Hoher Ölpreis verstärkt die Rezessionsgefahr

Vor allem die krisengeplagte europäische Wirtschaft könnte durch einen weiteren Anstieg des Ölpreises endgültig in die Rezession abrutschen.

"Der Westen zahlt für seine Entschlossenheit, Iran vom Bau von Nuklear-Waffen abzuhalten, einen Preis", sagt Rohstoff-Experte David Hufton vom Ölhändler PVM. "Dieser Preis ist eine zweite weltweite Rezession, ausgelöst durch einen Ölpreis-Schock."

Der UN-Atomenergiebehörde IAEA zufolge forciert der Iran die Anreicherung von Uran. Angereichertes Uran kann zivilen Zwecken dienen, ist aber auch für den Bau einer Atombombe notwendig. Der Iran will das Material nach eigenen Angaben für die Forschung verwenden - was ihm viele Länder nicht glauben.

Die richtungweisende Nordsee-Ölsorte Brent hat sich seit Monatsbeginn um fast 15 Dollar je Barrel (159 Liter) verteuert. Das ist der stärkste Kursanstieg in einem Februar seit Einführung des Terminkontraktes auf Brent Ende der 1980er Jahre. Mit einem Preis von rund 124 Dollar liegt er zwar noch 23 Dollar unter seinem Rekordhoch vom Juli 2008, in Euro gerechnet hatte der Future am vergangenen Freitag aber eine neue Höchstmarke von 93,60 Euro gesetzt.

Eskalation im Atom-Streit

Nach Einschätzung von Ian Taylor, dem Chef des weltgrößten Ölhändlers Vitol, wird der Ölpreis auf bis zu 150 Dollar hochschnellen, sollte Israel iranische Atom-Anlagen angreifen. "Ich hatte eigentlich gedacht, dass dies niemals passieren wird", sagte er. "Aber jeder, mit dem man spricht, geht davon aus, dass die Israelis die iranischen Atom-Anlagen angreifen werden. An dem Tag, an dem das passiert, werden die Iraner Minen in der Straße von Hormus verlegen." Durch die Meerenge im Persischen Golf wird knapp 20 Prozent des weltweit geförderten Rohöls transportiert.

Eine Unterbrechung des Nachschubs würde Europa besonders hart treffen, erklärt Julian Jessop, Chef-Volkswirt des Research-Hauses Capital Economics. "Mit der anhaltenden Furcht vor einer Pleite Griechenlands und zusätzlichen Sparrunden in der Region ist die europäische Wirtschaft anfälliger für jede Art von Schocks - inklusive hoher Ölpreise." Sein Kollege Julian Callow von Barclays Capital geht davon aus, dass es bei einem anhaltend hohen Ölpreis nicht bei der bislang erwarteten milden Rezession in Europa bleibt, sondern die Wirtschaft deutlich schrumpft.

Wahl-Faktor Ölpreis

Die steigenden Rohstoff-Kosten machen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Politik zu schaffen. "Der Preis-Anstieg wird eine Herausforderung für die westlichen Politiker, die sich für eine Wiederwahl bewerben", betont Analyst Olivier Jakob vom Research-Haus Petromatrix. Es werde schwer, die Freigabe von strategischen Ölreserven zu rechtfertigen. Denn anders als im Vorjahr, als Libyen wegen des Bürgerkrieges als Lieferant ausfiel, verknappe sich das Angebot "durch eine freiwillige Begrenzung der Käufe von einem bestimmten Land", betont er.

Die Europäische Union hatte sich unlängst darauf geeinigt, ab dem 1. Juli 2012 kein Öl mehr aus dem Iran zu importieren. Griechenland, Italien und Spanien, die besonders abhängig von diesen Lieferungen sind, suchen nach Alternativen. Nach Aussagen von US-Finanzminister Timothy Geithner überlegen die USA, unter welchen Bedingungen die strategischen Ölreserven des Landes angezapft werden könnten. Im Laufe des Jahres stellen sich unter anderem US-Präsident Barack Obama und sein französischer Kollege Nicholas Sarkozy zur Wiederwahl.

Reuters

Wirtschaft

12 Fragen: Den Brexit verstehen

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Versicherung

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession

Wirtschaft

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession