Trend Logo

Interessensvertreter fordern Verbesserungen für Buslenker

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Gewerkschaft: Busfahrern fehlt es oft an beheizten Aufenthaltsräumen
©APA/APA/THEMENBILD/EXPA/ JOHANN GRODER
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Damit die Mobilitätswende weg vom Individualverkehr hin zum Öffentlichen Verkehr gelingt, braucht es mehr Personal und gute Arbeitsbedingungen für Buslenkerinnen und Buslenker. Das fordert ein Zusammenschluss der Gewerkschaft vida, Arbeiterkammer (AK) Wien und den Klimaschutzorganisationen Fridays for Future und System Change not Climate Change. Das Bündnis will den privaten Busbetrieben und der Wirtschaftskammer (WKÖ) einen entsprechenden Forderungskatalog vorlegen.

von

Damit die Mobilitätswende weg vom Individualverkehr hin zum Öffentlichen Verkehr gelingt, braucht es mehr Personal und gute Arbeitsbedingungen für Buslenkerinnen und Buslenker. Das fordert ein Zusammenschluss der Gewerkschaft vida, Arbeiterkammer (AK) Wien und den Klimaschutzorganisationen Fridays for Future und System Change not Climate Change. Das Bündnis will den privaten Busbetrieben und der Wirtschaftskammer (WKÖ) einen entsprechenden Forderungskatalog vorlegen.

Vor allem in ländlichen Regionen sind Menschen aufgrund fehlender Öffi-Angebote häufig auf das Auto angewiesen. Deshalb brauche es flächendeckende, dicht getaktete und leistbare Busse, Züge und Sammeltaxis. Für den Angebotsausbau bei den Bussen fehle es aber an Personal - und das liege vor allem an den langen Arbeitstagen von bis zu 15 Stunden, unbezahlten Pausen und der hohen Arbeitsintensität, kritisierten die Interessensvertreter am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

"Unattraktiv macht den Beruf auch, dass Fahrpläne und Strecken so gestaltet sind, dass Pausen oft nicht möglich sind", sagte Thomas Stiller von der Gewerkschaft vida. "Und wenn, dann fehlt es an Pausenräumen, Toiletten und Verpflegung entlang der Linien." Die Buslenker hätten daher oft keine andere Möglichkeit als die "illegale Notdurft im Freien".

"Ein weiterer Faktor ist, auch Loyalität zum Arbeitgeber lohnt sich finanziell nicht", so Markus Petritsch von der Gewerkschaft vida. "Das Einstiegsgehalt von rund 2.800 Euro brutto im Monat ist zwar gut, aber es gibt dann keine weiteren Lohnsprünge." Auch nach elf Jahren im Betrieb erhalte man etwa als Kraftfahrer nur rund 17 Euro mehr als jemand der erst seit zwei Jahren im Betrieb arbeitet. Zudem würden viele aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen rasch wieder die Branche wechseln, berichtete der Gewerkschafter. Die meisten gingen in die Industrie, die bessere Voraussetzungen biete.

Konkret fordert das Bündnis mehr Geld für längere Betriebszugehörigkeit, bessere Entlohnung von Nacht- und Sonntagsarbeit, Aufenthaltsmöglichkeiten und sanitäre Anlagen entlang der Linien, den Entfall der sogenannten "geteilten Dienste" und höhere Strafzahlungen für Verstöße von Busunternehmen gegen Arbeitnehmerrechte. Die Gewerkschaft vida verhandelt aktuell das KV-Rahmenrecht für rund 15.000 Busfahrerinnen und Busfahrer in privaten Busbetrieben. Sollten die Gespräche kein Ergebnis bringen, seien auch Protestmaßnahmen möglich, so die Gewerkschafter.

Martin Horvath, Sprecher der Busbranche in der WKÖ, sieht in den Aussagen der Gewerkschafter "substanzlose Vorwürfe". "Aufgrund der unterschiedlichen Ausschreibungsmodalitäten im Linienverkehr in Österreich werden Investitionen in Infrastruktur oft unmöglich gemacht", so Horvath in einer Aussendung. "Zum einen, weil die Beauftragungsdauer zum Teil weniger als acht Jahre beträgt und zum anderen, weil die höheren Kosten, die Investitionen mit sich bringen, bei den Ausschreibungen nicht berücksichtigt werden." Dennoch habe jeder Unternehmer größtes Interesse daran, ideale Rahmenbedingungen für die Beschäftigten zu schaffen. Er forderte die Gewerkschaft auf, zu einem "konstruktiven Dialog" zurückzukehren.

2024 finden sich erstmals auch Buslenker auf der Mangelberufsliste. Als Mangelberufe gelten solche, in denen weniger als 1,5 Arbeitssuchende pro beim AMS gemeldeter offener Stelle zur Verfügung stehen. Für diese Berufe gibt es erleichterte Zulassungsvoraussetzungen für den Erhalt der Rot-Weiß-Rot-Karte und damit Zugang zum Arbeitsmarkt für Arbeitskräfte von außerhalb der EU.

Der Verkehrssektor trägt in Österreich laut Umweltbundesamt rund 30 Prozent zum Ausstoß klimaschädlicher Gase bei. Dabei sei der höchste Anteil der Emissionen im Verkehr auf den Straßenverkehr und insbesondere auf den Pkw-Verkehr zurückzuführen.

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat
Ähnliche Artikel
Photovoltaik-Paneele über Obstkulturen produzieren nicht nur Strom
Nachrichtenfeed
Photovoltaik über Obstbau schützt vor Regen und Frost
Die Bundesregierung will Verbraucherrechte im Energiesektor stärken
Nachrichtenfeed
Sondergesetz soll mehr Wettbewerb am Energiemarkt bringen
Inflation sinkt in Österreich auf niedrigsten Wert seit September 2021
Nachrichtenfeed
Inflation im April bei 3,5 % - Fünfthöchster Wert in EU
Wintersaison: Bereinigt um Inflation und Kalendertage durchwachsen
Nachrichtenfeed
Tourismus - Nächtigungsrekord mit sparsameren Urlaubern
Weitere Proteste in mehreren Bundesländern geplant
Nachrichtenfeed
Fahrradboten setzen Warnstreiks nach Pfingsten fort
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Nachrichtenfeed
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Nachrichtenfeed
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Die Addiko Bank könnte an die slowenische Bank gehen
Nachrichtenfeed
Addiko Bank rückt ins Visier von Investoren
Ausbau der Ladestellen kommt rasch voran
Nachrichtenfeed
Elektroautos im Vormarsch, aber hohe Preise schrecken ab
Der Vertrag von ÖBAG-Chefin Hlawati wurde bis Februar 2027 verlängert
Nachrichtenfeed
ÖBAG-Chefin will Dividende für Infrastruktur zweckwidmen
Viele Unternehmen sind nach dem Angriff Russlands geblieben
Nachrichtenfeed
Nur wenige ausländische Firmen kehrten Russland den Rücken
Selbstbediener-Kassen haben sich in Österreich noch nicht durchgesetzt
Nachrichtenfeed
Hofer will in bis zu 200 Filialen Selbstbedienungskassen