Griechenland: EZB soll mehr helfen

Es sei möglich, dass EZB-Chef Mario Draghi (Bild) auf Gewinne aus dem Aufkauf griechischer Staatsanleihen verzichte, sagte Finnlands Notenbankchef Erkki Liikanen der "Financial Times Deutschland". Als oberster Währungshüter seines Landes sitzt Liikanen im Entscheidungsgremium der EZB, dem EZB-Rat.

Mit dem Aufkauf von Staatsanleihen habe die EZB in der Euro-Schuldenkrise das Ziel verfolgt, die Wirksamkeit ihrer Geldpolitik sicherzustellen, "und nicht, Gewinne zu machen", sagte Liikanen. Ähnlich hatten sich in den vergangenen Tagen bereits EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen und Belgiens Notenbankchef Luc Coene geäußert.

Mario Draghi hatte vor rund einer Woche zwar die Ablehnung der Zentralbank an einer Beteiligung an einem Schuldenschnitt für Griechenland bekräftigt. Dem hochverschuldeten südeuropäischen Land jedoch mit einem Verzicht auf Gewinne aus dem Ankauf von Staatsanleihen entgegenzukommen, hatte der oberste Währungshüter der Euro-Zone nicht ausgeschlossen.

45 Milliarden Bond-Käufe

Es wird geschätzt, dass die EZB seit Beginn der Krise griechische Staatsanleihen im Gesamtwert von rund 45 Mrd. Euro aufgekauft hat. Damit greift die Zentralbank kriselnden Ländern unter die Arme, weil sie damit die Nachfrage nach den Papieren künstlich erhöht, wodurch die Zinsen sinken, welche Staaten bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen garantieren müssen. Neben Griechen-Bonds kaufte die EZB in der Schuldenkrise auch die Papiere verschiedener anderer Staaten auf. Insgesamt erwarb die Notenbank Staatsschuldtitel im Wert von rund 220 Mrd. Euro

Die EZB dürfte die Griechenland-Papiere zu einem vergleichsweise niedrigen Kurs gekauft haben. Schätzungen gehen von zwischen 70 und 80 Prozent des Wertes aus, den diese eigentlich haben. In ihren eigenen Büchern verbucht die EZB die Papiere aber mit dem tatsächlichen Nominalwert von 100 Prozent.

Um nun Griechenland mit den aufgekauften Staatspapieren zu helfen, sind verschiedene Möglichkeiten für die EZB denkbar. Überlässt sie die Anleihen zum niedrigen Kaufpreis dem europäischen Krisenfonds EFSF, könnte dieser die Papiere Griechenland zu diesen günstigen Konditionen zurückgeben. Statt 100 Prozent des Ausgabepreises müsste Griechenland dann nur 70 oder 80 Prozent zurückzahlen, was dem Land viel Geld sparen würde. Die Commerzbank rechnet mit einer Ersparnis von über zehn Mrd. Euro.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Notenbank die Gewinne aus griechischen Staatsanleihen nach den Vorgaben ihrer Satzung an die Notenbanken der Euro-Länder ausschüttet. Die Notenbanken wiederum könnten dann das Geld an die Regierungen weiterreichen. Den Regierungen stünde dann die Möglichkeit offen, dieses Geld für Griechenland-Hilfsprogramme einzusetzen.

apa/hahn

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