35 Jahre haft für Wikileaks-Informat Manning

35 Jahre haft für Wikileaks-Informat Manning

Bei der Verkündung des Strafmaßes gegen Wikileaks-Informant Bradley Manning legte eine Richterin am Mittwoch zugleich fest, dass der heute 26-Jährige nach einem Drittel der Haftzeit Begnadigung beantragen darf.

Richterin Denise Lind hatte den geständigen Auswerter von geheimen Informationen im Juli in 20 von 21 Anklagepunkten, darunter Geheimnisverrat und Diebstahl schuldig gesprochen. Sie sprach ihn jedoch vom Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes frei. Allein dafür hätte Manning eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung gedroht.

Mit ihrem Strafmaß blieb die Richterin im Range eines Obersten unter dem Antrag der Anklage, die 60 Jahre Haft verlangt hatte. Die Verteidigung verzichtete auf einen konkreten Haftantrag, bat jedoch darum, den rangniedrigen Angeklagten "nicht seiner Jugend zu berauben". Die Richterin hatte die mögliche Höchststrafe auf 90 Jahre begrenzt. Der schmächtige Manning, der im Dienstanzug im Gerichtssaal erschienen war, verfolgte die Verkündung des Strafmaßes ohne äußerliche Regung. "Bradley, wir sind bei dir", riefen Anhänger, als er aus dem Raum geführt wurde.

Manning hatte sich während der Verhandlung für seine Tat entschuldigt. Es tue ihm leid, dass er Menschen und den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt habe. Die vergangenen Jahre seien ihm eine Lehre gewesen. "Ich sehe ein, dass ich einen Preis für meine Entscheidungen zahlen muss", sagte Manning. Manning wird die Haft voraussichtlich in der US-Militärstrafanstalt Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas verbüßen.

Manning für den Friedensnobelpreis 2013 vorgeschlagen

Die seit 2010 andauernde Untersuchungshaft wird Manning bis auf 112 Tage angerechnet. Richterin Lind verurteilte ihn außerdem zur unehrenhaften Entlassung aus der Armee. Er wird zudem zum Gefreiten degradiert und büßt einen Teil seines Soldes ein. Manning hatte der Enthüllungsplattform Wikileaks vor drei Jahren 700.000 geheime Dokumente zugespielt. Darunter waren Video-Aufnahmen eines Hubschrauberangriffs auf mutmaßliche Aufständische 2007 in Bagdad. Unter dem Dutzend Todesopfer waren auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. "Kollateraler Mord" überschrieb die von Julian Assange gegründete Enthüllungsplattform die Militäraktion.

Wikileaks sprach in einer ersten Reaktion von einem "strategischen Sieg", da Manning in weniger als neun Jahren seine Begnadigung beantragen könne.

Der Fall Manning gilt als Paradebeispiel für die Probleme beim Schutz von Geheimnissen im Internet-Zeitalter. Die US-Regierung warf dem jungen Soldaten vor, das Leben amerikanischer Bürger gefährdet zu haben. Mannings Unterstützer erklärten dagegen, die Preisgabe der Informationen sei gerechtfertigt gewesen. Eine Menschenrechtsgruppe schlug ihn für den diesjährigen Friedensnobelpreis vor. Amnesty International appellierte an Präsident Barack Obama, die Strafe bis auf die Untersuchungshaft zu erlassen. Dies würde auf Mannings sofortige Freilassung hinauslaufen.

Bürgerrechtsorganisationen kritisierten das Urteil als unverhältnismäßig hoch. Das Strafmaß sei 17-mal höher als die bisher für die Weitergabe von Informationen an die Medien verhängte Höchststrafe, erklärte Elizabeth Goitein vom Brennan Center für Gerechtigkeit. Eine so lange Haftzeit sei für bezahlte Spionageaktivitäten üblich. Die Organisation Reporter ohne Grenzen verwies darauf, dass die Preisgabe geheimer Informationen in früheren Fällen straffrei geblieben oder mit erheblich geringeren Haftstrafen geahndet worden sei.

Reaktionen

Die Reaktionen auf das Urteil reichen von "furchtbar" und "unverhältnismäßig" bis zu der Forderung, den Informanten der Enthüllungsplattform Wikileaks frei zu lasssen.

Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson nannte das Urteil "furchtbar". Manning habe über Kriegsverbrechen informiert und bekomme dafür eine hohere Strafe als diejenigen, die solche Verbrechen begingen, sagte der Journalist im isländischen Fernsehen RUV.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte das Strafmaß als unverhältnismäßig. "Das Urteil gegen Bradley Manning ist ein weiterer Beleg, dass die USA endlich ein Gesetz zum Informantenschutz brauchen", sagte Vorstandssprecher Michael Rediske. "Wenn Präsident Barack Obama seinen Feldzug gegen Whistleblower nicht schnell beendet, werden Journalisten in den USA bald immer weniger in der Lage sein, Fehlverhalten von Regierung und Behörden aufzudecken." Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte US-Präsident Barack Obama auf, Manning sofort auf freien Fuß zu setzen.

Verwandte von Manning in Wales erklärten, das Strafmaß sei geringer ausgefallen, als sie erwartet hätten. Mannings Onkel Kevin Fox sagte dem Sender BBC: "Er hätte überhaupt nicht bestraft werden sollen. Meiner Ansicht nach ist er ein Held." Fox ist der Bruder von Mannings Mutter Susan, die nach Angaben der BBC in Wales lebt.

Russland sprach von einer "ungerechtfertigt harschen" Strafe. Der für Menschenrechte zuständige Mitarbeiter im Außenministerium, Konstantin Dolgow, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, Washington lege eine "Doppelmoral" an den Tag, sobald US-Interessen auf dem Spiel stünden und nehme keine Rücksicht auf die Wahrung der Menschenrechte.

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