Hypo Alpe Adria 2 - Kranebitter: "Mein Job ist eine Monsterarbeit"

Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter sieht seinen Sanierungsjob, also vor allem den Abbau des Bergs an faulen Krediten, als "Monsterarbeit". Mit der Aufarbeitung der Vergangenheit, womit Kranebitter bankintern heuer im wesentlichen fertig sein will, tun sich die heute Verantwortlichen nicht immer leicht: "Wir wissen, dass wir da vielen Leuten schmerzhaft auf die Zehen steigen. Wir werden dafür attackiert, lassen uns aber davon nicht beirren." Fragen nach erhöhtem Personenschutz blieben unkommentiert. Sein Job sei kein Honiglecken.

Historische Schieflagen in den Relationen von Krediten und Einlagen müssen beseitigt werden. "Jede Bank stirbt, wenn sie keine Liquidität hat. Wir nennen das Funding. Wir haben eine Erblast von 22 Milliarden Euro". Mit diesen 22 Mrd. Euro an öffentlich behafteten Verbindlichkeiten (20 Mrd. Euro gehören Kärnten) sei die Bank untrennbar mit hohen Risiken der Republik Österreich und Kärntens verbunden. Dass die Hypo zur bisherigen Staatshilfe noch weiteres Geld vom Bund braucht, glaubt Kranebitter nicht.

Ausschließen kann er aber nichts: "Wer ein Unternehmen führt, kann nie etwas ausschließen", sagte der Hypo-Chef am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. "Unser Auftrag ist, kein zusätzliches Staatsgeld zu benötigen". Aber die Haftung habe "Drohpotenzial."

Dieses Erbe sei bis 2017 zurück zu zahlen. "Es muss ein nationales Anliegen sein, dass diese 22 Milliarden nicht schlagend werden." Etwa die Hälfte des Abbaus werde man aus der Verkleinerung der Bank bewerkstelligen. Es gebe auch viele Assets, die man verbriefen könne. Eine "gute Ausgangsbasis, die mich an dieser Stelle gut schlafen lässt", sei, dass ausreichend Zeit da sei und rund dreieinhalb Milliarden an Überschussliquidität.

Die Hypo Group Alpe Adria müsse kleiner werden und brauche neue Finanzierungs- und Refinanzierungsquellen, die früher "sträflich vernachlässigt" worden seien. Stichwort: Spareinlagen.

Die Hypo habe bei 30 Mrd. Euro an Krediten nur etwa 8 Mrd. Euro an Primärmitteln. Diese schiefe Ebene müsse in eine Balance kommen. Problemkredite müssen drastisch weniger werden, im Einlagengeschäft braucht die Bank viele neue Kunden. Extrem verlockende Zinsen im Wettbewerb um neue Kundschaft kann die Bank aber nicht anbieten, "wir stehen unter Beobachtung". Da achte man selber penibel darauf. Aber es gibt eine Kundenoffensive, zusammen mit dem Neuauftritt im Inland im ersten Halbjahr.

Ob für den Plan einer Expansion auch im Privatkundengeschäft der Name Hypo Alpe Adria noch gesellschaftsfähig ist, wurde auch in der Bank hinterfragt. "Wir haben uns von einem völligen Rebranding bis zu einem Soft Relaunch alles überlegt", berichtete Kranebitter. Gegen eine neue Marke habe gesprochen, dass man in Südosteuropa einen guten Ruf habe. Und in Österreich sieht er den Begriff "Hypo" überhaupt beschädigt, nicht nur bei der Hypo Alpe Adria. Außerdem werde ein neuer Eigentümer nach der Privatisierung ohnehin einen neuen Namen wählen. In wenigen Jahren drei Markenänderungen wäre eindeutig zu viel.

Die Verluste schreibende Österreich-Bank ist in Relation zu den Südosteuropatöchtern eines der wichtigen Sorgenkinder im Konzern, sagte Kranebitter. Die Österreich-Bank habe "einige schwierige Problemfälle aus Deutschland übernehmen müssen", die abgearbeitet werden müssten. Was allerdings, so wurde sogleich hinzugefügt, nicht heiße, dass die Bayern einst "Dinge" über die Hypo gedreht haben. Details zu den Problemkreisen aus Deutschland blieb Kranebitter aber schuldig. Fakt sei, dass in zwei von fast drei Jahren unter der BayernLB (2007 und 2008) die Bank nochmals massiv gewachsen sei, bevor Anfang 2009 der Stecker gezogen worden sei.

In der Holding in Klagenfurt ist die Konzentration an notleidenden Krediten auch in Südosteuropa weitaus höher als in den Südosteuropabanken vor Ort. Holdingstandort soll weiter Klagenfurt bleiben, es sei nicht an Verlegungen nach Laibach oder Zagreb gedacht.

- APA

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