Grassers Stiftungen in Liechtenstein: "Waterland" und "Silverland"

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) verfügt seit Jahren über ein internationales Stiftungs- und Firmennetzwerk, das erst im Zuge der Berichterstattung über die Ermittlungen der Justiz und der Finanz gegen ihn bekannt wurde.

Grasser hat in Liechtenstein zwei Stiftungen errichtet, die die Namen "Waterland" und "Silverland" tragen. Die Stiftungen sind laut seinem Anwalt Manfred Ainedter "intransparente Stiftungen", wo der Stifter, also Grasser, nicht frei über das Vermögen verfügen kann, sondern nur unabhängige Stiftungsräte. Begünstiger der Stiftungserträge ist Grasser selber.

Als Stiftungsräte von "Waterland" fungieren laut Medienberichten Anwälte der Vaduzer Kanzlei Marxer. Die "Waterland"-Stiftung hat wiederum Tochtergesellschaften, nämlich die "Silverwater Invest and Trade Inc." mit Sitz auf Tortuga auf den British Virgin Islands sowie die Gesellschaft "Man Angelus Ltd." mit Sitz auf Zypern. Von der Silverwater sollen vier Mio. Euro an Grassers österreichische Firma ValueCreations geflossen sein, berichteten Medien unter Berufung auf eine Aussage von Grassers Steuerberater bei der Justiz, das Geld soll demnach aus Grassers Engagement bei der Managementgesellschaft MPM der Meinl International Power (MIP) stammen.

Die "Silverland"-Stiftung" hat die Tochtergesellschaft "Levesque-Holding" mit Sitz auf Zypern, deren Tochter wiederum die Gesellschaft "Gemain Ltd" ist. Die Gemain soll Treugeberin für die SMW OG sein, eine in Österreich ansässige Firma, die Grasser gemeinsam mit Burckhard Graf gehört.

Grasser war von Februar 2000 bis Jänner 2007 österreichischer Finanzminister. Nach seinem Ausscheiden wurde er im Wirtschaftsimperium des Bankers Julius Meinl V. für die börsenotierte Meinl International Power (MIP) mit Sitz auf Jersey tätig. Grasser war Direktor der Meinl Power Management Ltd. (MPM) mit Sitz in Jersey, wobei diese wiederum einen Teil ihrer Aufgaben über ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft Meinl Power Management s.r.o. (MPM SK) in Bratislava wahrgenommen hat. Die MPM hat auf Basis eines Managementvertrags das operative Management der MIP (später PI Power International) durchgeführt. Sie stand zu zwei Drittel im Eigentum der Meinl Bank, zu einem Drittel im Besitz von Grasser.

Grasser verfügt bzw. verfügte über mehrere Wertpapierkonten. Diese sind laut seiner Selbstanzeige bei der Finanz bei der Hypo Alpe-Adria-Bank AG (2000 bis 2004), bei der Raiffeisen-Bezirksbank Klagenfurt (ab 2000), bei der Meinl Bank AG (ab 2004), bei der Smith Barney Citigroup Global Mkts. Inc, USA (2000 bis 2004), der Yorkton Securities (1999 bis Februar 2003) bzw. der Desjardins Securities Toronto, Kanada (von Februar 2003 bis 2008).

Grasser ist am Mittwoch in der Strafsache Buwog und im Finanzstrafverfahren erneut im Bundeskriminalamt einvernommen worden. Die Vernehmung dauerte zwei Stunden und wurde von einem Staatsanwalt und vier Ermittlern der Sonderkommission Constantia/Buwog geleitet. Es sei damit zu rechnen, dass weitere Einvernahmen stattfinden, hieß es.

FORMAT-Grafik: Das verschachtelte Firmengeflecht von Grasser & Friends

- APA

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