Helmut Elsners aktives Nachtleben

Vergangenen Mittwoch gegen 2.00 Uhr in der Früh im Promi-Lokal „Eden Bar“ im ersten Wiener Gemeindebezirk: Der im Zuge des Bawag-Skandals wegen schwerer Vermögensdelikte rechtskräftig zu zehn Jahren Haft verurteilte Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner amüsiert sich an der Bar, fordert eine Bekannte zum Tanz auf und gibt auch einige Zeilen eines französischen Chansons zum Besten.

Elsners beschwingter öffentlicher Auftritt im Wiener Nachtleben ist erfreulich, legt das Feiern doch den Schluss nahe, dass es dem 76-jährigen Herzpatienten nun endlich wieder besser geht. Aber kann ein rechtskräftig Verurteilter „zu krank“ fürs Gefängnis und dennoch fit genug sein für Nachtschwärmereien?

Der von den OÖNachrichten aufgedeckte Vorfall von Elsner wurde nun von der Zeitung dem Wiener Straflandesgericht übermittelt. Derzeit ist Elsner auf freiem Fuß, weil ihm das Vollzugsgericht für die Justizanstalt Wien-Josefstadt einen nachträglichen Aufschub des Strafvollzuges gemäß Paragraf 133 Strafvollzugsgesetz wegen einer langwierigen Herzerkrankung gewährt hat.

Doch nicht haftunfähig?

Die Entlassung des Strafhäftlings aus der Inquisitenabteilung des Wiener Wilhelminenspitals wegen Haftunfähigkeit erfolgte am 8. Juli 2011. Seither wurde Elsners Gesundheitszustand nicht mehr überprüft. Der Sachverständige war damals der Meinung, dass eine erste Nachuntersuchung in acht bis zehn Monaten erforderlich sei. „Wir haben am Donnerstag programmgemäß einen Sachverständigen beauftragt, ein Gutachten zur weiteren allfälligen Vollzugsuntauglichkeit Elsners zu erstellen“, sagt Richterin Christina Salzborn. Der Gutachter Joachim Borkenstein aus Leoben ist Facharzt Kardiologie. Er hat nun sechs Wochen Zeit für seine Expertise. Leistet Elsner den Anweisungen des Gutachters nicht Folge, müsse der Verurteilte mit einer Vorladung rechnen, so Salzborn.

„Kommt ein Gutachter bei einem bisher vollzugsuntauglichen Täter zum Schluss, dass sich der Gesundheitszustand so weit gebessert hat, dass der Gefängnisaufenthalt wieder zumutbar ist, entscheidet das Vollzugsgericht, dass die Haft fortzusetzen ist“, sagt Alois Birklbauer vom Institut für Strafrecht an der Linzer Uni.

Elsners nächtlicher Ausflug dürfte dabei für den begutachtenden Mediziner von gewissem Interesse sein, heißt es aus dem Wiener Gericht.

Agenturen/hahn

Wirtschaft

12 Fragen: Den Brexit verstehen

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Versicherung

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession

Wirtschaft

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession