Hedgefonds wollen Umschuldung mit Kunstgriff umgehen

Mit einem juristischen Kunstgriff wollen sie sich der Umschuldung des Mittelmeerlandes entziehen, wie mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Die Investoren hätten eine Möglichkeit entdeckt, die Regierung in Athen zur vollen Auszahlung bestimmter Anleihen zwingen zu können. Dies werde zwar den Schuldenschnitt von mehr als 100 Milliarden Euro nicht substanziell beeinträchtigen, könnte Griechenland aber zu empfindlichen Zahlungen in Milliardenhöhe nötigen.

Konkret geht es um eine Anleihe der staatlichen Eisenbahn, die von der griechischen Regierung garantiert wird. Darin gibt es eine Klausel, nach der bereits von einem Zahlungsausfall gesprochen werden kann, wenn der Emittent eine Umschuldung anstrebt. Dies gebe den Bond-Besitzern dann die Möglichkeit, eine sofortige Rückzahlung zu verlangen. Diesen Prozess einer vorzeitigen Fälligkeit könnten die Hedgefonds am Freitag oder nächste Woche starten, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen.

Voraussetzung sei aber, dass die Fonds sich einen ausreichenden Anteil an dem Eisenbahn-Bond gesichert haben, der ein Volumen von 412,5 Millionen Euro hat und bis 2013 läuft. Denn nur dann können sie nicht von einer Mehrheit anderer Bond-Besitzer gezwungen werden, sich doch an der Umschuldung zu beteiligen. In jedem Fall drohen wohl lange Gerichtsverfahren, sagen mit der Materie vertraute Personen voraus.

Das Vorgehen der Hedgefonds könnte den Kreisen zufolge dazu führen, dass auch bei anderen Eisenbahn-Anleihen solche Klauseln zum Tragen kommen. Dann würde Athen mit sofortigen Zahlungsforderungen von insgesamt drei Milliarden Euro konfrontiert, sagte ein Insider. "Es ist kaum zu glauben, aber es kann durchaus sein, dass die Hedgefonds am Ende die volle Summe zurückbekommen - keine hohen Einzelbeträge, aber immerhin", betonte eine mit den Klauseln vertraute Person.

CACs werden aktiviert

Um eine volle Auszahlung zu erreichen, versuchen Hedgefonds ihre Positionen in diesen Hellas-Anleihen auszubauen, die nach investorenfreundlicherem ausländischen Recht aufgelegt sind. Die Bonds nach griechischem Recht hingegen ermöglichen es Athen, sogenannte Umschuldungsklauseln (CACs) in den Anleiheverträgen zu aktivieren und damit den Gläubigern ihr Angebot für den geplanten Tausch von Schuldtiteln aufzwingen. Dies hat die Regierung am Freitag auch angekündigt. Etwa 15 Prozent der griechischen Anleihen über insgesamt 206 Milliarden Euro, die von privaten Gläubigern gehalten werden, wurden nach ausländischem Recht begeben.

Insgesamt beteiligen sich 85,8 Prozent der privaten Gläubiger an dem Schuldenschnitt. Die angestrebte Marke von 90 Prozent wurde verfehlt, womit sich eine Finanzlücke von rund fünf Milliarden Euro ergibt. Um sie zu schließen, will die Regierung die widerspenstigen Investoren nun zum Tausch ihrer alten in neue Bonds zwingen - möglicherweise mit Ausnahme einiger Eisenbahn-Anleihen, sollten die Hedgefonds das erfolgreich durchfechten.

Reuters

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