Griechenland: Gläubiger schauen durch die Finger

Der Internationale Derivateverband (ISDA) entschied am Donnerstag in London, dass der Verzicht privater Gläubiger, auf den sich die Regierung mit Bankvertretern geeinigt hat, kein Kreditereignis darstellt. Das trifft professionelle Anleger, die sich gegen einen Ausfall der Anleihen mit Hilfe von Credit Default Swaps (CDS) abgesichert hatten.

Die Summe, die bei einem Kreditereignis fällig geworden wäre, gilt mittlerweile allerdings als überschaubar. Das Volumen aller CDS auf griechische Staatsanleihen hatte zuletzt nur noch 3,25 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) betragen. Auch die Ansteckungsgefahren für das Finanzsystem sind Experten zufolge damit nicht mehr so groß wie vor einem Jahr.

Die Entscheidung in dem aus 15 Mitgliedern bestehenden Ausschuss sei einstimmig gefallen, erklärte der Verband. Er ließ sich aber eine Hintertür offen: Die Lage in Griechenland könne sich immer noch ändern - je nachdem könne sich dann immer noch ein Kreditereignis ergeben, durch das die CDS fällig würden.

Mit dem Beschluss vom Donnerstag verbessert die ISDA die Chancen für Griechenland, dass der freiwillige Schuldenschnitt angenommen wird. Sie nimmt vor allem Hedgefonds und anderen Investoren den Wind aus den Segeln, die darauf gesetzt haben, die Einigung scheitern zu lassen und damit eine Staatspleite Griechenlands hervorzurufen. Dann könnten sie ihre CDS ziehen und bekämen 100 Prozent des Nennwerts zurück.

Freiwilliger Verzicht

Die Banken wollen freiwillig auf 107 Milliarden Euro ihrer Forderungen aus den griechischen Staatsanleihen verzichten. Sie tauschen ihre Staatsanleihen in neue Papiere mit 30-jähriger Laufzeit und mit geringeren Zinsen. Der Nominalwert reduziert sich dabei um 53,5 Prozent, unter dem Strich müssen die Gläubiger damit 73 bis 74 Prozent abschreiben. Sie müssen bis Ende nächster Woche entscheiden, ob sie das Tauschangebot annehmen.

Offen ist aber noch, wie viele private Gläubiger tatsächlich mitmachen. Die Regierung in Athen hat eine Beteiligung von mehr als 90 Prozent gefordert. Eine Mehrheit der Gläubiger könnte die übrigen zur Teilnahme an einer Umschuldung zwingen. Dies hatten Investoren ebenso kritisch gesehen wie das Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich einer Teilnahme an dem Schuldenschnitt entzogen hatte.

Reuters

Wirtschaft

12 Fragen: Den Brexit verstehen

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Versicherung

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession

Wirtschaft

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession