetzten neuen Regierung gesichert. Unter seiner Ägide hatten die Ägypter vor kurzem eine neue Verfassung angenommen, die die Vormachtstellung der Sicherheitskräfte weiter zementiert, allerdings auch mehr Rechte für Frauen vorsieht.

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