Immer mehr Private schlittern in die Pleite

Für 2012 werden mehr als 10.000 Privatkonkurse erwartet. Besonders betroffen sind Männer, Städter und ehemalige Selbstständige.

Die gescheiterte Selbstständigkeit ist neben der Verschlechterung des Einkommens und dem Verlust des Arbeitsplatzes Hauptursache für eine Verschuldung. Aber auch Krankheit, eine Scheidung oder der sorglose Umgang mit Geld können in die Pleite führen, so der KSV.

Die durchschnittlichen Schulden pro Fall beliefen sich 2011 auf rund 124.000 Euro. Darin enthalten sind die Schulden ehemaliger Unternehmer (35 Prozent aller Verfahren), die als Einzelunternehmer haften. Die tatsächlichen Schulden dieser Gruppe betrugen 250.000 Euro pro Fall. Die Schulden der "echten" Privaten machten knapp 60.000 Euro aus.

Männer sind konkursanfälliger

Durchschnittlich 64 Prozent aller Privatkonkurse sind im Vorjahr auf das Konto von Männern gegangen. Noch stärker geht die Schere bei den ehemaligen Selbstständigen auf, hier waren drei Viertel Männer. Zudem hat sich gezeigt, dass der Privatkonkurs ein stark urbanes Phänomen ist: 73 Prozent aller Betroffenen leben im städtischen Raum. Die meisten Privatkonkurse gab es in den nördlichen bzw. nord-östlichen Bundesländern Österreichs, wobei mit 3.868 Fällen mehr als ein Drittel aller Insolvenzen in Wien verzeichnet wurden. Gemessen an der Einwohnerzahl waren die meisten Privatkonkurse in der Bundeshauptstadt im 10., 15., 16. und 12. Gemeindebezirk, die wenigsten im 1., 8., und 13. zu finden.

61 Prozent der Betroffenen befanden sich in der Altersklasse von 30 bis 50, in der traditionell viele Finanzierungen durchgeführt werden. Als "alarmierend" bezeichnet der KSV, dass 17 Prozent der Konkurse im Vorjahr auf junge Menschen zwischen 21 und 30 Jahren zurückgehen. Dieser Prozentsatz sei nur die Spitze des Eisbergs, die Zahl der tatsächlich schwer verschuldeten Jungen dürfte um einiges höher sein, heißt es.

"Obwohl die Zahl der Privatkonkurse von Jahr zu Jahr steigt, könnte sie noch höher sein. Denn in Österreich sind eigentlich noch viel mehr Menschen in einer Höhe verschuldet, die ein Schuldenregulierungsverfahren notwendig machen würde. Die Angst vor der Stigmatisierung lässt die Betroffenen oft die Antragstellung hinauszögern", so KSV-Vorstand Johannes Nejedlik.

APA/hahn

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