Griechenland: Überwältigende Beteiligung beim Schuldenschnitt

Dem Umtauschangebot stimmten 85,8 Prozent der Bond-Besitzer zu. Damit hat die Athener Regierung selbst die optimistischsten eigenen Erwartungen übertroffen. Nach Monaten der Zitterpartie ist damit der Weg frei für die größte Umschuldung eines Staates, die es je gegeben hat.

Griechenland will die jüngst eingeführten Umschuldungsklauseln bei seinen Staatsanleihen aktivieren und damit noch unwillige Gläubiger zur Teilnahme am Schuldenschnitt zwingen. Die griechische Regierung teilte am Freitag in Athen mit, sie habe ihre internationalen Partner darüber informiert, dass die sogenannten Collective Action Clauses (CACs) bei den Papieren nach griechischem Recht greifen sollen. Die Annahmequote bei dem Anleihetausch habe bei 85,8 Prozent gelegen. Falls es zu einer Aktivierung der Umschuldungsklauseln bei den Anleihen nach griechischem Recht kommen sollte, würden 95,7 Prozent des gesamten Nennwertes der Bonds umgetauscht.

Durch den Forderungsverzicht der Banken, Versicherer und Fonds sollen die Verbindlichkeiten um insgesamt 107 Milliarden Euro sinken, damit sich das Euro-Land aus dem Würgegriff der eigenen Schulden befreien kann. Insgesamt steht das Land bei den privaten Gläubigern mit gut 200 Milliarden Euro in der Kreide. Der Schuldenschnitt ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Griechenland ein neues Hilfspaket seiner Euro-Partner im Volumen von 130 Milliarden Euro erhält. Die Finanzminister der Euro-Zone wollen darüber am Freitag in einer Telefonkonferenz beraten, eine endgültige Entscheidung aber möglicherweise bis zu einem Treffen am Montag aufschieben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will am 15. März über das neue Hilfspaket diskutieren.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos zeigte sich zuversichtlich: "Wenn alles gut geht, wird eine Schuldenlast von über 100 Milliarden Euro von den Schultern der Griechen genommen. Zum ersten Mal senken wir damit Schulden, statt neue anzuhäufen." Die Aussicht auf einen Erfolg des Umtauschs griechischer Bonds in Papiere mit günstigeren Konditionen für das klamme Land sorgte auch an den Börsen für Erleichterung.

EU und IWF-Hilfen müssen bis 20. März stehen

Doch trotz des Erfolgs für die Athener Regierung sind damit längst nicht alle Probleme des Landes gelöst. Im besten Fall gewinnt Griechenland Zeit, seine schwerste Wirtschaftskrise seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu bewältigen und die gigantischen Schulden in den Griff zu bekommen. Wie seit Ausbruch der Krise vor zwei Jahren immer wieder steuert Griechenland abermals auf eine bedrohliche Frist zu: Die neuen Hilfen von EU und IWF müssen am 20. März unter Dach und Fach sein. Dann werden Staatsanleihen in Höhe von 14,5 Milliarden Dollar fällig, die Griechenland aus eigener Kraft nicht zurückzahlen kann. Eine damit drohende unkontrollierte Insolvenz droht in der internationalen Wirtschafts- und Finanzwelt heftige Turbulenzen auszulösen.

Die meisten deutschen Banken und Versicherer haben sich am Schuldenschnitt beteiligt. Auch die österreichischen Institute waren mit einer Anleihesumme von 600 Millionen Euro "live dabei".

Reuters/hahn

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