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Gewerbe und Handwerk stecken tief in der Rezession

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Handwerk hat derzeit keinen goldenen Boden
©APA/APA/dpa/Bernd Weißbrod
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Gewerbe und Handwerk in Österreich stecken weiterhin tief in der Rezession. Zwar ist der Umsatz im Vorjahr nominell um 1,2 Prozent auf 129,7 Mrd. Euro gewachsen, inflationsbereinigt ist die Branche aber um 5,6 Prozent geschrumpft. Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster setzt nun große Hoffnungen auf den neuen Handwerker-Bonus, der im April im Parlament beschlossen werden soll.

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"Wir haben in Handwerk und Gewerbe seit der Corona-Pandemie leider keine wirtschaftliche Erholung erlebt", sagte Renate Scheichelbauer-Schuster am Dienstag in einer Pressekonferenz. "2023 war das nunmehr vierte Jahr in Folge, das mit einem realen Minus abgeschlossen wurde. Das ist natürlich auf die Dauer keine wirtschaftlich tragbare Situation, und wir wollen nicht zusehen, wie wir nach und nach mehr Betriebe verlieren."

Zu den größten Verlierern zählten im Vorjahr der Holzbau mit einem realen Umsatzrückgang von 10,5 Prozent, die Berufsfotografen (-9,3 Prozent), Kunststoffverarbeiter (-9,1 Prozent), Bau (-8,7 Prozent), Dachdecker, Glaser und Spengler (-8,6 Prozent) sowie die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker (-6,6 Prozent). Vergleichsweise glimpflich davongekommen sind die Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure (-0,6 Prozent), die Mode- und Bekleidungstechnik (-2,0 Prozent) und die Friseure (-2,0 Prozent).

Im Jahr 2023 haben die Gewerbe- und Handwerksbetriebe rund 4.200 Euro pro Mitarbeiter investiert. "Das sind um 18 Prozent weniger als im Vorjahr, als noch rund 5.100 Euro investiert wurden", sagte Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. "Die baulichen Investitionen sind um 39 Prozent zurückgegangen, alle anderen Investitionen sind gleich geblieben." Für heuer haben nur 35 Prozent der Betriebe Investitionen geplant - niedriger war dieser Wert nur im ersten Coronajahr 2020.

Vor allem Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien machen den Betrieben zu schaffen, berichtet Manfred Denk, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik. Viele klagen aber auch über fehlendes Risiko- und Eigenkapital und Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme, vor allem beim Bau und im baunahen Gewerbe.

Im 1. Quartal 2024 ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum Startquartal 2023 um 11,2 Prozent gesunken. Die Hafner, Platten- und Fliesenleger berichten sogar von um knapp ein Drittel kleineren Auftragspolstern. Beim Holzbau sowie bei den Malern und Tapezierern beträgt der Rückgang rund ein Fünftel. "Die Talsohle scheint aber jetzt überschritten zu sein", meint Enichlmair. "Es geht bergauf, die Erwartungen sind nicht mehr so stark negativ."

Zusätzliche Aufträge erwartet Scheichelbauer-Schuster durch den "Handwerker-Bonus Plus", der höherer dotiert sein wird als der ursprüngliche Handwerkerbonus und auch für mehr Arbeiten gewährt wird. "Das Gesetz dazu wird jetzt erst im April im Parlament beschlossen, daher sind uns die Richtlinien mit den speziellen Details noch nicht bekannt."

Was bisher bekannt sei: Der Handwerkerbonus Plus soll untere anderem für Arbeitskosten im Zusammenhang mit der Renovierung, Sanierung, Schaffung und Erweiterung von privat genutztem Wohn- und Lebensbereich gelten - also auch für Neu- und Zubauten. Das Fördervolumen beträgt 300 Mio. Euro, verteilt auf die Jahre 2024 und 2025. Die Höchstgrenze der förderbaren Arbeitskosten pro Person, Wohneinheit und Kalenderjahr beträgt 10.000 Euro. "Davon werden 20 Prozent, also 2.000 Euro, gefördert", erklärte die Spartenobfrau. "Die Politik hat auch angekündigt, dass der Handwerkerbonus rückwirkend ab 1. März dieses Jahres beantragbar ist." Man müsse also nicht warten, "man kann sofort loslegen und Aufträge vergeben". Bei der Rechnung ist die Arbeitszeit gesondert auszuweisen, die Arbeitskosten müssen pro Rechnung mindestens 500 Euro betragen.

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